Oberbrügger vom Aus der Bäckerei Braun enttäuscht

- Foto: Frank Zacharias

OBERBRÜGGE - Die Aufregung an der Ecke Volmestraße/Heerstraße ist groß – und nicht nur dort. Viele Oberbrügger sind von der bevorstehenden Schließung der Bäckerei Braun in ihrem Ort überrascht. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußerten sie sich zudem besorgt über die weitere Entwicklung des Stadtteils.

„Ein Dorf wie Oberbrügge darf nicht seinen einzigen Bäcker verlieren“, sagt etwa Cordula Ehrendorf. Sie ist eine von vielen Kunden, die den Besuch des Tabak- und Zeitschriftenladens von Angelika Noelle-Niklas und Peter Niklas gerne dazu nutzen, auch frische Brötchen oder andere Backwaren mit nach Hause zu nehmen. Oder freilich umgekehrt. „Natürlich schauen die Leute, die zum Bäcker gehen, auch in unser Angebot rein“, sagt Peter Niklas. Denn die Besonderheit in Oberbrügge haben viele Kunden zu schätzen gewusst: Zeitschriften und Backwaren werden in ein und demselben Raum angeboten. Ohne Zwischenwand. Dass die Laufkundschaft dem Ehepaar langfristig fehlen wird, steht also außer Frage. „Aber darum geht es uns nicht in der Hauptsache“, betont Angelika Noelle-Niklas. „Die Leute sind einfach traurig, dass es hier keinen Bäcker mehr geben soll. Das ist für Oberbrügge wichtig.“ Nicht nur für die Anwohner, sondern auch für Berufstätige: Sich schnell mal in der Mittagspause ein belegtes Brötchen zu holen, dabei vielleicht einen Kaffee zu trinken – das gehört für viele einfach dazu. Und so entwickelte sich das „Doppel-Geschäft“ an der unteren Heerstraße schnell zu einem kleinen sozialen Zentrum Oberbrügges. Immerhin seit 18 Jahren kann in dem Laden von Angelika Noelle-Niklas und Peter Niklas Brot der Bäckerei Braun gekauft werden.

Dass diese Tradition bald ein Ende haben wird, können die Anwohner nicht verstehen. Für die neuen Besitzer der zwei übrigen Braun-Filialen in Halver hat diese Schließung allerdings durchaus ihren Grund. „Ich verstehe den Ärger der Leute vor Ort. Aber wir können einfach keine Filiale übernehmen, die sich wirtschaftlich nicht trägt“, sagt Iris Diwald, die gemeinsam mit Christian Räbsch die Geschäfte der Kiersper Bäckerei Diwald führt. „Das rechnet sich überhaupt nicht. Die anderen Filialen haben das Doppelte bis Dreifache eingebracht. Hinzu kommt die Logistik: Die Waren immer nach Oberbrügge zu liefern, ist ein zusätzlicher Kostenfaktor“, sagt Diwald.

Ein Argument, das Peter Niklas nicht nachvollziehen kann. Natürlich kenne er nicht die tatsächlichen Einnahmen, aber in direkter Sichtnähe zur Bäckereitheke könne er abschätzen, wie es um den Betrieb bestellt sei. „Es ging immer auf und ab und in letzter Zeit nicht schlechter als sonst“, sagt Niklas.

Traurig über ihren Abschied aus Oberbrügge ist auch Valerie Möninghoff: Seit zwei Jahren arbeitet die angehende Bäckerei-Fachverkäuferin in der Filiale. Und sie weiß um die Qualität ihrer Waren. „Bei uns gibt‘s keine Zusatzstoffe, nichts kommt aus der Tiefkühlung, alles wird frisch zubereitet.“ Ein Discounter wie der benachbarte Aldi-Markt oder eine Tankstelle könnten das nicht bieten. Immerhin hat Möninghoff für sich selber eine Perspektive: Wie alle anderen Braun-Mitarbeiter soll auch sie von der Bäckerei Diwald übernommen werden. Die betreibt dann zehn Filialen: Nicht nur im Stammsitz in Kierspe, sondern auch in Meinerzhagen, Kürten, Bergisch-Gladbach – und ab 1. September in Halver.

Von Frank Zacharias

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