Reaktionen von Geschäften & Co. auf neue Lockerungen

Es herrscht Unsicherheit

Kulturbahnhof Halver
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Kulturbahnhof in Halver: Ab dem 22. März könnte zumindest wieder Außengastronomie möglich sein.

Ab Montag gelten neue Corona-Lockerungen, weitere wurden in verschiedenen Schritten am Mittwoch von Bund und Ländern beschlossen. Viele Regelungen sind abhängig von der Inzidenzzahl, derzeit liegt die im Märkischen Kreis bei 119,2. Eine Verordnung gab es am Donnerstag noch nicht. In Einzelhandel & Co. in Halver und Schalksmühle herrscht Unsicherheit.

Halver/Schalksmühle - Körpernahe Dienstleistungen sollen ab Montag wieder erlaubt sein. Dazu gehört auch Yasmin’s Beauty Lounge in Halver. Vier lange Monate ohne Einnahmen musste Inhaberin Yasmin Kocak überstehen. „Anfang November musste ich schon schließen. Finanzielle Hilfen habe ich nicht bekommen“, blickt sie zurück. Ohne die Unterstützung ihres Mannes und dem Entgegenkommen ihrer Vermieterin hätte sie es nicht geschafft, ist sie sicher. Angestellte hat sie zum Glück nicht. „Ich war kurz davor, jemanden einzustellen, habe es aber zum Glück doch nicht gemacht.“

Zum Glück kann es jetzt wieder losgehen. Die Nachfrage ist groß, wie der Blick auf den Anrufbeantworter bestätigt: „Ich habe eine Liste von mehr als 50 Personen, die ich noch anrufen muss“, verrät sie und freut sich, ihr Geschäft wieder öffnen zu dürfen. Sehr viel würde sich für sie dabei nicht ändern, sagt sie, denn „ich musste auch vor Corona schon eine Maske tragen, und das Händedesinfizieren ist immer schon wichtig gewesen. Nach Pigmentierungen fassen sich die Kunden mitunter an die behandelten Stellen. Die müssen sowieso desinfiziert werden.“

Bei Behandlungen in der Augenregion müssen Kundin und Kosmetikerin eine Maske tragen. „Bei Gesichtsbehandlungen oder Lippenpigmentierung muss die Kundin einen negativen Test mitbringen“, erklärt Yasmin Kocak. Welcher Test dafür genutzt werden darf und wie genau die Vorschriften sind, weiß sie noch nicht. „Das soll am Freitag erst verkündet werden. Ich glaube, wenn ein Schnelltest ausreicht, dürfen die Kundinnen den auch bei mir im Laden machen. Genaues weiß ich aber auch erst am Freitag.“

Ähnlich sieht es im Nagel- und Kosmetikstudio Manuela Walter aus. Die üblichen Personenbeschränkungen und Hygienevorschriften wurden hier bereits umgesetzt, denn das Studio an sich durfte bereits am Montag öffnen. „Seit dem 2. November ist der Salon zu gewesen“, erklärt Kosmetikerin Viktoria Durante. „In der ersten Zeit durften wir noch Fußpflege machen, das wurde ab Dezember dann auch verboten, und wir konnten nur noch die medizinisch notwendige Pflege anbieten. Ab dieser Woche dürfen wir das auch wieder, und ab kommenden Montag ist wieder alles möglich.“ Am gefragtesten sind bei den Terminanfragen die Nagelbehandlungen in dem Studio.

Buchhandlung

Silke Berges darf ihren Kö-Shop in Halver auch wieder öffnen. „Ich muss selber erst noch nachsehen, was wir wie machen dürfen“, sagt sie am Donnerstag. Die Bestimmungen seien erst ein paar Stunden alt und es würden sie nach und nach immer mehr Infos dazu erreichen, sagt sie. Zum Ablauf in ihrem Geschäft kann sie daher noch keine Details geben.

Gastronomie

Maßlos enttäuscht von den Änderungen zeigt sich Jochen Bernsdorf, Betreiber des Restaurants Haus Glörtal an der gleichnamigen Talsperre in Schalksmühle. Laut Beschlussvorlage darf er seine Außengastronomie im vierten Öffnungsschritt, also frühestens ab dem 22. März, aufmachen. Aber erst, wenn der Inzidenzwert zwei Wochen lang nach dem dritten Öffnungsschritt landesweit oder regional bei unter 50 liegt. Sollte die Inzidenzzahl auf über 50 ansteigen, müssen vorab Termine für die Außengastronomie gemacht werden und es muss eine Dokumentation für die Kontaktnachverfolgung erfolgen. Zudem sollen, wenn an einem Tisch Personen aus mehreren Hausständen sitzen, aktuelle Coronatests erforderlich sein. Steigt der Wert auf über 100, tritt eine Notbremse in Kraft und der Betrieb wird wieder geschlossen.

„Das ganze Hin und Her zieht sich so ewig hin. Das sind keine Perspektiven für mich. So gehen dann wieder drei bis vier Wochen ins Land, das ist einfach frustrierend. Es ist unglaublich schwer, sich und die Mitarbeiter jeden Tag zu motivieren“, sagt Jochen Bernsdorf. Die Lockerungen seien nichts, worauf man bauen könnte. „So leg ich mir doch keine frische Ware ins Kühlhaus.“ Um überhaupt etwas mehr Umsatz generieren zu können, werde er sein Angebot im Bikertreff um ein Abholgeschäft erweitern. Wer einen Tag vorher online vorbestellt, der könne sich etwa am Sonntag Schnitzel mit nach Hause nehmen.

„Ich sehe das ein bisschen für sinnlos an.“ In der Praxis der Gastronomie bleiben haufenweise offene Fragen, sagt Stefan Knaf, Pächter des Kulturbahnhofs in Halver. Öffne er sein Restaurant bei gutem Wetter und es beginne zu regnen, „was mache ich dann?“ Ins Restaurant lassen darf er die Besucher jedenfalls nicht. Und das werde der Stimmung der Gäste sicher nicht zuträglich sein. Das gelte aber auch für den Fall, dass es schön und sonnig wird. Denn dann wird es Reservierungen geben. Kommen Besucher spontan, müsste er sie abweisen.

Eine weitere schwierige Situation, die sich für ihn aufwirft. Er würde gerne wieder öffnen, auch wenn die Außengastronomie übers Jahr nur um die zehn Prozent Umsatz ausmachen dürfte. Ob sich das Öffnen rechnet, sei eine weitere Frage. Immerhin muss Personal für den Service da sein. Das müsste bezahlt werden, auch wenn’s dann doch regnet. Worauf es hinausläuft? Der Kuba fährt wohl auf Sicht. Wenn es verlässlich halbwegs warm und trocken bleiben sollte, wird Knaf wohl öffnen – nicht ohne an die Kollegen zu denken, die gar keinen Biergarten haben. „Von der teilweisen Öffnung haben die nichts.“

Blumen

Die Blumenhandlungen hat der Lockdown in NRW nicht so hart getroffen. Unter Auflagen durften sie weiterhin Blumen in den vergangenen Wochen verkaufen, mit Ausnahme von Dekoartikeln und Produkten, die nicht zum unmittelbaren Zubehör der Pflanzen gehören. Ab Montag gelten diese Einschränkungen laut Beschlusspapier nicht mehr. Und das ist auch gut so, wie Susanne Buschmann, Inhaberin von Blumen Gerull verrät: „Wir erwarten am Montag eh sehr viele Kunden, weil Weltfrauentag ist.“ Neben dem Valentinstag sei dies einer der umsatzstärksten Tage im Jahr. „Passend dazu wäre dann das komplette Sortiment wieder verfügbar, wenn wir wieder alles verkaufen dürfen.“ Speziell für den Weltfrauentag sei viel Ware geordert worden.

Einzelhandel

Bei Petra Nicolay, Inhaberin von Schuhe Nicolay in Schalksmühle, versucht trotz des Verordnungsdschungels, die Freude darüber, dass sie wieder ein Stück weit zurück in ihren Geschäftsalltag kann, überwiegen zu lassen. „Momentan bin ich guter Dinge. Ich werde schauen, wie sich das umsetzen lässt“, sagt sie, auch wenn am Donnerstag immer noch Unsicherheit darüber herrschte, ob sie am Montag wirklich ihre Tür an der Bahnhofstraße aufschließen darf.

Die Unternehmerin, die mit ihrem Online-Service den hohen Bedarf der Kunden kaum decken konnte, darf am 8. März ihr Geschäft wieder öffnen. Sie geht davon aus, dass der Inzidenz-Wert für ganz NRW und nicht der für die Region gilt. So kann sie ab Montag bei unter 50 Neuinfektionen einen Kunden pro zehn Quadratmeter empfangen.

Bei einem Wert über 50 muss sie ein sogenanntes Terminshopping (Click & Meet) anbieten. Auch für sie gilt, dass ab einem Wert von über 100 der Laden wieder geschlossen wird. „Ich werde nun ein Konzept erarbeiten müssen. Dazu muss ich mich aber erst einmal schlau machen, was alles gefordert wird.“

Petra Nicolay weiß so noch nicht, in welchem Rhythmus und in welchem Rahmen sie die Termine vergeben kann. Sie hofft dabei auch auf Toleranz bei den Kunden. „Ich bin froh, dass man wenigstens etwas weiß, was man wieder darf“, sagt sie.

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