Unerlaubter Waffenbesitz: Oberbrügger muss hinter Gitter

Oberbrügge - Richterin Kristina Thies kennt eine der attraktivsten und hartnäckigsten Leidenschaften, die Menschen haben können: „Man kann so schöne Sachen sammeln: Briefmarken, Münzen, Kronkorken, Bierdeckel. Warum sammelt man Waffen?“

Die Nachfrage richtete sich an einen 48-jährigen Angeklagten aus Oberbrügge, dem die Polizei am 3. November 2017 die Wohnung teilweise ausräumte. Die Beamten nahmen ein Schlagringmesser, einen als Taschenlampe getarnten Elektroschocker, Wurfsterne und zwei Nunchaku-Würgehölzer von der Wand und anschließend mit.

Spätestens nach dieser Durchsuchung seiner Wohnung hätte der Angeklagte doch wissen müssen, dass der Besitz all dieser Gegenstände ohne den gleichzeitigen Besitz eines Waffenscheins gegen das Waffengesetz verstieß, wunderte und empörte sich die Richterin.

Denn am 18. Juni 2018 fand die Polizei schon wieder ein Nunchaku, also eine traditionelle Waffe japanischer Bauern, und einen großen Bestand an Vollmantel- und Teilmantelgeschossen, kurz also: eine Munitionssammlung in der Wohnung in Oberbrügge. Ja, das sei so gewesen, bestätigte der 48-Jährige. „Ich sammle seit Jahren Waffen. Ich habe die schon seit Jahren bei mir an der Wand hängen.“ Die Patronen habe er auf Flohmärkten zusammengekauft.

Straftaten kurz nach Verhängung einer Bewährungsstrafe sind eine brisante Sache. Der Angeklagte hatte am 13. Oktober 2017 eine sechsmonatige Bewährungsstrafe wegen einer uneidlichen Falschaussage kassiert. Das lag immerhin auf einem ganz anderen Gebiet im weiten Reich des Strafrechts. Als Bewährungsauflage hatte er aber 150 Sozialstunden aufgebrummt gekriegt, von denen bis zur neuerlichen Verhandlung gerade mal 15 abgeleistet worden waren.

Darüber wunderten sich mehrere Beteiligte: „Hatten Sie keine Zeit für Sozialstunden?“, fragte die Richterin und zielte mit der Frage auf mögliche Schwarzarbeit des Angeklagten. Der 48-Jährige verlegte sich auf gesundheitliche Probleme: Es sei ganz einfach zu heiß gewesen. Kopfschmerzen und Schweißausbrüche hätten ihn gequält. Der Beschluss über die Sozialstunden sei schon lange vor der Hitze ergangen, erwiderte die Richterin.

„Der Angeklagte ist wirklich ein seltsames Wesen“, erklärte sein Anwalt die extrem zaghaften Antworten auf drängende und präzise Fragen. „Er kann offensichtlich nicht so richtig sprechen.“ Der Verteidiger bezweifelte aber, dass man ihn „wirklich wegschließen“ müsse und beantragte nochmals eine Bewährungsstrafe: „Seine Sammelleidenschaft muss er sich abgewöhnen, sonst sieht er bald gesiebte Luft!“

Die Richterin hatte der 48-Jährige allerdings nicht überzeugt: Sie verurteilte ihn wegen zweifachen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Haftstrafe von zehn Monaten – ohne Bewährung. Gleichzeitig empfahl sie dem Angeklagten aber den Gang vor eine Berufungskammer des Landgerichts, um mit verbesserten Argumenten der Haft zu entgehen. „Nutzen Sie die Zeit bis dahin!“

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