Fahrradtrasse nach Oeckinghausen Thema im Planungsausschuss

Radweg an der B229: Unklarheiten und Dikussionen

Halver - Es hört sich verlockend an: Die Stadt Halver erhält Geld vom Land für einen Radweg, der die Kernstadt direkt mit Oeckinghausen verbindet. Umfänglich nachdenken müsste man über ein solches Angebot eigentlich nicht – sollte man meinen.

Anderthalb Stunden, länger als über jeden anderen Punkt der Tagesordnung, diskutierte der Ausschuss für Planung und Umwelt am Mittwoch über das Vorhaben. Anwohner vom Mesenhohl und vom Linger Weg kamen zu Wort. Im Ergebnis stand einstimmig der Prüfauftrag an die Verwaltung, die Planung in Abstimmung mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW weiter zu betreiben und auch die erforderlichen Genehmigungen einzuholen.

Die Trasse vom Linger Weg vorbei an Mesenhohl zum geplanten Kreisverkehr in Oeckinghausen ist eine von insgesamt fünf Strecken, die für die Anbindung Halvers an die kommunalen und regionalen Radwegenetze in der Nachbarschaft der Stadt sorgen könnte – Richtung Breckerfeld und Wipperfürth, nach Radevormwald, Schalksmühle und ins Volmetal. Darüber besteht im Grundsatz politischer Konsens.

Problematische Trassenführung

Was aber die Wegeführung angeht, darüber hagelte es Kritik. Vorgesehen ist die Trasse von der B229 in Oeckinghausen in Richtung Bocherplatz, von dort steil den Berg hinauf vorbei an der Ortslage Mesenhohl auf den Linger Weg, wo es mit vergleichsweise moderater Steigung weitergeht bis zur Falkenstraße und zur Einmündung auf die Bundesstraße unterhalb des Penny-Markts. Topografisch ist diese Trassenwahl kaum erklärlich. 

Auf der Gesamtstrecke geht es um 90 Meter Höhenunterschied. 80 Meter davon entfallen beim vorgestellten Entwurf auf den verhältnismäßig kürzeren Abschnitt von Bochen bis zum Anfang der Bebauung am Linger Weg. Sie ist im jetzigen Zustand ausgewaschen und ist steil. Geübte Radler mit guten Rädern dürften den Berg schaffen, auch mit Elektroantrieb stellt der Berg kein ernsthaftes Problem dar.

Alternative über alten Bahndamm?

Viel lieber gesehen hätte man im Ausschuss die Alternative. Biegt man von der Ortslage Bochen nicht rechts ab zum Linger Weg, sondern fährt man gerade aus, kommt man auf die Schnurrentrasse, den früheren Bahndamm von Halver nach Schalksmühle. Mit leichter und völlig gleichmäßiger Steigung und auf etwas weiterer Strecke komme man ebenfalls auf die Falkenstraße, so das Argument. Überwiegend mit feinem Kies versehen, wäre der vorhandene Weg auch für normale Radler fahrbar. Diese Variante allerdings würde Straßen.NRW nicht finanzieren. Der Grund: Sie sie liegt zu weit abseits der B 229.

Asphalt als Ausbaustandard

Das würde sich ein wenig relativieren, wenn die Fahrbahndecke neu hergestellt wird. Der Landesbetrieb Straßen.NRW setzt für seinen finanziellen Einsatz bestimmte Standards voraus. Dazu gehört, dass die Decke in Asphaltbauweise hergestellt wird. Und im konkreten Fall der Mesenhohl-Trasse müsste die Breite, so die Angaben der Verwaltung, bis zu 3,50 Metern betragen, um weiter landwirtschaftlichen Verkehr zuzulassen.

Ökologische Bedenken

Das stößt bei den Anliegern, die in der Sitzung zu Wort kamen, auf massiven Widerstand. Aus ökologischer Sicht sei ein solcher Eingriff nicht hinnehmbar. Andernorts werde versucht, Asphalt aus dem Wald herauszuholen. In Halver werde er ohne Not in den Wald gebracht und die Fläche maximal versiegelt, sagt beispielsweise Anlieger Michael Ebbinghaus. Und es sei überhaupt zu bezweifeln, dass die Breite von 3,50 Metern an Fläche durchgängig zur Verfügung stünde beziehungsweise gestellt würde.

Zweiterschließung befürchtet

Neben Schäden am Baumbestand und befürchteten Entwässerungsproblem treibt die Anlieger aber eine weitere Sorge um, wie aus mehreren Beiträgen hervorging: Sie befürchten, dass über den befestigten Radweg eine Hintertür geschaffen werde, um für das große Wohngebiet eine zweite verkehrliche Anbindung zu schaffen, und zwar über den Linger Weg direkt nach Oeckinghausen. Favorisiert wird daher von den direkt Betroffenen die Variante auf der Schnurrentrasse. Und genau das funktioniert offenbar nicht. 

Wenn der Landesbetrieb Straßen.NRW Geld bereitstellt, – in Rede steht ein Betrag zwischen 900 000 und einer Million Euro – wird das nur möglich für eine möglichst parallele Trasse zur Bundesstraße. Denn Kernziel des Landesbetriebes ist, den Radverkehr von der Bundesstraße zu bekommen, um diese selbst leistungsfähig zu erhalten. Außerdem: Jeder Fahrradpendler bedeutet durch den Verzicht auf den Pkw ein Fahrzeug weniger auf der Straße. Die Schleife über die Schnurrentrasse, wo auf weiter Strecke auch die Eigentumsverhältnisse neu geregelt werden müssten, würde Straßen.NRW jedenfalls nicht bezahlen, machte für die Verwaltung Ramona Ullrich deutlich.

Zweckbindung durch Finanzierung 

Und die Befürchtung, dass mit dem Bau der Radtrasse eine unerwünschte Zweiterschließung für den Linger Weg ins Haus stehe, hält sie nicht für gerechtfertigt. Im Gegenteil: Es gehe mit der möglichen Finanzierung durch den Landesbetrieb Straßen.NRW ausschließlich um einen Radweg. Die Zweckbindung schließe daher eine anderweitige Nutzung aus. Vorgesehen sei eine Absperrung durch Poller oder Schranken, die bei Bedarf nur durch Befugte, das heißt Land- oder Forstwirte beziehungsweise durch den Rettungsdienst, aufgehoben werden könne

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