Evangelische Gemeinde löst Kantorei auf

Die Auflösung der Kantorei könnte das letzte Kapitel eines fast zweijährigen Streits innerhalb der Evangelischen Kirchengemeinde Halver sein.

HALVER ▪ Es ist eine weitere – und vermutlich die letzte – Wende im Konflikt zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Halver und ihrer Kantorei: Das Presbyterium der Gemeinde hat in seiner Sitzung am Mittwochabend die Auflösung der Kantorei beschlossen.

Wie die Presbyteriumsvorsitzende Heike Esken jetzt bekannt gab, sei dieser Beschluss bei anonymer Stimmabgabe einstimmig bei zwei Enthaltungen erfolgt.

„Damit sind auch sämtliche für die Zukunft genehmigte Termine aufgehoben und das Gemeindehaus steht ohne gesonderte Vereinbarung nicht mehr zur Nutzung zur Verfügung“, heißt es in dem Beschluss des Presbyteriums.

Dabei brachte offenbar eine Satzungsänderung des „Vereins zur Förderung der Kirchenmusik in Halver“ das Fass für das Presbyterium zum Überlaufen: In einer Mitgliederversammlung am 12. April dieses Jahres habe der Verein „jegliche Verbindung zur Evangelischen Kirchengemeinde Halver, die ursprünglich vorhanden war, aus seiner Satzung gestrichen“, heißt es in einer Begründung für die Auflösung der Kantorei. Im Detail geht es um drei Punkte: So heißt es in der neuen Satzung, dass die Kirchenmusik in Halver im Allgemeine gefördert werde, nicht aber mehr gezielt jene Musik im Fokus steht, „die von der Evangelischen Kirchengemeinde ausgeht“. Zudem soll das Restvermögen des Fördervereins bei dessen Auflösung auf eine „als gemeinnützig anerkannte Organisation“ fallen und nicht mehr an die Evangelische Kirchengemeinde Halver. Für Heike Esken wesentlich ist jedoch die Änderung von Paragraph 11, Absatz 1: Darin stand dem Vorsitzenden des kirchenmusikalischen Ausschusses im Presbyterium lange Zeit ein Sitz im Vorstand zu – bis zum 12. April 2012. Für Esken steht fest, dass mit Wegfall des kirchenmusikalischen Ausschusses sie als Presbyteriumsvorsitzende dem Gremium hätte angehören müssen.

„Von der Satzungsänderung habe ich erst vor zwei Wochen erfahren und auch erst, als ich Herrn Bohe (Vorsitzender des Fördervereins, Anm.d.Red.) nach einem Termin für die Vorstandssitzung gefragt habe“, sagte Esken im Gespräch mit dem AA. Sie räumte ein, dass eine Auflösung der Kantorei schon länger im Raum gestanden habe, sich aber erst durch die jüngste Entwicklung eine klare Mehrheit im Presbyterium gefunden habe. „Aufgrund der Verhaltensweise der Kantorei ist der Eindruck im Presbyterium deutlich geworden, dass ein großer Teil der Kantoreimitglieder kein Interesse an der Gesamtheit der Evangelischen Kirchengemeinde Halver und den Inhalten der Gemeindearbeit hat, sondern dass es ihnen nur um die Interessen ihrer eigenen Gruppe geht“, heißt es in dem Schreiben des Presbyteriums, in dem auch die Entwicklung des Streits aus Sicht der Gemeinde beschrieben wird. Wie mehrfach berichtet, bildete die Diskussion um den so genannten „Maulkorberlass“ den Auftakt des Streits. Diese Debatte tangierte nicht zuletzt das Dienstverhältnis zwischen Gemeinde und Kantor Andreas Pumpa, zu dessen beruflicher Zukunft Heike Esken mit Hinweis auf das Arbeitsrecht nichts sagen wollte.

In einer ersten Reaktion zeigte sich Siegfried Bohe, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Kirchenmusik in Halver, von dem Presbyteriums-Beschluss „erschüttert“. „Das ist ein Rausschmiss“, so Bohe, der jedoch betonte, spätestens mit dem Singeverbot der Kantorei in den Gottesdiensten jede Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts verloren zu haben. Er kündigte für die kommenden Tage eine ausführliche Stellungnahme und außerdem an, dass der Förderverein auf die ausgehandelte Zahlung eines Anteils des Kantorgehalts künftig wohl verzichten werde. ▪ Frank Zacharias

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