Presbyterwahl: Abgelehnte Bewerberin beschwert sich

Stephanie Kock

HALVER ▪ Hohe Wellen hat in der vergangenen Woche die Ablehnung von sieben Kandidaten für das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Halver geschlagen (wir berichteten). Die offizielle Bewerberliste wurde am Sonntag bekannt gegeben – doch sowohl gegen diese Liste als auch gegen die Ablehnung der Kandidaten hat Stephanie Kock, die selber betroffen ist, jetzt Beschwerde beim Kreissynodalvorstand eingelegt.

In einem sechsseitigen Schreiben, das der Redaktion auszugsweise vorliegt, kritisiert Kock nicht nur die Zurückweisung der eigenen Kandidatur, sondern auch die ihrer sechs abgelehnten Mitbewerber – die allesamt der Kantorei oder deren nahem Umfeld entstammen. Wie berichtet, hatte die Gemeindeleitung deren Bewerbung unter anderem mit Verweis auf Artikel 36 der Kirchenordnung abgelehnt. Zumindest für die Kandidaten Sophie und Mathias Ihne als auch für Peter Höller sieht Kock dadurch den Paragraphen 16 des Presbyterwahlgesetzes nicht erfüllt: Demnach müsse die Zurückweisung begründet werden.

„Die Wiedergabe eines Gesetzestextes und die Überzeugung des Presbyteriums sind keine Begründung“, so Stephanie Kock, die unter anderem wissen will, wie häufig ein Kandidat an Gottesdienst und Abendmahl teilgenommen haben muss, um als Presbyter qualifiziert zu sein. Zudem will sie die „gewissenhafte Erfüllung von Pflichten“ und den verlangten „guten Ruf“ der Bewerber näher definiert haben.

Desweiteren hinterfragt Kock auch die Befähigung der akzeptierten Presbyteriumskandidaten, gegen deren Zulassung sie daher ebenfalls Beschwerde einlegt. Denn es sei nicht ersichtlich, dass die in den „einheitlichen Wahlvorschlag“ aufgenommenen Personen (siehe unten) den Gottesdienst häufiger besuchten oder ihre Pflichten gewissenhafter erfüllten als Peter Höller oder das Ehepaar Ihne.

Dass darüber hinaus vier weitere Kandidaten aufgrund ihrer Strafanzeige gegen drei Mitglieder der Gemeindeleitung abgelehnt wurden, kann Stephanie Kock – die selbst zu diesem Personenkreis zählt – aufgrund eines, wie sie schreibt, „falschen Begründungsansatzes“ nicht nachvollziehen. Anders, als von der Gemeindeleitung in ihrer Ablehnung betont, hätten die Anzeigenerstatter nicht das gesamte Presbyterium oder gar die Gemeinde im Fokus gehabt, sondern lediglich drei Einzelpersonen. „Im Gegenteil liegt es im Interesse der Gemeinde, dass Personen, die ein derart undemokratisches, sozial unerträgliches Verhalten, das sich gegen die eigenen Gemeindeglieder richtet, an den Tag legen – selbst, wenn es nicht strafbar gewesen sein sollte, in die Schranken gewiesen werden“, so Kock. Auch die Kritik, die Anzeigenerstatter hätten durch ihr Verhalten den Ruf der Gemeinde beschädigt, will Stephanie Kock so nicht stehen lassen. Schließlich habe die Gemeindeleitung für die Schädigung des Rufs selber gesorgt – in ihrem Schreiben erinnert sie an die Homosexualitäts-Debatte, den Verstoß gegen Datenschutzregelungen der Kirche oder den so genannten Maulkorberlass.

Nun wird der Kreissynodalvorstand über die Beschwerde entscheiden. ▪ Frank Zacharias

DIE KANDIDATEN:

Folgende 13 Personen wurden seitens der Kirchengemeinde als Kandidaten für die Presbyterwahl am 5. Februar 2012 akzeptiert und in den „einheitlichen Wahlvorschlag“ aufgenommen: Ute Enslin-Kalitzki, Heike Esken, Jörg Grigull, Ralph Kämper, Michael Loitz, Jens Riedel, Florian Schlepps, Marianne Schmidt, Birgit Schröder, Heiko Sonnenschein, Kornelia Steller, Beate Turck und Dorothea Turck-Brudereck. Es sind zwölf Presbyterstellen zu besetzen.

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