Verfahren gegen Schmerzensgeld eingestellt

- Symbolbild

HALVER -  So ziemlich alles lief schief bei einem Polizei-Einsatz am 1. August 2013 in Halver. Erst hinterher war klar: Dieser Einsatz war nicht rechtmäßig. Eine Kriminaloberkommisarin wurde dabei leicht verletzt.

Von Thomas Krumm

Ein 39-Jähriger aus Halver musste sich deshalb am Donnerstag im Amtsgericht Lüdenscheid wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verantworten. Sein Verhalten blieb zwar in Teilen rätselhaft, erntete aber durchaus auch Verständnis, was den Weg zu einer Einstellung des Verfahrens ebnete. Diese gibt es aber nur gegen Zahlung von 400 Euro Schmerzensgeld an die verletzte Beamtin.

Drei uniformierte Beamte und die Geschädigte in Zivil hatten an jenem Morgen bei dem Angeklagten geklingelt. Das Amtsgericht Hagen hatte einen Durchsuchungsbefehl auf den Weg gebracht, weil der 39-Jährige mit einem gefälschten ausländischen Führerschein Auto gefahren sein sollte. Dieses Dokument sollte nun sichergestellt werden. Der Amtsschimmel hatte allerdings ein entscheidendes Detail übersehen: Sechs Monate zuvor hatte der Angeklagte den Führerschein einem Gerichtsvollzieher bereits übergeben. Deshalb entbehrte der Einsatz eigentlich jeder juristischen Grundlage. Um ohne eine aufwändige Durchsuchung an ihr Ziel zu gelangen, verschwiegen die Beamten an der Haustür zunächst den Grund ihres Kommens. Sie wollten den Führerschein wegen einer angeblichen Fahrerflucht sehen, behaupteten sie.

Der Beschuldigte wies das zurück und erklärte ihnen, dass das Dokument nicht mehr da sei. Außerdem übergab er seinen Fahrzeugschein. Möglicherweise veranlasste ihn dann seine knappe Bekleidung, eine Boxershorts, sich ohne weitere Erklärungen in sein abgedunkeltes Schlafgemach zurückzuziehen. Bei der Krimininaloberkommissarin gingen aber alle Warnlampen an, sie folgte dem 39-Jährigen ins Schlafzimmer, wo es zu einer Rangelei und einem Sturz kam. Eine Schulterprellung und Blutergüsse an den Oberarmen waren die Folge.

Richter Thomas Kabus sah angesichts dieser Ereignisse „sehr viele Milderungsgründe“ für das Verhalten des Angeklagten. Dass dieser unangemessen reagiert hatte, war allerdings nicht völlig von der Hand zu weisen. So war es letztlich eine nachvollziehbare Entscheidung, die Schmerzen mit einer kleinen Entschädigung aufzuwiegen.

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