Geldstrafen nach Randale beim Feuerwehrpicknick

Oberbrügge - Völlig aus dem Ruder geriet das traditionelle Himmelfahrtspicknick der Feuerwehr Oberbrügge am 29. Mai 2014. Mitten im Getümmel befanden sich ein 22- und ein 26-Jähriger aus Halver. Nun gab es die Aufarbeitung vor dem Amtsgericht in Lüdenscheid.

Der Jüngere hatte – angefeuert von Frust und etwa 2,2 Promille Alkohol im Blut – das verhängnisvolle Geschehen durch eine völlig sinnfreie Sachbeschädigung ins Rollen gebracht. Nach einem Fußtritt blieb eine gläserne Gartenleuchte auf einem benachbarten Grundstück zerstört zurück. Der Besitzer und einige Feuerwehrleute stürzten sich daraufhin auf den Randalierer und fixierten ihn am Boden. Dieser verlor dabei wohl einen Zahn und blutete aus dem Mund. Außerdem schrie er um Hilfe, was seinen etwas weniger betrunkenen 26-jährigen Begleiter auf den Plan rief: Er stürzte hinzu und versuchte, seinem Freund zu helfen.

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Weil mittlerweile die Polizei eingetroffen war und sich des Jüngeren angenommen hatte, wurde im Amtsgericht Lüdenscheid bei der strafrechtlichen Aufarbeitung des Geschehens auch über den Anklagepunkt einer Gefangenenbefreiung verhandelt. Dieser wurde aber schließlich fallengelassen, weil nicht umfassend aufgeklärt werden konnte, inwieweit die Beamten den 22-Jährigen bereits „in Gewahrsam“ genommen hatten.

Dennoch blieb genug für das Strafverfahren übrig: Denn beide Angeklagte hatten sich massiv gegen ihre vorläufige Festnahme gewehrt. Ein Polizeibeamter erinnerte sich an die beiden Randalierer, deren Verhalten er als „vollkommen durchgedreht“ und „nicht mehr bei Sinnen“ beschrieb. Die Polizei habe „massiv Gewalt“ anwenden müssen, um den Widerstand zu brechen. Begleitet wurden die körperlichen Rangeleien von wüsten Beschimpfungen der Angeklagten: Sie holten aus der untersten Schublade der Beleidigungen – dort wo in übelster Weise auf sexuelle Sachverhalte angespielt wird – kübelweise Material, das gegenüber den Beamten ausschütteten. Noch auf der Fahrt zum Gewahrsam in Lüdenscheid setzten die jungen Männer ihren Widerstand fort.

Der 22-Jährige zeigte sich relativ einsichtig: „Ich trinke seitdem keinen Alkohol mehr.“ Aus „Dummheit“ habe er die Lampe zerstört und sei dann von fünf oder sechs Feuerwehrleuten gepackt und – am Boden liegend – mit Faustschlägen misshandelt worden. Die folgenden vier Tage verbrachte er im Krankenhaus: „Ich hatte eine starke Nierenprellung.“

Der 26-Jährige trug vor, dass er seinem misshandelten und blutend am Boden liegenden Freund lediglich habe helfen wollen. Beide erinnerten sich an Schläge, die sie noch bei der Autofahrt in den Gewahrsam abbekommen hätten. Diese Klage wies Richterin Kristina Thies jedoch zurück: „Sie waren keine unschuldigen Opfer willkürlicher Polizeigewalt.“ Spätestens mit dem Eintreffen der Beamten hätten die Angeklagten ihren Widerstand aufgeben müssen. Dass der Alkohol dem entgegenstand, sah auch die Richterin, die in ihrem Urteil von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit ausging.

Dennoch wurden beide Angeklagte wegen versuchter Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Bedrohung zu Geldstrafen verurteilt. 30 Tagessätze zu je 50 Euro waren es bei dem 22-Jährigen und 40 Tagessätze zu je 25 Euro bei dem 26-Jährigen. Beide zeigten sich unzufrieden mit der Entscheidung. - thk

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