Beute aus Spielhallen-Überfällen verzockt 

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Halver - Mit weitreichenden Geständnissen begann am Freitag im Landgericht Hagen der Prozess gegen vier junge Männer aus Lüdenscheid und Meinerzhagen. Sie gaben zu, in unterschiedlichen Rollen im Herbst 2016 an bis zu vier Raubüberfällen auf Spielhallen in Lüdenscheid, Halver (16. Oktober 2016), Altena und Drolshagen beteiligt gewesen zu sein.

Bewaffnet mit einer angeblich ungeladenen Gaspistole und einer Machete betraten zwei bis drei Täter jeweils um kurz vor ein Uhr die Spielhallen, bedrohten Personal und Gäste, während ein 20-Jähriger mit einem Brecheisen die Spielautomaten aufbrach und plünderte. 

Noch nicht geklärt wurde die Frage, ob die Täter mithilfe vorhandener Schlüssel auch Tresore der Spielhallen öffneten. Auch bei den Angaben über die Höhe der Beute wichen die Angeklagten erheblich von der Anklageschrift ab, Die Staatsanwaltschaft geht bei den drei ersten Überfällen von einer Beute von jeweils etwa 2.000 Euro aus. Die Angeklagten hingegen beteuerten, dass sie die jeweils erbeuteten 1.200 Euro durch vier Beteiligte geteilt hätten. 

An der Rahmedestraße in Altena sollen die Täter laut Anklage 13.290 Euro Bargeld mitgenommen haben. Auch dieser Zahl widersprachen die Angeklagten: 900 Euro habe jeder der vier Täter bekommen. Das habe nicht mal ausgereicht, um seine erheblichen Schulden zu bezahlen, klagte einer der beiden 20-jährigen Angeklagten. Aus einer früheren Straftat erhebe eine Versicherung Regressansprüche gegen ihn. Das in den Spielhallen erbeutete Geld habe dieses Problem nicht lösen können, und deshalb habe er es lieber in Spielhallen verzockt und für Alkohol ausgegeben. 

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Auch bei der mentalen Vorbereitung der Taten hatten Wodka und Marihuana eine gewisse Rolle gespielt. Drogen, Alkohol, Spielsucht – das Geld blieb nicht lange in den Händen des Quartetts. Sichtlich peinlich war das Ganze nur dem ältesten Angeklagten, einem 24-jährigen Lüdenscheider. „Es tut mir sehr leid“, versicherte er und erzählte, wie er in die Sache reingerutscht war. „Ich war spielsüchtig.“ 

Bei den Überfällen bekam er die Aufgabe, die Spielhallen vor den Taten auszuspähen und bei Bedarf auch mal eine Polizeiwache im Blick zu behalten. Während des Überfalls in Halver befand er sich scheinbar als Kunde in den Räumen der Spielhalle und war derart beeindruckt vom Überfall seiner Kumpane, dass selbst die herbeigeeilten Polizeibeamten ihm seine Betroffenheit glaubten und ihn lediglich als Zeugen vernahmen.

Der Prozess gegen die vier Männer wird am 7. Februar ab 9.30 Uhr fortgesetzt.

In einem früheren Prozess waren bereits im Mai zwei junge Männer zu zweieinhalb Jahren Haft bzw. zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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