Flutschäden

Praxis nach Hochwasser komplett zerstört - Wiedereröffnung erst in 2022 möglich 

Physiotherapiepraxis Sabrina Pallara Oberbrügge
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Flut in Oberbrügge: Die Physiotherapeutin Sabrina Pallara zeigt, wie hoch das Wasser am 14. Juli am Kaiserlichen Postamt an der Rückwand stand.

Nach dem Hochwasser ist im Kaiserlichen Postamt in Oberbrügge nichts mehr, wie es einmal war. Die Räumlichkeiten sind zerstört und die Zukunft verschiedener Menschen hängt daran.

Oberbrügge – Am Abend des 14. Julis verwandelte sich die Volme in einen reißenden Fluss, überflutete in der Siedlung Löwen, der Poststraße, dem Uferweg, der Volmestraße die Keller.

Bei Familie Pallara am Alten Bahnhof 2, dem besagten Gebäude – stand nicht nur der Keller unter Wasser, auch in der Physiotherapie Praxis von Sabrina Pallara machte sich eine stinkende, ölige Brühe breit. Gegen Wasser im Keller hat die Familie Vorkehrungen getroffen. Waschmaschine und Trockner sowie wichtige Unterlagen standen auf Augenhöhe und konnten so gerettet werden.

Wassermassen machen sich breit

Die Physiotherapeutin machte Fotos und Videos von den Ereignissen am 14. Juli. „Ab 15.30 Uhr stieg das Wasser unaufhörlich“, sagt sie. Die Filmaufnahme von 21.10 Uhr zeigt, dass es zu gefährlich gewesen wäre, selbstständig das Haus zu verlassen. Die Strömung war zu stark. Die Kraft der Wassermassen zerdrückte die Rückwand der Garagen, verschob mühelos einen schweren Findling. Vom Fenster der ersten Etage beobachteten Sabrina Pallara und ihre Eltern, wie die Nachbarn mit einem Boot evakuiert wurden. „Was macht ihr denn noch da drin?“, rief ein Helfer des THW. Sabrina Pallara und ihren Eltern war nicht bewusst, dass insbesondere die defekte Elektrik für sie zur tödlichen Falle werden könnte. In der Schaufel eines Baggers wurde die Familie in Sicherheit gebracht.

So sieht die Praxis derzeit aus: Um eine Kernsanierung kommt die Besitzerin nicht herum.

Ihre Mutter wird diesen Moment wohl nie vergessen. „Sie hört immer noch das Rauschen des Wassers“, sagt Sabrina Pallara. „Der Papa hat seine Fröhlichkeit verloren, er ist nur noch traurig.“ Mitnehmen konnten sie nichts. Sie wurden in die Schule gebracht. „Die Helferinnen und Helfer waren alle sehr freundlich. Es gab Kaffee und Brötchen für die vielen Menschen, die dort in Sicherheit gebracht wurden. Einige konnten die Nacht bei Verwandten oder Freunden verbringen. Andere, darunter auch Familie Pallara, verbrachten die Nacht in der Jugendherberge an der Glörtalsperre.

Am nächsten Morgen wachst du auf und das Wasser ist weg.

Sabrina Pallara, Physiotherapeutin aus Oberbrügge

„Am nächsten Morgen wachst du auf und das Wasser ist weg“, sagte Pallara. Das Wasser hatte die Öltanks im Keller beschädigt. Erst kurz zuvor waren sie mit 2000 Litern Öl befüllt worden. Für ihre Patienten hält die Physiotherapeutin die Raumtemperatur kontinuierlich auf 21 Grad. Nicht nur alles, was im Keller stand, waberte in einem schlammigen Wasser-Öl-Gemisch und war unbrauchbar. Dasselbe galt für das gesamte Praxismobiliar.

Über Monate, das war Sabrina Pallara sofort klar, würde sie hier nicht arbeiten können. Mit Schippe und Eimern den Schlamm aus dem Haus zu bekommen – so einfach geht das nicht. Alles ist Sondermüll und wird von der Firma Lobbe speziell entsorgt.

Der vierte Müll-Container wird befüllt

Nach mittlerweile mehr als zwei Wochen steht der vierte Container dazu vor dem Haus. Noch immer stinkt es nach Heizöl. Ihr Bruder Tiziano, Freunde und Patienten helfen – manche kommen nach Feierabend, um nach dem Inventar nun den Boden herauszureißen und den Putz von den Wänden abzuschlagen. Das Haus muss komplett entkernt werden. Einsturzgefährdet ist es zum Glück nicht.

Dass sie eine Woche lang keinen Strom hatte, ist beinahe schon vergessen. Viel schlimmer wiegt die Sorge um die Eltern. „Sie sind über Nacht um zehn Jahre gealtert“, meint sie. Als sie über die sozialen Medien auf ihre Situation aufmerksam machte, war die Verzweiflung und nicht zuletzt ihre Existenzangst unüberhörbar. „Das war nicht allein der Regen, der zu dieser Hochwasserkatastrophe geführt hat“, ist sie überzeugt. Sie sieht die Hauptursache im Überlaufen der Jubachtalsperre.

Zahlreiche Helfer unterstützen bei den Aufräum- und Renovierungsarbeiten in der Physiotherapiepraxis.

Das Kaiserliche Postamt muss, nachdem es kernsaniert wurde, im Keller und später im Bereich Parterre jeweils drei Tage lang durchgespült und anschließend jeweils einen Monat lang mit speziellen Maschinen getrocknet werden. Erst dann kann die Hauseigentümerin mit einem Architekten die Neugestaltung der Räume planen.

Übergangslösung gefunden

In diesem Jahr wird sie ihre Praxis nicht wieder eröffnen können. „Und dann stand plötzlich ein Engel da. Anders kann ich es nicht beschreiben“, sagt sie. Matthias Lauermann, Leiter der Tagespflege am Burgweg, war gekommen, um zu sehen, wie er helfen könnte. Er bot ihr einen Raum in der Tagespflege an und erwarb gleich eine Liege auf Ebay. Die Behandlung der Patienten kann also weitergehen. „Wir hatten diesen Raum als Ruheraum für unsere Besucher vorgesehen“, erklärt Matthias Lauermann. „Es hat sich aber gezeigt, dass sie viel lieber Programm haben. Der Raum wird also nicht benötigt.“

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