Zentrale Abschluss

Petition: Jetzt sprechen die Schüler und finden klare Worte

Die Schüler der Abschlussklasse der Humboldtschule haben die Petition gestartet – jetzt schicken sie ihre Forderung an Yvonne Gebauer
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Die Schüler der Abschlussklasse der Humboldtschule haben die Petition gestartet – jetzt schicken sie ihre Forderung an Yvonne Gebauer, Schulministerin von NRW.

Zentrale Abschlussprüfungen? Dagegen lehnen sich die Schüler der Abschlussklassen auf und fordern Gerechtigkeit. Zum Digitalunterricht finden sie klare Worte.

Halver – An die 800 Unterschriften haben die Schüler des Abschlussjahrgangs der Humboldtschule bereits für ihre Petition, die seit fünf Tagen online ist, bereits erhalten. Sie hoffen, es werden noch mehr. (Unterschreiben können Sie hier).

Sie fordern, dass die zentralen Abschlussprüfungen, die im Mai anstehen, dezentral gestellt werden. „Es geht um Fairness“, sagt Nils Reinhard, einer der sieben Schüler, die den Brief verfasst haben. Im vergangenen Jahr haben die Abschlussprüfungen auch die Lehrer gestellt. Jetzt fordern die Schüler die gleichen Rechte auch für sich.

Noten durch Pandemie schlechter geworden

Die Zehntklässler sind die ersten, die die noch junge Humboldtschule verabschieden wird. Sie kämpfen um Gleichberechtigung. Aber vor allem um ihre Zukunft, die sie gefährdet sehen. Sie sagen, dass einige von ihnen schlechtere Noten haben. Das Abschlusszeugnis wird sich wohl oder übel stark vom Halbjahreszeugnis unterscheiden. Schuld ist der Distanzunterricht, der für alle – Lehrer sowie Schüler – neu war und nicht gut funktioniert hat. „Es gab einfach immer Probleme“, sagt Melissa Targan. Der Unterricht ist nicht vergleichbar mit Präsenzunterricht. Wer Fragen hatte, hatte nicht die Möglichkeit mit Lehrern Einzelgespräche zu führen, wie man es im Unterricht in der Schule macht.

Zu Aufgaben, die selbstständig erledigt werden mussten und an die Lehrer zurückgeschickt wurden, gab es nichtmals immer Rückmeldungen der Lehrer, sagen die Schüler. Was richtig oder falsch war, haben sie nicht immer erfahren. Dafür haben sie insgesamt viel mehr für die Schule zu machen als vor Corona. Nach der Schule ist für die Schüler noch nicht Schluss. Auch zu Hause und am Wochenende müssen sie viel nacharbeiten, um mitzukommen.

Georgia Tsompani ist die Schülersprecherin der Humboldtschule.

Während ab dem heutigen Mittwoch die Schulen nach sieben Tagen wieder in den Distanzunterricht gehen, dürfen die Abschlussjahrgänge kommen. Darüber sind sie grundsätzlich froh, denn zu Hause ist man nicht konzentriert, Geschwister kommen ins Zimmer – wenn man denn überhaupt einen ruhigen Arbeitsplatz für sich hat. Die Tagesstruktur ist eingebrochen und es fällt nichtmals jedem Schüler leicht, morgens aufzustehen, erklärt Schülersprecherin Georgia Tsompani.

„Die Qualität des Unterrichts ist eine andere gewesen“, bestätigt auch der Vertrauenslehrer Constantin Pantel. Die Themen des Lernplans seien zwar alle angesprochen worden, aber nicht in der Ausführlichkeit. Ihm sind die Schüler dankbar für die Unterstützung und Ermutigung. Die Initiative, sagt Pantel klar, kam aus der Schülerschaft. „Aber das gesamte Kollegium und die Schulleitung unterstützen die Forderung.“ Den Lehrern machen die Schüler keine Vorwürfe. Auch für sie war es neu und ungewohnt – die Technik kam noch erschwerend hinzu. Jetzt aber fordern sie von der Politik die gleiche Lösung wie im vergangenen Jahr.

„Die Qualität des Unterrichts ist eine andere gewesen“

Unterstützung erhalten die 14- bis 17-jährigen Schüler aus ganz Deutschland. Aus Berlin und Köln kommen Unterschriften. Von jungen wie älteren Personen. Von Eltern, Schülern und Lehrern. Jetzt auch aus der Politik. MdL Gordan Dudas wurde vom Schulpflegschaftsvorsitzenden Michael Jürgensmeyer über das Belangen der Schüler informiert. „Er ist klar auf unserer Seite“, sagen die Schüler und freuen sich. Der SPD-Politiker wolle das Thema nun mit in den Landtag nehmen. Das Schreiben der Petition geht diese Woche per Post an die Schulministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Yvonne Gebauer. Sie hoffen auf Antwort – und auf die richtige Entscheidung.

Denn es geht um ihre weitere Laufbahn – sei es in Schule oder Berufsleben. Viele wollen ihr Abitur machen, brauchen aber dafür die Qualifikation, die sie durch die noch geplante zentrale Abschlussprüfung gefährdet sehen. Auch Ausbildungsplätze, die bereits versprochen wurden, gibt es teilweise nur unter der Prämisse, dass die Noten nicht stark vom Halbjahreszeugnis, mit dem man sich beworben hatte, abweichen. Corona macht das Leben und den Schulalltag für die Jugendlichen ohnehin schwer. Wenigstens in dieser Hinsicht bitten sie um Erleichterung.

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