Paketbote muss 600 Euro nach Fahrerflucht zahlen

- Symbolfoto

Halver - Innerhalb von zehn Tagen stieß ein 52-jähriger Paketzusteller gleich zweimal gegen kleinere Autos. Weil er sich nach dem ersten Unfall am 6. Mai 2014 an der Heesfelder Mühle entfernte, ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern, kam es zu einer ersten Anklage.

Von Thomas Krumm

Am 16. Mai beschädigte der Bote am Mollsiepen in Schalksmühle ein weiteres Fahrzeug. Diesmal wusste er von dem Schaden und bemühte sich darum, die Halterin des Audi ausfindig zu machen. Weil er damit keinen Erfolg hatte, hinterließ er eine Notiz mit seinem Namen, seiner Handy-Nummer und seinem Autokennzeichen. „Ich dachte, wenn ich einen Zettel schreibe, ist das keine Fahrerflucht“, sagte er im Amtsgericht Lüdenscheid, wo er sich wegen „unerlaubten Entfernens vom Unfallort in zwei Fällen“ verantworten musste. „Das denken viele“, bemerkte Richter Thomas Kabus mit Blick auf diesen Irrtum und klärte die Vorfälle mithilfe von Zeugen gründlich auf.

Nach dem Anstoß an ein anderes Auto an der Heesfelder Mühle, der einen Schaden von 1184 Euro verursachte, lautete die Hauptfrage: Hätte der Angeklagte diesen Anstoß beim Rangieren bemerken müssen? Eine Zeugin beschrieb die akustische Idylle, in der sich das Ganze zugetragen hatte. Sie hielt es für möglich, dass der 52-Jährige durch das Plätschern des Wasserrades und das Motorengeräusch seines Fahrzeugs den „nicht sehr lauten“ Anstoß nicht bemerkt hatte. Sie selbst habe bei offenem Fenster geruht und sei nur aufmerksam geworden, weil sie ein ungewöhnliches Geräusch gehört hatte. Als der Bote noch am gleichen Tag mit dem Vorwurf konfrontiert worden war, hatte er die Verantwortung übernommen und seine Versicherung benachrichtigt.

Am 16. Mai hatte der Paketzusteller – möglicherweise auch durch Hinweise von Anwohnern – mitbekommen, dass er am Mollsiepen ein anderes Fahrzeug beschädigt hatte. „Warum ist er nicht eben zu mir gekommen?“, fragte die 20-jährige Geschädigte vor Gericht. „Dumm gelaufen“, wäre die richtige Antwort gewesen. Denn der einzige Zeuge des Geschehens, der die Halterin kannte, hatte sich gedacht, dass da wohl schon genug Leute mit dem Unglücksfahrer verhandelten. So kam es zum Anheften des Zettels, doch das war nicht genug. 600 Euro muss der 52-Jährige nun für die Einstellung des zweiten Verfahrens bezahlen – das Verfahren wegen der angeblichen Unfallflucht an der Heesfelder Mühle wurde hingegen ohne Auflagen eingestellt.

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