Anbindung Halvers ans Radwegenetz

Radewegenetz: „Isoliert in alle Richtungen“

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Das Rad ist auf dem Vormarsch. Mit zunehmender Verbreitung von E-Bikes verlieren Berge ihren Schrecken.

Halver  - „Total isoliert in alle Richtungen.“ Das ist der Sachstand bei der Anbindung Halvers an umliegende, attraktive Radwegenetze.

Zu dieser Einschätzung kam SPD-Fraktionschef Martin Kastner im Hauptausschuss und stand mit seiner Meinung nicht allein. 

Welche neuen Radwegeverbindungen braucht man? Wo fängt man an? Welche Prioritäten muss man setzen? Wer plant und wer baut die Wege?

Route 1 ab Rade

Weitgehend Konsens besteht über einen Prüfungs- und Planungsauftrag, den die Stadt an ein Ingenieurbüro gegeben hat. Es geht um die sogenannte Route 1 von der Stadtgrenze zu Radevormwald bis – voraussichtlich – zur Mozartstraße. Vom Parkplatz an der B 229 an der Gemeindegrenze würde der Weg südlich abseits der Bundesstraße über Dienstühlen in Schwenke, Eschen, an Büchen vorbei und am Bolsenbach entlang Richtung Altemühle führen. 

So weit zumindest sieht der Entwurf aus, für den der Landesbetrieb Straßen.NRW vorsichtig Zustimmung signalisiert hat. Kommt man in dieser Hinsicht überein, würde der Landesbetrieb die Kosten übernehmen. Planerisch tritt die Stadt Halver in Vorleistung, weil beim Land die personellen Ressourcen aufgrund anderer Aufgaben nicht vorhanden sind. 

Verkehr von der Straße 

Was den Landesbetrieb antreibt, sich zu beteiligen, machte dessen Vertreter, Hans-Jürgen Heidenreich, im Ausschuss für Planung und Umwelt deutlich. Erstes Ziel sei es, Verkehr von der Bundesstraße herunterzubekommen. Würden Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen, um die parallel laufenden Wege zu nutzen, wäre dieses Ziel erreicht. 

Fahrradfeindlich: die B 229 Richtung Lüdenscheid-Brügge.

Straßen.NRW werde allerdings keiner Kommune irgendwelche touristischen Wegeverbindungen bezahlen, machte er in der Sitzung deutlich. Kritisch könne die Route 1 in der Bewertung möglicherweise deshalb ausfallen, weil sie sich vom eigentlichen Verlauf der B 229 verhältnismäßig weit entferne. 

Von allen möglichen Anbindungen, beispielsweise nach Breckerfeld, nach Wipperfürth, ins Volmetal nach Lüdenscheid, Oberbrügge und Schalksmühle ist demnach die Rader Variante über diese Finanzierung die realistischste, so die Einschätzung bei Stadt und Landesbetrieb.

Asphalt ist Standard 

Bevor es allerdings an den Bau gehen könnte, sind zahlreiche Fragen zu klären. Denn Straßen.NRW setzt auf bestimmte Standards beim Ausbau. Wassergebundene Decken sind aufgrund der höheren Unterhaltungskosten kein Thema, das heißt, es würde asphaltiert, was für ein zügiges Fortkommen natürlich von Vorteil ist. Andererseits könnten Forstbetriebsgemeinschaft, Eigentümer oder die Untere Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises Bedenken anmelden, wenn es um Asphalt und damit Versiegelung im Wald geht. 

Hoffnung im Osten? 

Damit ist die Situation bereits unübersichtlich. Komplexer wird es aber, wenn weitere Anbindungen auf die politische Tagesordnung rücken und deren Finanzierung und Trassenführung noch schwieriger ist. Von Martin Halbrügge (Grüne) und Dr. Sabine Wallmann (UWG) beispielsweise wird eine wünschenswerte Anbindung nach Osten ins Industriegebiet Oeckinghausen und idealerweise bis Ostendorf und zum geplanten Volmetalradweg ins Gespräch gebracht. 

Dies wäre zwar ebenfalls parallel zur B 229, planerisch aber offenbar deutlich schwieriger umzusetzen. Straßen.NRW schließe einen Radweg, der in einem Dorf wie Heesfeld endet, ziemlich kategorisch aus, sagte im Hauptausschuss Fachbereichsleiter Michael Schmidt. 

Bürgerradweg? 

Noch spannender dürfte eine andere Frage werden, wenn es um erhoffte Verbindungen entlang der Landesstraße 528 geht. Die haben für Straßen.NRW eine deutlich geringere Priorität. Auch die Mittelausstattung fällt sparsamer aus als bei Bundesstraßen. Auf der anderen Seite würde eine Anbindung nach Breckerfeld längs der Landesstraße 528 nach Norden bedeuten, dass sich für Radfahrer das ruhrgebietsweite Wegenetz öffnen würde. Ab Breckerfeld-Branten gäbe es dann radlerfreundliche Wege. In diese Richtung denkt der Halveraner Beigeordnete Markus Tempelmann, dem an dieser Stelle auch eine andere Finanzierung vorschwebt. 

Bei sogenannten Bürgerradwegen könnten interessierte Initiativen, offenbar aber auch Kommunen in Vorleistung gehen und sich die Kosten später erstatten lassen. 

Interesse beim Kreis? 

Nächste vorstellbare Variante: die Herstellung eines brauchbaren Radweges auf dem vorhandenen Bahndamm nach Anschlag, wie sie Horst Höfer (CDU) anregt. Die Umsetzung würde aber weniger Straßen.NRW berühren, sondern mehr den Märkischen Kreis als Baulastträger für die parallel laufende Kreisstraße nach Anschlag. In diesem Fall werde die Verwaltung das Gespräch mit dem Märkischen Kreis suchen, kündigte Bürgermeister Michael Brosch an.

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