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Verkehr auf L892 ist ein Problem - Zahlen belegen das jetzt

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Von: Sarah Lorencic

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Halver-Oberbrügge: Martin Kalthaus hat kein Verständnis für die Raser.
Ordnungsamtsmitarbeiter Martin Kalthaus hat kein Verständnis für die Raser. © Lorencic, Sarah

Seit rund zweieinhalb Monaten ist eine Geschwindigkeitsmessanlage an der Heerstraße (L892) in Oberbrügge im Einsatz. Die Bilanz ist ernüchternd, aber eine Konsequenz ist nicht in Sicht.

Oberbrügge – Die Anlage misst das Tempo der Verkehrsteilnehmer. Mittels eines USB-Sticks können die Werte ausgelesen werden. Belangt wird jedoch niemand, denn die Anlage macht keine Aufnahmen. Die Überwachung ist anonym und dient derzeit zum einen einer Bestandsaufnahme und zum anderen der Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer. Motivieren soll der grüne, lächelnde Smiley beim Einhalten der Geschwindigkeit. Ein Drosseln der Geschwindigkeit erhofft man sich durch das rote, traurige Gesicht. Die Bilanz nach den vergangenen Wochen bestätigt das Bild der Anwohner. Zuständig fürs Auslesen der Werte ist Martin Kalthaus vom Ordnungsamt der Stadt Halver. Anfangs las der Stadtmitarbeiter mehrmals in der Woche die Aufzeichnungen aus, mittlerweile einmal monatlich. Die Daten sendet er an den Arbeitskreis Verkehrssicherheit. Dort wird eine Statistik erstellt, die am Ende dazu beitragen könnte, dass an der Heerstraße eine Radarfalle installiert werde. Mobile Messungen hatte die Polizei bereits zugesagt.

Nötig wäre das, wenn es nach Martin Kalthaus geht. „Die Zahl derer, die 30 km/h fahren, ist schwindend gering“, kommentiert er die Zahlen. Pkw und Lkw fahren stattdessen 50, 60 und auch 70 km/h in Höhe des Fußgängerüberwegs, der den Kindern den Weg zu Regenbogenschule über die Landesstraße erleichtern soll. Morgens wie mittags steht Kalthaus des Öfteren an der Einmündung zur Straße „Am Nocken“, um sich ein Bild vom Verkehr zu machen und den Schülerinnen und Schülern über die Straße zu helfen.

Pkw und Lkw nehmen keine Rücksicht, sagt Kalthaus. „Selbst, wenn die Kinder auf der Verkehrsinsel stehen, nicht.“ Immer wieder komme es zudem zu Streitigkeiten mit Verkehrsteilnehmern, erzählt der Ordnungsamtsmitarbeiter. Auf den Hinweis hin, dass zu schnell gefahren wurde, heißt es dann meistens: „Können Sie das beweisen?“ Und nein, das kann die Stadt nicht. „Und das wissen die“, sagt Kalthaus.

Die Aufzeichnungen des Messgeräts erhält auch Hauptkommissar Andreas Ormeloh. Er übermittelt sie am Ende zur Analyse weiter an den Arbeitskreis Verkehrssicherheit, in dem er selbst kein Mitglied ist. Auch die Polizei analysiert die Daten. An der Stelle der Heerstraße ist es nicht möglich, einen Radarwagen des Kreises aufzustellen. Die Voraussetzungen werden nicht erfüllt, erklärt Ormeloh. Der Polizeiwache Halver teilt man jedoch mit, dass vor Ort alternativ eine Lasermessung durchgeführt werden sollte. Und nötig sei eine Kontrolle. So deuteten einige Messergebnisse im dreistelligen Bereich gar auf Autorennen hin, so Ormeloh. „So schnell fährt man nicht nur, weil man es eilig hat.“ Diese Szenarien ereigneten sich nachts.

Auch Bürgermeister Michael Brosch kennt die Zahlen. Für ihn ist vor allem der Zeitraum interessant, an dem die Schülerinnen und Schüler die Landesstraße queren. „Auch da sind nicht alle mit 30 km/h unterwegs, aber ganz grelle Verstöße gibt es nicht zu den Zeiten.“ Nichtsdestotrotz wird zu schnell gefahren. Und Vorschriften, die der Märkische Kreis macht, sollen auch von Kreis und Polizei überwacht werden, fordert Brosch. Halver selbst kann das nicht: „Wir dürfen nur Knöllchen ausstellen – das war‘s.“

Beschwerden von Anwohnern liegen mehrere im Rathaus. Die Smiley-Anlage kann nur sensibilisieren, mehr nicht. Michael Brosch würde Blitzeranhänger begrüßen, die auch in der Nachbarkommune Kierspe teilweise stehen. „Der Kreis will sich die Zahlen anschauen“, weiß auch Brosch. „Dass auf der Heerstraße zu schnell gefahren wird, dafür brauchten wir keine Anlage. Aber die Zahlen belegen jetzt die Wahrnehmung.“

Unserer Redaktion liegt die Auswertung der Messanlage vor. Ab 7 Uhr morgens fahren stündlich rund 200 Pkw und Lkw an der Messanlage vorbei. Ab 19 Uhr werden es mit rund 100 Fahrzeugen erstmals am Tag spürbar weniger, bis in die Nacht nur noch vereinzelt Fahrzeuge vorbeifahren. Auf den Monat gerechnet, fahren – in eine Fahrtrichtung – mehr als 55 000 Fahrzeuge über die Heerstraße. Die meist gefahrene Geschwindigkeit ist langsamer als 40 km/h bei erlaubtem Tempo 30. An die Vorgabe halten sich mit Sicherheit rund 15 000 Verkehrsteilnehmer im Monat. 10 000 fahren zwischen 40 und 50 km/h. Rund 3700 Fahrzeuge fahren – zum Teil deutlich – schneller als 50 km/h. Das höchste Verkehrsaufkommen Richtung Halver gibt es zwischen 15 und 17 Uhr. Zwischen den Stoßzeiten fahren zwar in der Zahl weniger Fahrzeuge durch Oberbrügge, dafür aber häufiger deutlich zu schnell.

Um Stau auf der Straße, die auch als Umleitung für die gesperrte B229 zwischen Brügge und Ostendorf dient, zu vermeiden, gilt derzeit ein absolutes Parkverbot entlang der gesamten Heerstraße. Eine freie – teils schnelle – Fahrt ist daher möglich.

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