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Pflegedienst im MK gibt auf - 120 Kunden betroffen

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Von: Florian Hesse

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Pflegedienst Corona Halver Pflege
Ein Pflegedienst weniger im MK. © Angelika Warmuth

Ein Pflegedienst im Märkischen Kreis gibt auf. Von dieser Entscheidung sind 120 Kunden betroffen. Auch die Mitarbeiter müssen sich eine neue Stelle suchen.

Halver – Der ambulante Pflegedienst „In guten Händen“ stellt den Betrieb ein. Am 28. Februar ist Schluss an der Lohstraße. Die pflegerische Versorgung übernehme der Dienst noch bis einschließlich Freitag, 17. Februar, teilt Inhaberin Melanie Hedtfeld im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger mit.

Betroffen seien 120 Kunden, die vom Dienst betreut werden und die sich nun neu orientieren müssen. 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben am Dienstag die Kündigung erhalten. Sie habe die Entscheidung am Montag getroffen und die Kolleginnen am Dienstag informiert, so Melanie Hedtfeld weiter.

Was diese Entscheidung für die Kunden bedeutet, ist zurzeit nicht absehbar. Sie haben neben einem Informationsschreiben auch eine Liste erhalten mit Pflegediensten, die in Halver und der Umgebung tätig sind. Gespräche über eine Übernahme von Kunden beziehungsweise auch pflegendem Personal stünden noch an.

Melanie Hedtfeld, Halver
Melanie Hedtfeld. © Florian Hesse

Nachdem sie den Entschluss zur Schließung öffentlich gemacht habe, hätten mehrere Pflegedienste, von denen sie noch nie etwas gehört habe, sich bei ihr gemeldet und angefragt, ob sie Mitarbeiter übernehmen könnten. Nach einer möglichen Übernahme von Kunden habe davon keiner gefragt. Das spiegele deutlich, welcher Mangel an Fachkräften in der Pflege bestehe. Sie gehe davon aus, dass alle ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort neue Stellen finden dürften.

Der Pflegedienst „In guten Händen“ war vor 18 Jahren von ihrer Mutter gegründet worden. Vor 17 Jahren übernahm Melanie Hedfeldt die Leitung des Betriebes. Die Diplom-Psychologin wird sich aus dem Bereich der Pflege nicht vollständig verabschieden, dann aber in der NetwerCare GmbH eher beratend tätig sein.

Ein Schlag in die Fresse.

Melanie Hedtfeld

Grund für die Aufgabe des Unternehmens sind die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Bereich der Pflege. Sie habe nicht erst im vergangenen Jahr mit Briefen, mit E-Mails und persönlichen Gesprächen mit der Politik versucht, auf die dramatische Situation aufmerksam zu machen. Die Reaktionen seien ernüchternd gewesen, fasst sie zusammen: „Ein Schlag in die Fresse!“

Auch im Gespräch mit unserer Redaktion hatte Melanie Hedtfeld auf die Lage ihres wie auch anderer privater Pflegedienste aufmerksam gemacht, unter anderem mit Blick auf die neue „Tariftreueregelung“, die die privaten Anbieter der ambulanten Versorgung vor massive Probleme stellt, weil eine wirtschaftliche Kalkulation der Leistungen kaum noch möglich sei, da die Kassen die höheren Lohnkosten nicht gegenfinanzierten.

An ihre Kunden hat Melanie Hedtfeld ein Schreiben versandt, in dem sie ihre Gründe darlegt: „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, insbesondere, weil ich selbst als pflegende Angehörige weiß, wie wichtig eine gute Unterstützung durch einen Pflegedienst und durch andere Pflegeeinrichtungen wie zum Beispiel durch eine Tagespflege sein können. Aber die äußeren Rahmenbedingungen und politischen Entscheidungen der letzten Zeit sowie der anhaltende Fachkraftmangel haben mich dazu bewegt, diesen Schritt zu gehen. Meine Vorstellungen davon, einen Arbeitsplatz für Pflegekräfte zu bieten, an dem sie gut und gerne arbeiten können, lassen sich meines Erachtens nur sehr schwer mit den Gegebenheiten und mangelnder politischer Unterstützung umsetzen.“

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