An Plastik führt oft kein Weg vorbei

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Fleischfachverkäuferin Birgit Insel von der Fleischerei Wiebel mit Tüten aus Papier und Plastik.

Halver - Es wird zuviel Plastik benutzt und weggeworfen, aber zu wenig recycelt. Das Bundesumweltministerium möchte das ändern und bestimmte Plastikartikel ganz verbieten. Der Allgemeine Anzeiger hat in einigen Geschäften gefragt, wie dort mit dem Thema Plastik umgegangen wird.

„Ohne Plastik geht es eigentlich nicht“, sagt Fleischfachverkäuferin Stefanie Lisson von der Metzgerei Baumeister. Fleisch- und Wurstwaren werden in Plastiktüten oder -folien eingepackt, auch die Becher für den Fleischsalat sind aus Plastik. Es gebe auch einige Kunden, die eigene Behälter wie Tupperdosen mitbringen, aber der Müll wird dadurch nicht weniger. „Aus hygienischen Gründen dürfen wir die Dosen gar nicht entgegennehmen“, sagt Lisson. Die Dosen könnten die Kunden lediglich auf der Theke abstellen und die Ware selbst einpacken. Die Folie, mit der die Verkäuferinnen davor das Fleisch abgepackt haben, muss dann aber trotzdem entsorgt werden.

„Tupperdosen nicht anfassen“, sagen Stefanie Lisson (links) und Yvonne Janota.

Tupperware wegen Hygiene nicht anfassen

Auch in der Fleischerei Wiebel dürfen Tupperdosen, die ohnehin nur wenige Kunden mitbringen, die Theke nicht überqueren. „Der Plastikmüll lässt sich schlecht vermeiden“, sagt Fleischfachverkäuferin Birgit Insel. „Wie soll man das Fleisch denn sonst einpacken? Papier würde gleich aufweichen.“ Und so sind die sogenannten Metzgerfaltenbeutel aus Papier auch eher für belegte Brötchen gedacht, nicht für Gulasch oder Hack. Da müssen es schon Plastiktüten sein, die für die Kunden aber kostenlos sind.

Teil der Kunden bringt eigene Taschen mit

„Man hat Produkte, die man einpacken muss“, betont Münür Yildiz, der auf dem Wochenmarkt Obst und Gemüse verkauft. Ohne Plastik gehe es nicht. „Ich kann zum Beispiel einen Feldsalat nicht anders verkaufen.“ Die Mehrheit der Kunden nehme die angebotenen Plastiktüten und Boxen, um die Einkäufe zu transportieren, aber etwa 30 Prozent, so schätzt Yildiz, bringen eigene Behälter oder Taschen mit.

Am Stand „Pacific-Fisch“ setzt man den Anteil der Kunden, die eigene Behälter mitbringen, noch geringer an, bei ungefähr fünf Prozent. „Wir haben zum Beispiel Soßen, die müssen wir in einen Plastikbecher tun“, sagt eine Verkäuferin. Eigentlich gelte überall da, wo mit Lebensmitteln gearbeitet wird, dass man Plastikmüll vermeiden will, es aber nicht geht.

Auch in Imbissbuden fällt Plastikmüll an: Verpackungen für Soßen und Salate. Eine Alternative zu Plastik gebe es da nicht, heißt es zum Beispiel in der Dönerstation. Aber es gebe viele Kunden, die auf die Plastiktüten verzichten und ihren Imbiss so auf die Hand mitnehmen.

Bei Alexander Grünwald wird die anfallende Plastikfolie separat gesammelt.

„Bei allem, was eingepackt kommt, können wir nichts machen“, sagt Alexander Grünwald, Inhaber des Lebensmittelmarkts Romaschka. „Wir haben allerdings einen Container aufgestellt nur für die Plastikfolie.“ Für die Kunden selbst sind die kleinen Plastiktüten für lose Ware wie Gemüse, Obst oder Süßigkeiten gratis, für große Einkaufstüten aus Plastik muss man an der Kasse allerdings zahlen. Kunden würden aber auch eigene Taschen mitbringen, um ihre Einkäufe zu verstauen, sagt Grünwald.

Dass der Trend von der Plastiktüte weggeht, zeigen auch Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. 2017 wurden 2,4 Milliarden Plastiktüten – gemeint sind Tragetaschen, nicht transparente Tüten für Obst und Gemüse – in Umlauf gebracht, 1,3 Milliarden weniger als 2016. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen an Plastiktüten sank von 45 auf 29. Doch auch wenn Plastik zum Beispiel aus Hygienegründen im Bereich Lebensmittel noch unverzichtbar ist, sind Plastikmüll und dessen Vermeidung auch in anderen Geschäften ein Thema.

Hubert Nicolay rät seinen Kunden, die Plastiktüten mehrmals zu verwenden.

„Ich frage die Kunden immer, ob sie eine Plastiktüte brauchen“, sagt Hubert Nicolay, Inhaber vom gleichnamigen Schuhhaus. Einige haben eigene Stofftaschen dabei, viele nehmen aber auch die Plastiktüten, die in dem Schuhgeschäft gratis seien. „Wenn die Leute für 50 oder 100 Euro Schuhe kaufen, dann nehme ich nicht 10 Cent für eine Tüte“, sagt Nicolay. „Ich sage den Leuten aber immer, dass sie verantwortungsvoll damit umgehen und sie mehrfach benutzen sollen.“ Und vor allem, dass man sie dann im Gelben Sack entsorgen sollte.

„Wir kennen die Problematik mit dem vielen Plastikmüll in den Meeren“, sagt Optiker Michael Kortmann. „Deswegen versuchen wir so wenig Plastikmüll wie möglich zu produzieren.“ So gebe es etwa keine Plastiktüten für die Kunden. Um wirklich etwas zu ändern, seien aber die Hersteller gefragt, meint Doris Kortmann.

Papiertüten einzeln in Plastik verpackt

Ursula Illing, Schmuck-Ecke, wundert sich über in Plastik verpackte Papiertüten.

Das zeigt sich zum Beispiel im Geschäft Schmuck-Ecke. „Wir sammeln Verpackungsmaterial, um es wiederzuverwenden“, sagt Inhaberin Ursula Illing. Kunden, von denen einige auch eigene Taschen dabei hätten, biete man Papiertaschen statt Plastiktüten an. Für Geschenkverpackungen gibt es ebenfalls große und kleine Papiertüten sowie Samtsäckchen für Schmuck. Hier wundert sich Illing jedoch über einen Hersteller, der jede Tüte und jedes Säckchen einzeln in eine Plastiktüte verpackt liefert. „Wenn ich ein Paket von dieser Firma auspacke, habe ich einen Berg an Müll auf der Theke, das könnte vermieden werden“, sagt Illing. „Dass man eine Verpackung verpackt, ergibt keinen Sinn.“

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