SPD diskutiert Altersarmut

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Halver - Altersarmut ist ein Thema, das in aller Munde ist. Immer mehr Menschen fürchten, dass ihre Rente im Alter nicht ausreicht und sie auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Besonders Frauen haben ein hohes Armutsrisiko.

Mit Ansprechpartnern aus Verwaltung, Gewerkschaft und Politik beleuchtete die örtliche SPD das wichtige sozialpolitische Thema am Montagabend bei einem Informationsabend in der Gaststätte „Berliner Platz“ aus unterschiedlicher Perspektive.

Als Gäste hieß Martin Kastner, Vorsitzender des Ortsvereins und Fraktionsvorsitzender, Gert Böke von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, ferner den Gewerkschaftler Bernd Schildknecht und den Landtagsabgeordneten Gordan Dudas auf dem Podium willkommen.

Unter 900 Euro beginnt die Armut

Einführend zeigte Gert Böke anhand nüchterner Fakten und realistischer Fallbeispiele den derzeitigen Stand der Dinge auf. Von Altersarmut sei laut Definition dann zu sprechen, wenn das Einkommen nicht ausreicht, um Grundbedürfnisse zu stillen. Dies sei bei einem Einkommen unter 900 Euro der Fall. Bei 987 Euro für Alleinstehende und 2072 Euro für eine vierköpfige Familie liege die Armutsgrenze.

Ausführlich ging der Experte auf die zahlreichen Reformgesetze in der gesetzlichen Rentenversicherung seit 1992 – mehrheitlich durch Einsparmaßnahmen geprägt – ein. Positiv sei die „Mütterrente“ zu bewerten. Ziel sei es, durch Anhebung der Berücksichtigungszeiten von einem auf zwei Jahre für Kinder, die vor 1992 geboren sind, Benachteiligungen gegenüber Müttern, deren Kinder ab 1992 geboren sind, wenigstens teilweise aufzuheben.

Ebenso ausführlich ging Böke auf die Rentenformel, nach der sich die Rente berechnet, und Fallbeispiele ein. Dabei zeigte sich, dass viele Rentner – trotz langjährigen Berufslebens – nur Renteneinkünfte knapp über der Armutsgrenze erhalten. Bei einer Frau mit Kindererziehungszeiten und Teilzeit sah die Lage noch düsterer aus. „Die fünf Biographien zeigen, wie schnell man in Altersarmut ist“, resümierte Kastner.

„Es geht so nicht weiter“

Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) beschrieb anschließend Bernd Schildknecht die Lage. Mit Nachdruck trat er der frühere Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Märkischen Kreis für Gerechtigkeit und Solidarität ein. Im Land sei große Zukunftsangst da. Eine Ursache für sinkende Renten sah er in der Aufhebung von Tarifbindung in vielen Betrieben. Bei geringerem Lohn würden zwangsläufig auch die Renten sinken. Nicht einzusehen seien Beitragsbemessungsgrenzen. Auch werde über die Bürgerversicherung die politische Diskussion geführt werden müssen, forderte er. „Ansonsten werden die Ungerechtigkeiten bleiben.“ Es müsse an vielen Stellschrauben gedreht werden, um Angst und Egoismus gegenzusteuern. „Es geht so nicht weiter, sonst explodiert dieser Kessel!“

Gute Arbeit müsse sich wieder lohnen, ergänzte Gordan Dudas. „Wichtig wären eine bessere Tarifbindung und höhere Löhne.“ Für eine Anhebung des Spitzensteuersatzes, die Wiedereinführung der Vermögens- und Erbschaftssteuer und die Einführung einer Finanztransaktionssteuer sprach sich der SPD-Politiker aus.

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