Ovale Schönheiten mit Anziehungskraft

Als Frauke und Werner Sinnwell 1992 den ersten Ostereiermarkt organisierten, rechneten sie kaum damit, dass diese Veranstaltung auch im nächsten Jahrtausend solche Besuchermassen anziehen würde: Am 26. und 27. März findet bereits die 20. Auflage des beliebten Marktes statt. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Eine Rose mag eine Rose sein, das wusste schließlich schon Gertrude Stein – ein Ei ist aber mitnichten immer ein Ei. Zumindest äußerlich.

Denn wie kunstvoll die ovalen Schalen, aber auch Holzeier gestaltet werden können, erfahren Eier-Freunde aus ganz Deutschland nicht zuletzt seit 1992 im Heimatmuseum Halver: In diesem Jahr findet am 26. und 27. März der 20. Ostereiermarkt in den Räumen an der Von-Vincke-Straße statt. Ein Grund, zurückzuschauen und an die Anfänge dieser Traditionsveranstaltung zu erinnern.

Es waren Frauke und Werner Sinnwell, die die „Jagd“ auf die kunstvoll verzierten und bemalten Eier vor 19 Jahren eröffneten. „Mein Mann war als städtischer Kulturbeauftragter immer auf der Suche nach neuen Dingen für Halver, ich wiederum hatte damals schon auf anderen Märkten meine Arbeiten ausgestellt“, erinnert sich Frauke Sinnwell, die mit ihrem Mann bis ins Jahr 2000 für die Organisation des Marktes verantwortlich zeichnete. Die Besonderheit des teilweise künstlerisch hoch anspruchsvollen Osterbrauchs vor Ort begreifbar zu machen, war eines der Motive, die Frauke Sinnwell verfolgte. Und ihr Konzept ging auf: Bereits zum ersten Ostereiermarkt im Heimatmuseum strömten exakt 846 Besucher. Elf Aussteller waren damals vom Ehepaar Sinnwell in die „Stadt im Grünen“ eingeladen worden – sie alle legten damit den Grundstein für eine Veranstaltung, die seither in jedem Jahr vier Wochen vor Ostern bis zu 2200 Besucher anlockt.

Dabei war der Aufwand im Vorfeld jeder Veranstaltung zunächst gewaltig. „Es musste eine Menge verschoben und umgeräumt werden, um für die Aussteller Platz zu schaffen“, erinnert sich Rudi Olson, der seit 1992 jeden Ostereiermarkt tatkräftig mitorganisiert hat. Damals war noch der alte Schmiede-Trakt fester Bestandteil in jenem Raum, der heute für die Wechselausstellungen genutzt wird. „Diese schweren Teile mussten natürlich stehen bleiben“, so Olson. Und so wurde es immer enger – denn mit den Jahren stieg das Ansehen des Marktes und mit ihm die Besucherzahlen: 1998 zählte Olson rund 2200 Besucher – eine Rekordmarke, die bis heute Bestand hat. „Das war dann schon zu viel“, erinnert sich Frauke Sinnwell. „Die Leute konnten sich kaum bewegen und standen in Reihen vor den Ständen.“

Auf solche Zahlen kamen die Organisatoren später nicht mehr. 2006 wurden sogar „nur“ noch rund 600 Besucher gezählt, „was aber dennoch für zweit Tage eine beachtliche Zahl ist“, wie Rudi Olson betont. Und so habe man trotz dieses „Minus-Rekords“ weiter an dem Markt festgehalten – die Interessenten dankten es in den Folgejahren mit einer deutlich größeren Resonanz. Im vergangenen Jahr strömten wieder mehr als 900 Menschen in das Heimatmuseum. Auf mehr als 30 000 Besucher schätzt Olson die Gesamtzahl derer, die sich den Eiermarkt in den vergangenen 19 Jahren nicht entgehen ließen.

„Natürlich gibt es die so genannten Seh-Leute, aber es wird auch gut gekauft“, sagt Olson, der denn auch auf die Aussteller aus Holland oder Hamburg verweist, die nicht ohne Grund die lange Anfahrt zum Halveraner Ostereiermarkt auf sich nehmen. Dabei erinnert er sich gerne an eine Ausstellerin, die vor einigen Jahren fünf Straußeneier „pro forma“ mitgebracht hatte – die eigentlich nur als Blickfänger an ihrem Stand dienen sollten. „Nur zwei Stunden nach der Eröffnung hatte sie sämtliche dieser großen Eier verkauft“, so Olson. Der Verkaufspreis jedes einzelnen Exemplar lag zwischen 200 und 400 Euro.

So wundert es nicht, dass einige Aussteller gerne wiederkommen. Um den Besuchern jährliche Abwechslung zu gewährleisten, müssen Olson und Peter Bell, der die Organisation vor einigen Jahren von Reinhard Neuhaus übernommen hatte, sogar immer wieder Absagen erteilen. In diesem Jahr allerdings weniger als sonst – denn mit 17 Ausstellern werden so viele Oster-Künstler wie noch nie im Heimatmuseum vertreten sein.

Ob dann jedoch erneut mit prominentem Expertenbesuch zu rechnen ist wie 2006, ist fraglich: Damals stand Meister Lampe persönlich im Eingangsbereich des heutigen Bürgerzentrums „und wollte sich wohl selber ein Bild von seinen Eiern machen“, wie Rudi Olson lachend anmerkt. ▪ Frank Zacharias

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