80 Stunden Sozialdienst für 19-Jährigen

Halver - Ein Gesicht bekamen die vielen anonymen afrikanischen Flüchtlinge am Dienstag im Amtsgericht Lüdenscheid. Dort musste sich ein Asylbewerber aus Guinea wegen Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruch verantworten. Der heute 19-Jährige war im Oktober/November 2011 nach Deutschland geflüchtet - aus politischen Gründen, wie er gegenüber den Einwanderungsbehörden angab.

Er habe an Großdemonstrationen teilgenommen, sei inhaftiert worden und habe schreckliche Gewalterfahrungen in Gefängnissen gemacht, berichtete er.

Seine erste Station in Deutschland war Bochum, wo der 17-Jährige unter die Vormundschaft des Jugendamtes gestellt wurde. Dort belegte er auch einen Deutschkurs und arbeitete ein wenig. Ein „erstes Geschäftsmodell als selbständiger Kaufmann“ scheiterte glücklicherweise: Das Amtsgericht Bochum verurteilte ihn wegen des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln zu Sozialstunden, die der junge Mann ohne Beanstandungen ableistete.

Dem Ruhrgebiet blieb er trotz des Umzugs nach Halver verbunden. In Essen geriet er im Zeitraum zwischen Juli und Oktober 2013 mehrmals mit Sicherheitskräften im Hauptbahnhof aneinander und kassierte ein Hausverbot für den gesamten Bahnhofsbereich. Mehrfach setzte er sich darüber hinweg, es kam zu Rangeleien mit den Sicherheitsleuten und wüsten Beschimpfungen.

„Er hat nicht verstanden, dass er im Bahnhof Essen Hausverbot hatte und fühlte sich auf den Kieker genommen“, trug der Anwalt des Angeklagten vor. Der legte ein umfassendes Geständnis ab, entschuldigte sich bei den leicht verletzten Sicherheitsleuten und akzeptierte das Urteil: Richter Peter Alte verurteilte ihn zu 80 Stunden Sozialdienst, weil es sich um Taten „am unteren Rand des Strafgesetzbuches“ gehandelt hatte. Der Richter rügte allerdings die „aggressive und hartnäckige“ Vorgehensweise des Angeklagten, der das Feld nicht hatte räumen wollen.

Wegen der offenbar unzureichenden Impulskontrolle des jungen Mannes hätten die Prozessbeteiligten ihm gerne auch ein Anti-Aggressions-Training verordnet. Dies scheiterte jedoch vorerst an den noch unzureichenden Deutschkenntnissen des Angeklagten. - thk

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