Zerreißprobe in der Kirche

Segnungsverbot für Homosexuelle: Pfarrei aus MK will Regenbogenfahne hissen

Sinnbildlich ziehen dunkle Wolken auf: Das „Nein“ der Glaubenskongregation der katholischen Kirche zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sorgt weiterhin für Diskussionen.
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Sinnbildlich ziehen dunkle Wolken auf: Das „Nein“ der Glaubenskongregation der katholischen Kirche zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sorgt weiterhin für Diskussionen. (Symbolbild)

Die Spannungen in der katholischen Kirche reichen tief. In der katholischen Diaspora im tiefen Westen des Sauerlands in der Pfarrei Christus König zwischen Hagen-Dahl und Halver, dazwischen Breckerfeld und Schalksmühle, hat man die Aussagen der katholischen Glaubenskongregation vom März durchaus registriert. Und teilt sie nicht.

Halver - Gott „kann Sünde nicht segnen“. Das ist ein Kernsatz der Zentralbehörde der Katholischen Kirche. Pfarrer Claus Optenhöfel spricht in seinem Vorwort zum Gemeindemagazin „netzwerk“ zwar vom Zusammenhalt der Kirche in der Flutkatastrophe im Volmetal. Doch an erster Stelle nennt Optenhöfel auch die Zerreißprobe, der sich die katholische Basis ausgesetzt sieht.

Zwei Beiträge des Magazins beschäftigen sich in der aktuellen Ausgabe mit der Einschätzung der Katholiken in der zahlenmäßig kleinen, flächenmäßig aber größten Pfarrei des Bistums Essen.

Liebe ist keine Sünde“

Conny Nölle, Redaktionsteam „netzwerk“

„Liebe ist keine Sünde“, schreibt darin Conny Nölle aus dem Redaktionsteam und stellt sich offen gegen die Verlautbarung, nach der gleichgeschlechtliche Paare nicht dem Schöpfungswillen Gottes entsprächen. „Viele Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland, egal ob Laien oder Seelsorger, Ehrenamtliche oder Hauptamtliche, sind irritiert und fassungslos über diese Aussage.“

Die Kirche Christus König in Halver.

Conny Nölle beruft sich dabei auch auf Aussagen, die aus oberster Stelle des Bistums kommen, und vom Bund der Deutschen katholischen Jugend. Dessen Diözesanvorsitzende im Erzbistum Paderborn, Annika Manegold, zitiert sie mit der Aussage: „Ich bin sprachlos, wie Verantwortliche nach dieser Absage noch denken können, dass hierdurch keine Menschen diskreditiert werden.“ Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hatte sich ebenfalls umgehend zu Wort gemeldet. Es bedürfe „einer ernsthaften und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität in unserer Kirche“, so Overbeck.

Im Ergebnis bekennt sich das Pastoralteam der Pfarrei Gemeinde Christus König zu diesen Einschätzungen. „An den Kirchen unserer Pfarrei hängt die Regenbogenfahne.“

Auch Kritik nach Predigt

Doch es gibt durchaus andere Stimmen in der Pfarrei. Sie nennt Pastor Claus Optenhöfel in seinem Geleit zum Magazin. Als er im Mai darüber gepredigt habe, seien ungewöhnliche viele Rückmeldungen durchaus skeptischer Natur gewesen. Grundtenor: „Ich möchte so katholische sein wieder Papst. Und der ist doch dagegen, oder?“ Eine „Zerreißprobe“ nennt Optenhöfel das insofern, weil die Spannweite in der Pfarrei mit rund 7700 Gemeindemitgliedern eben naturgemäß breit sei. Andere hätten vielleicht gar keine Notwendigkeit für eine Rückmeldung gesehen, weil sie die Positionierung von Pastoralteam und Pfarrgemeinderat in der Sache für selbstverständlich hielten.

Die Regenbogenfahne vor der Kirche Christus König jedenfalls hängt noch nicht. Das werde demnächst in Regie des Pfarrgemeinderates aber geschehen. Der Aufdruck: #meingottliebtjedenmenschen.

Glaubenskongregation erteilt Segnungen homosexueller Paare eine Absage

Im März sorgte die katholische Kirche mit Ablehnung der Segnung homosexueller Paare für große Aufregung. Die Glaubenskongregation des Vatikan hatte am 16. März in einem sogenannten Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) klargestellt, dass Segnungen menschlicher Beziehungen nur möglich seien, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei. Unzulässig sei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne. Die christliche Gemeinschaft sei aber aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren.

Das Schreiben der Glaubenskongregation wurde mit Zustimmung von Papst Franziskus veröffentlicht. Hintergrund ist demnach, dass sich in einigen kirchlichen Bereichen „Projekte und Vorschläge“ verbreiten, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Wörtlich heißt es dazu nun, es sei nicht erlaubt, „Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (...) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist“.

Die Glaubenskongregation wies darauf hin, dass sie sich auf „die Wahrheit des liturgischen Ritus“ bezieht und das Schreiben keine Diskriminierung ist oder sein soll. Außerdem könne einzelnen Menschen mit homosexuellen Neigungen der Segen durchaus gespendet werden. Unzulässig sei aber jede Segnungsform, die eine homosexuelle Partnerschaft anerkennt.

In Deutschland stieß die Erklärung auf teils heftige Kritik. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hatte erklärt: „Mit dieser Entscheidung trägt der Vatikan dazu bei, dass die in vielen Ländern nach wie vor bestehende Diskriminierung homosexueller Menschen bis hin zur Gefängnis- und Todesstrafe als gottgegeben angesehen werden kann“, sagte ein Sprecher der Bewegung. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert schon länger, Liebesbeziehungen von Homosexuellen zu segnen. dpa

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