Corona in Halver

Präsenz oder Distanz: Schulen machen Spagat für Kinder 

Eine Schuklasse mit Schülern, die Masken tragen
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Nicht einheitlich: Manche Klassen sind noch voll, andere fast leer.

Die letzten Tage Schule vor den Weihnachtsferien laufen. Aber wie? Und welche Belastungen stellen sich dabei heraus? Wir haben mit der Humboldtschule und der Regenbogenschule darüber gesprochen.

Halver - Die Schulen sind weiterhin geöffnet. Das ist vielen Eltern jedoch nicht ganz bewusst gewesen. Viele riefen in den Schulen an und dachten, die Schulen wären ab Mittwoch (16. Dezember) geschlossen. Aber lediglich die Präsenzpflicht wurde ausgesetzt und Eltern darum gebeten, die Kinder, wenn möglich, nicht in die Schule zu bringen – und stattdessen ins Homeschooling überzugehen.

Für Schüler von der ersten bis zur siebten Klasse gibt es die Möglichkeit, normal in die Schule zu gehen. Für alle ab der achten Klasse gilt jedoch Distanzunterricht. Wie viele Familien haben sich dazu entschieden, ihre Kinder zu Hause zu betreuen und gegebenenfalls beim Homeschooling zu unterstützen? Ein Blick in die Klassenzimmer verrät an den beiden Standorten der Regenbogenschule, dass es sehr unterschiedlich ist. So gibt es Klassen, die noch fast vollständig besetzt sind, aber auch Klassen, in denen nur noch fünf Schüler sitzen, wie Leiterin Petra Schreiber sagt. Das ist auch an der Humboldtschule der Fall, wie Leiter Reiner Klausing bestätigt. Ob es Klassendynamiken sind oder nur Zufall, können beide Schulleiter nicht sagen. Rund 70 Prozent der Humboldtschüler sind in der Schule, an den Standorten der Regenbogenschule sind es ebenfalls rund zwei Drittel der Schüler. „Der Lockdown hat sich für uns noch nicht sichtbar gemacht“, sagt Petra Schreiber.

Lieber mehr Freiheiten als Regeln

Grundsätzlich sagt Reiner Klausing zu dem Lockdown, in dem auch die Schulen beachtet wurden: „Wir hätten das viel früher machen sollen.“ Das monatelange Festhalten am Präsenzunterricht kann er nicht nachvollziehen. Konkreter hätte er sich die Maßnahmen nicht gewünscht. Im Gegenteil: „Ich hätte lieber mehr Freiheiten.“ Nicht erst jetzt, sondern viel eher, sagt Klausing. „Man kommt nie in eine Routine.“

Einige Schüler hätten schon viel früher auf Distanz unterrichtet werden können. Für wieder andere Schüler wird dieses Modell nie funktionieren – aufgrund fehlender Endgeräte oder auch der familiären Situation. Auch jetzt ist es daher so, dass Schüler, die eigentlich zu Hause sein sollen, in einem Raum in der Schule sitzen und Endgeräte der Schule nutzen. Das ist Reiner Klausing wichtig. „Im Frühjahr haben wir einige Schüler verloren“, sagt Klausing. Damit das nicht wieder passiert, hat die Sekundarschule diese Grauzone für sich entdeckt. Einheitliche Maßnahmen sind nicht geeignet für Schulen, sagt Klausing. Schüler, Lehrer und Eltern sind alle unterschiedlich von Schule zu Schule. Die Einrichtungen sollten selber mit entscheiden dürfen, was die beste Lösung für sie ist.

Auch Petra Schreiber sieht sich durch die Vorgabe überholt. In der Schublade liegen Konzepte, sagt sie. „Es war alles vorbereitet“, sagt Schreiber. Hybridunterricht, halbe Klassen und weiteres. Der Aufwand, der jetzt für Lehrer entstanden ist, ist immens. Von einer Doppelbelastung sprechen beide Schulleiter. In der Grundschule müssen Lehrer Schüler einer Klasse sowohl auf Distanz und in der Schule unterrichten. An der weiterführenden Schule wechseln Lehrer zwischen den Jahrgangsstufen, für die jeweils andere Regeln gelten. Sie machen Unterricht vor Ort und digital – und in den unteren Stufen beides innerhalb einer Klasse.

Das Kollegium ist ein großes Team geworden in der Corona-Pandemie. Mehr als es ohnehin schon war. An den Grundschulen unterrichten Fachlehrer unter anderem nicht mehr jede Klasse. „Das würde keinen Sinn machen“, sagt Petra Schreiber. Klassen bleiben unter sich, dazu gehört auch das Lehrpersonal. Aufgefangen wird der Unterrichtsstoff von anderen Lehrern, die eigentlich fachfremd sind. Eine Leistung, die nur im Team funktioniert, sagt Schreiber.

Ferien mit Ausrufezeichen

Auch sie sagt, es hätte eher etwas passieren müssen. Nicht nur in den Schulen, sondern in jedem Lebensbereich. „Seit Oktober wird appelliert, appelliert, appelliert“, sagt Schreiber. „Wir sind sehenden Auges ins offene Messer gerannt.“ Jetzt mache man sich in der Politik Sorgen um die Kinder. Lehrer machen das schon länger, haben auf vielen Wegen schon im Frühjahr und Sommer versucht, Kontakt zu halten – über Telefonate und Gartenzäune. „Es gibt Kinder, für die ist das ein komplett verlorenes Jahr. Kinder, die uns verloren gehen, hätten wir schon im Frühjahr in die Schulen holen müssen.“ Aber man durfte nicht.

Und gibt es jetzt Probleme, die Schüler, die unterschiedlich unterrichtet werden, auf ein Niveau zu bekommen? Reiner Klausing sieht dieses Problem nicht. „Schüler sind nie homogen.“ Das Ziel sei nicht erstrebenswert. Jedes Kind lernt auf seine Art und Weise und in seinem Tempo. In der Grundschule ist das etwas anders. Mit den Viertklässlern sei Distanzunterricht einfacher, weil man mit ihnen schon besser kommunizieren kann, sagt Petra Schreiber. Hinterher sind eher die Klassen 1 und 2. Ob Eltern es leisten können, ihnen Lesen und Schreiben beizubringen, mag sie nicht beurteilen. Kommende Woche beginnen die Ferien. Lehrern und Schülern verordnet Klausing „Ferien mit einem klaren Ausrufezeichen“. Das sei nach diesem Jahr absolut notwendig für alle Beteiligten, findet er.

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