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Pfleger im MK: Ungeimpfte Mitarbeiter müssen um Job bangen

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Von: Thilo Kortmann

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Sebastian Berwald hat seinen 14 Mitarbeitern die Impfung empfohlen, die meisten sind geimpft.
Sebastian Berwald hat seinen 14 Mitarbeitern die Impfung empfohlen, die meisten sind geimpft. © Kortmann, Thilo

Seit Mittwoch, 16. März, gilt die vom Bund beschlossene einrichtungsbezogene Impfpflicht für Beschäftigte im medizinischen und pflegerischen Bereich.

Halver - Zur Grundimmunisierung für Pflegekräfte reichen, laut RKI, zwei Impfungen, ohne Verfallsdatum. Eine Booster-Impfung wird empfohlen, ist aber keine Pflicht. Alle Arbeitgeber wurden vom Märkischen Kreis dazu gebeten, den Impf- oder Genesenen-Status ihrer Mitarbeiter, dem Gesundheitsamt bis zum 31. März zu melden. Das Gesundheitsamt entscheidet dann, wie mit dem jeweiligen Mitarbeiter zu verfahren ist. Was bedeutet das für Halveraner Pflegeeinrichtungen?

Im Seniorenzenrum Bethanien erholt man sich noch gerade vom heftigen Coronaausbruch Anfang des Jahres. Jetzt die nächste Herausforderung. Die Impfpflicht für Angestellte. Doch zumindest dieser Stress hält sich an der Bachstraße in Grenzen. „Nur eine Arbeitskraft will sich nicht impfen lassen“, erklärt Stefanie Thiemann, Einrichtungsleiterin im Seniorenzentrum an der Bachstraße 1. Sieben hätten derzeit, sagt Thiemann, den Genesenen-Status.

Inwiefern die acht Mitarbeiter künftig weiter arbeiten dürften, darüber herrsche noch Ungewissheit, sagt Thiemann. „Das Gesundheitsamt entscheidet individuell je nach Fall“, fügt sie hinzu. „Die Genesenen haben auf Novavax gehofft, doch der Totimpfstoff wird ja leider nicht für Genesene empfohlen“, erklärt die Einrichtungsleiterin.

Private- oder Glaubensgründe seien, fügt sie hinzu, oft der Grund für eine Verweigerung der Impfung. Insgesamt gibt es 134 Mitarbeiter im Haus Bethanien. Die Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen, kämen nicht aus dem Pflegebereich, sondern aus den Bereichen Betreuung, Küche und Hauswirtschaft. „Sollten die Mitarbeiter nicht weiter arbeiten dürfen, dann können wir das auffangen“, erklärt Stefanie Thiemann.

Erst im Januar und Februar gab es einen Corona-Ausbruch in der Wohnanlage. 53 Mitarbeiter und 59 Bewohner hatten sich mit Corona infiziert. Und derzeit befinden sich noch eine Mitarbeiterin und eine Bewohnerin in Quarantäne. „Der Corona-Ausbruch ist glimpflich ausgegangen“, sagt sie. Auch weil viele Mitarbeiter und Bewohner geimpft sind, ist sich Thiemann sicher.

Wir haben einen Arbeitskräftemangel in der Pflege. Die Impfpflicht verschreckt mögliche Mitarbeiter.

Sebastian Berwald / PflegeLeicht GmbH

Pessimistisch sieht dagegen Sebastian Berwald, Geschäftsführer der PflegeLeicht GmbH, die einrichtungsbezogene Impfpflicht. „Wir haben einen Arbeitskräftemangel in der Pflege. Die Impfpflicht verschreckt mögliche Mitarbeiter“, sagt Berwald. „Ich finde diesen Zwang nicht richtig“, sagt er. Zum Glück habe er zwar keine personelle Not in seinem mobilen Pflegedienst, aber er kenne Kollegen, auf die das zutreffe. 14 Mitarbeiter sind für Berwald tätig. „Ich habe meinen Mitarbeitern eine Impfung lediglich empfohlen. Bis auf die Genesenen, die noch warten müssen, sind alle geimpft“, sagt er. Aber: Einige seiner Mitarbeiter hätten sich jetzt impfen lassen, um möglichen Konsequenzen durch das Gesundheitsamt aus dem Weg zu gehen.

Im Haus Waldfrieden wollen sich nach Angaben von Pflegedienstleiterin Jennifer Scheel drei Mitarbeiter nicht impfen lassen. Im schlimmsten Fall droht ihnen nun Anfang April ein Arbeits- beziehungsweise Betretungsverbot der Anlage.. „Es tut uns um jeden Mitarbeiter leid, die sich nicht impfen wollen, und somit wahrscheinlich nicht bei uns weiter arbeiten können“, erklärt Scheel. Bislang hätte das ungeimpfte Personal, sagt Jennifer Scheel, unter verschärften Coronaschutz-Bestimmungen auf der Anlage gearbeitet. 120 Mitarbeiter sind derzeit im Haus Waldfrieden beschäftigt. 83 Bewohner leben dort.

Gesundheitsamt entscheidet im Einzelfall

Spannend bleibt, wie das Gesundheitsamt je nach Einzelfall entscheidet. „Es gibt ja zum Teil bei Mitarbeitern ganz wichtige Gründe, warum diese auf eine Impfung verzichten. Das können auch gesundheitliche Beweggründe sein“, erklärt Jennifer Scheel.

Mit den Entscheidungen des Gesundheitsamtes rechnet Scheel nicht all zu früh. „Wenn das Gesundheitsamt mit jedem einzelnen Mitarbeiter spricht, und danach entscheidet, dann dauert das bestimmt einige Zeit“, meint sie. Und was passiert mit den zwei Mitarbeitern die zwar genesen sind, aber noch ungeimpft? „Darüber herrscht noch Unklarheit“, sagt Jennifer Scheel.

Am Burgweg sind alle geboostert

Diese Probleme hat Matthias Lauermann nicht. Er ist Geschäftsführer der LimA (Leben im Alter) GmbH, die die Tagespflege am Burgweg in Oberbrügge betreibt. „Bei mir sind alle Pflegekräfte und Tagesgäste geboostert“, erklärt Lauermann. Da bedeutet für die Tagesgäste, dass sie sich ohne Maske in der Tagespflege aufhalten können. Für das neunköpfige Personal jedoch gilt weiter die Maskenpflicht. Durchschnittlich zwölf Tagesgäste sind es am Tag. „Ich lege sehr viel Wert auf das Boostern“, sagt Matthias Lauermann. Das sage er auch den zweifachgeimpften Menschen, die seine Tagespflege besuchen wollten. Erfahrungsgemäß ließen diese sich dann auch noch schnell boostern, um die Tagespflege in Anspruch zu nehmen, sagt er.

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