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Leben mit Exoten: Mann teilt Wohnung im MK mit Pfeilgiftfröschen

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Von: Florian Hesse

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Ein Mann aus dem MK hat äußerst ungewöhnliche Mitbewohner: Er teilt sich die Wohnung mit dutzenden Pfeilgiftfröschen. Sind die Tiere nicht extrem giftig?

Halver - Es ist Ende Oktober, und Christopher Steinbach läutet so langsam die Trockenzeit ein. Es regnet dann weniger und unregelmäßiger in seiner Wohnung mitten in Halver im zweiten Obergeschoss. Die Temperatur aber bleibt ziemlich konstant um die 24 Grad. So mag’s der Pfeilgiftfrosch.

TierSchrecklicher Pfeilgiftfrosch
Wissenschaftlicher NamePhyllobates terribilis
ErhaltungszustandStark gefährdet (abnehmend)

Mann im MK lebt mit Pfeilgiftfröschen - Exoten in der Wohnung

Aber ausgerechnet Pfeilgiftfrösche? Was sich zunächst lebensbedrohlich anhört, relativiert sich beim genauen Hinschauen. Tatsächlich gehören einige der Arten – von insgesamt 170 bekannten – zum Giftigsten, was die Natur auf dem Planeten hervorgebracht hat. Mit ihrem Stoffwechsel und der Nahrung aus ihrem natürlichen Lebensraum in Mittel- und Südamerika produzieren die Frösche ein Sekret, das hochgradig toxisch und blitzschnell auf das Nervensystem ihrer Fressfeinde wirkt.

Die indigenen Völker nutzen es für die Jagd und versehen Pfeilspitzen damit. Doch ohne genau diese Nahrung aus Insekten gibt’s kein Gift, und Tiere in der Haltung in Terrarien sind somit keine Gefahr. Frösche aus der Zucht, wie Christopher Steinbach sie betreibt, stellen bereits in der nächsten Generation keine Gefahr mehr dar.

Ins ungewöhnliche und seltene Hobby ist der 28-jährige Halveraner mehr oder weniger hineingewachsen. Es kommt einiges zusammen bei ihm: die Liebe zur Natur von Kindesbeinen an, die Gänge „mit der Oma zum Teich“, und auch ein Aquarium war in der Familie stets vorhanden. „Ohne Aquarium könnte ich gar nicht“, sagt er lachend, und so steht zusätzlich zu inzwischen 28 Terrarien, „Becken“, wie die Züchter sie kurz nennen, eben auch ein großes Aquarium im Wohnzimmer.

Mann im MK lebt mit Pfeilgiftfröschen - Bedingungen für Tiere müssen stimmen

Was an Zeit, an Mühe und Geld in der Zucht der Frösche steckt, lässt sich beim Ortstermin nicht einmal annähernd erschließen. Der schwarz-gelbe (oder -weiße) dendrobates tinctorius oder der orange, schwarz gepunktete Oophaga pumilio, die zu Steinbachs Mitbewohnern zählen, erfordern Aufmerksamkeit und Fürsorge. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Umfeld müssen für die kleinen Frösche stimmen. Fruchtfliegen, Blattläuse und Springschwänze könnte man zwar theoretisch zukaufen oder im Abo schicken lassen, doch der kundige Züchter züchtet auch hier selbst. In Plastikdosen wächst die Nahrung für die mehr als 50 bunten Frösche heran.

Leben mit dem Pfeilgiftfrosch
Pfeilgiftfrösche wie dieser leben in der Wohnung von Christopher Steinbach im MK. © Florian Hesse

Was Christopher Steinbach über die Tiere weiß, hat er sich über lange Zeit komplett selbst angeeignet. Seit elf Jahren geht er der Leidenschaft nach, mit einem einzigen Terrarium hat alles angefangen.

Mann im MK lebt mit Pfeilgiftfröschen - für die Zucht kein Weg zu weit

Was auch hilft, ist die Community. Deutschlandweit ist das Hobby vertreten. Die Züchter sind übers ganze Land vernetzt. Doch man komme auch in Kontakt mit Leuten aus anderen Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Schweden aber auch Kanada und Kalifornien.

Leben mit dem Pfeilgiftfrosch
Christopher Steinbach teilt sich seine Wohnung in Halver mit mehr als 50 Pfeilgiftfröschen. © Florian Hesse

Manchmal trifft man sich zum Austausch, dann sind auch längere Wege nötig. 300 Kilometer sind dann für „Fröschler“, wie sich die Liebhaber augenzwinkernd selbst nennen, keine ernsthafte Entfernung – besonders dann, wenn es darum geht, einzelne Arten zu erhalten, von denen es dann europaweit vielleicht noch fünf Pärchen gibt und dann für ein allein lebendes Exemplar noch ein passendes Männchen oder Weibchen fehlt.

Mann im MK lebt mit Pfeilgiftfröschen - teures Hobby

Ganz billig sei sein Hobby nicht, räumt er im AA-Gespräch ein. Über die Jahre ist einiges an Ausstattung zusammengekommen. Auch die Tiere haben einen – je nach Art – beträchtlichen Wert. Und am Ende kostet der Terrarien-Betrieb auch jede Menge Strom. Doch das nimmt Christopher Steinbach für seine Leidenschaft in Kauf – und auch die Tatsache, dass es mit einem richtigen Urlaub schwierig ist. Denn jemand muss sich schließlich um die Tiere kümmern, ums Futter und auch die Beregnungsanlagen, damit die Frösche sich auch fühlen wie in Costa Rica oder Panama.

Leben mit dem Pfeilgiftfrosch
Leben mit dem Pfeilgiftfrosch © Florian Hesse

Genau diese Länder – wen wundert’s – waren denn auch letztes großes Urlaubsziel vor zwei Jahren für den Halveraner. Dort konnte er manche der Arten, die er selbst besitzt, in ihrem Habitat anschauen...

Mehr Bilder von den Fröschen gibt’s übrigens auf Instagram unter dartfrogs_sauerland.

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