Rainer Hutt: Schwimmmeister im Waldfreibad ein Traumjob

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Früh morgens liebt Schwimmmeister Rainer Hutt seine Herpine. Dann genießt er einfach nur „das schönste Fleckchen Erde“.

Halver -  Wenn Rainer Hutt früh morgens über das Wasser blickt und noch alles ruhig ist, verspürt er pures Glück. Für ihn gibt es keinen schöneren Ort als die Herpine. Seit fünf Jahren ist er Schwimmmeister im Waldfreibad – dem, wie er sagt, schönsten Bad, in dem er in den vergangenen 32 Jahren gearbeitet hat.

Es ist kurz nach 7 Uhr. Ruhig und unberührt liegt das Freibad in der Morgensonne. Viel Zeit, die Idylle zu genießen, hat Hutt jedoch nicht. Schon in einer halben Stunde werden die Frühschwimmer erwartet. Vorher müssen die Systeme hochgefahren, Wasserproben entnommen und die zahlreichen Blumen gegossen werden.

Sein erster Gang führt ihn in das Herz des Freibads. Das liegt hinter dem tiefen Becken, gut versteckt hinter dichten Büschen und Bäumen. Vier große Filtertanks, jede Menge Rohre und ein kleines Häuschen, das bis zum Dach gespickt ist mit modernster Technik.

„750 Kubikmeter Wasser werden hier stündlich eingesogen, gereinigt und wieder ausgegeben“, ruft Hutt, während er die Geräte anschaltet. Von der stillen Freibad-Romantik ist dort nun nichts mehr zu spüren, laut dröhnen die Motoren und auf Bildschirmen blinken Kontrolllampen.

„Hier sehe ich, wie der ph-Wert und wie viel Chlor im Wasser ist. Heute müssen wir wieder ein wenig Chlor hinzufügen“, sagt er mit Blick auf ein kleines Computer-Display. Ganz ohne Chlor ginge es nicht. Das sei für Schwimmbäder nun einmal Pflicht. In dem Technikraum hält Hutt sich nur so kurz wie möglich auf. Schnell geht es nach draußen. Die Grünanlage muss noch rasch kontrolliert werden. „Ich rechne mit bis zu 2500 Badegästen heute. Da ist für so etwas während des Betriebs absolut keine Zeit.“ Und so heißt es Blumengießen im Akkord.

Währenddessen treffen die ersten Frühschwimmer ein. Fast alle begrüßt Hutt mit Namen. Die Stammgäste und das Team sind so eine Art große Familie – schließlich verbringen sie während der Freibadsaison nahezu jeden Morgen miteinander. Viele kommen schon seit vielen Jahren. Ruhig und ohne Aufregung ziehen sie ihre Bahnen. An Tagen wie diesen sind das die einzigen ruhigen Minuten in dem Bad. Schon in einer Stunde werden Kinder und Familien das Bad stürmen.

„Am Anfang der Ferien geht es immer noch. Da sind viele Halveraner im Urlaub. Dennoch, bis zu 3000 werden es schon bei gutem Wetter“, erklärt Hutt. Dann muss der Schwimmmeister seine Augen überall haben. „Ein Problem auf der Wiese sind Glasflaschen. Die Leute verstehen einfach nicht, dass die zu gefährlich sind. Schließlich sind das hier alles Barfuß-Wege und da haben die einfach nichts verloren.“ Er wird nicht müde, die Badegäste über die Gefahren aufzuklären. Doch es scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein.

Während er aufklärt, schweift sein Blick immer wieder über das Wasser. „Das Becken ist speziell. Da müssen die Leute schon schwimmen können. Das ist keine gewöhnliche 25-Meter-Bahn.“ Kritisch sieht Hutt das kleine Seepferdchen. „Das ist ein Frühschwimmer-Abzeichen. Das heißt nicht, dass die Kinder schwimmen können. Und schon gar nicht allein in so einem Bad“, mahnt der Schwimmmeister.

Es sei durchaus schon vorgekommen, dass er Kinder aus dem Wasser ziehen musste, die ihre Kräfte überschätzt hätten. „Aber toi, toi, toi, in meinen mehr als 30 Jahren ist noch niemand ertrunken oder schwer verunfallt.“

Im Pflasterkleben und Trösten ist Hutt allerdings längst Profi. Wie viele Kinder mit kleinen Schürfwunden und Wehwehchen er schon behandelt hat, weiß er nicht. „Aber ich weiß mittlerweile schon, wie ich die kleine Welt wieder in Ordnung bringe“, schmunzelt er. Und so bringen ihn auch große Krokodilstränen und blutige Beine nicht mehr aus der Ruhe – Herpine-Alltag eben.

Rainer Hutt genießt jeden Tag in der Herpine. „Ich arbeite an einem wunderschönen Fleckchen Erde – und die Leute sind auch noch nett“, schwärmt er. Und so freue er sich auf die letzten Jahre bis zur Rente. Denn die Halveraner Schwimmer sind für ihn längst mehr als nur Kunden, sie sind Freunde und Familie.

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