Pkw-Betrug mit Umweltplakette? Gericht vertagt Urteil

Halver - Es gibt Dieselfahrzeuge, denen aufgrund ihrer gelben Umweltplakette viele Innenstädte verwehrt bleiben. Ihr Wiederverkaufswert sinkt dadurch natürlich, und so soll ein 26-Jähriger einen Mercedes der A-Klasse mit einer grünen Plakette aufgehübscht haben.

Über das Internet-Portal „Ebay-Kleinanzeigen“ bot er das Fahrzeug mit grüner Umweltplakette an und fand von Halver aus einen Käufer, dem es auf dieses Detail ankam: Als der 48-Jährige den Wagen in Essen anmelden wollte, wurde ihm jedoch erklärt, dass er damit gar nicht in Essen fahren dürfe. „Das Auto hatte schon eine grüne Plakette, als ich es kaufte“, versicherte der Angeklagte. Auch die Unterlagen hätten es als ein „Euro-4“-Fahrzeug ausgewiesen.

Stimmt nicht, sagte hingegen der Mann, der dem Angeklagten das Auto verkauft hatte: „Es entsprach der Euro-3-Norm und hatte eine gelbe Plakette.“ Das bestätigten auch seine Frau und ein Foto des Autos mit einer gelben Plakette. „Der war lila und nicht blau“, schimpfte der Angeklagte, um anzudeuten, dass dieses Foto ein anderes Auto zeige.

Unter anderem Namen vorgestellt

Der vorläufig letzte Käufer des Wagens berichtete, dass der Angeklagte sich ihm unter dem Namen seiner angeblichen Verlobten vorgestellt und den Kaufvertrag entsprechend unterschrieben hatte. „Sie haben schon mal den neuen Nachnamen geübt“, scherzte der Richter.

Eher gegen den Angeklagten sprach, dass er in Handschellen in den Gerichtssaal kam – wohl auch wegen Betruges verbüßt er derzeit eine Haftstrafe. Strafverteidiger Dr. Schulte machte deshalb einen Vorschlag: Da Freundin und Schwiegermutter des Angeklagten bestätigen könnten, dass das Auto schon immer eine grüne Plakette gehabt hatte, müssten diese eigentlich gehört werden. Da angesichts eines weiteren Strafverfahrens in Wuppertal aber das Ergebnis der Verhandlung in Lüdenscheid gar nicht sehr ins Gewicht falle, könne man das Verfahren mit Blick auf die dort zu erwartende Strafe doch vorläufig einstellen. Dem stimmten die anderen Verfahrensbeteiligten zu.

Auch in Wuppertal wegen Betruges vor Gericht

In Wuppertal muss der Angeklagte sich übrigens ebenfalls wegen Betruges verantworten. Er soll ein Auto für 830 Euro verkauft, dann aber vertraglich zugesichertes Zubehör im Wert von 500 Euro nicht geliefert haben. Sollte es in Wuppertal einen Freispruch geben, müsste erneut im Amtsgericht Lüdenscheid über die Farbe der Umweltplakette verhandelt werden.

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