Oberbrügge: Knappe Kirchkasse

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Pfarrer Werner Kenkel sowie Klaus Böcker und Roland Pfeiffer setzen aufs freiwillige Kirchgeld. ▪

OBERBRÜGGE ▪ Das Geld ist knapp, die Not ist groß: Um die Kasse zu entlasten, wird die evangelische Kirchengemeinde Oberbrügge jetzt das freiwillige Kirchgeld einführen. Rund 50 von knapp 1180 Gemeindegliedern sind gestern zur Versammlung gekommen – zum informieren, kritisieren Mut machen.

Es geht um die Zukunft der kleinen Oberbrügger Gemeinde. Darum sie zu erhalten. Vor allem aber um die Pfarrstelle von Werner Kenkel. Denn so lange er im Amt ist, so hat das Presbyterium entschieden, soll es eine ganze Stelle bleiben – danach eine halbe Stelle werden.

Allein in diesem Jahr hat die evangelische Kirchengemeinde Oberbrügge ein Minus von rund 27 000 Euro mit Geldern aus der Haushaltsrücklage ausgleichen müssen. Die Tendenz sei steigend. Der Hauptposten: Die Pfarrstelle.

Das freiwillige Kirchgeld soll nun als Lösung her – in anderen Gemeinden ist es bereits eingeführt worden. Vom 7. bis 12. November sollen Freiwillige Briefe an die Gemeindeglieder verteilen – persönlich. „Wir erhoffen uns pro Jahr Einnahmen von rund 30 000 Euro“, erklärt Pfarrer Werner Kenkel das hoch gesteckte Ziel.

Das Verteilen der Briefe sorgt aber für Diskussionen: Einige sehen den Namen Kenkel zu sehr im Fokus und fordern, die Pfarrstelle an sich in den Vordergrund zu stellen. Es könne zu stark nach einer direkten Spende für den Pfarrer aussehen. Andere hingegen wünschen sich, dass Kenkel auch selbst die Aktion „freiwilliges Kirchgeld“ den Gemeindegliedern an der Haustür präsentiert. Es sei ihnen unangenehm vorzupreschen, hinterhergehen würden sie dann schon. Und dann sind da noch jene, die sich fragen, ob das Geld nicht generell zu sehr im Mittelpunkt stehe. Dass es doch hauptsächlich um die Gemeinde gehe. Um die gelebte Gemeinschaft: „Vielleicht sollten wir erstmal mit den Menschen ins Gespräch kommen und sie dazu motivieren, aktiver Bestandteil der Gemeinde zu werden, bevor wir sie nach Geld fragen“, heißt es beispielsweise. Stichwort Attraktivitätssteigerung.

Und auch die Besitztümer der evangelischen Kirche stehen zur Diskussion: „Klar gibt es da Häuser und Grundstücke“, sagt Kirchmeister Roland Pfeiffer. Das seien aber alles zweckgebundene Rücklagen.

Klaus Böcker, Mitglied des Presbyteriums, bringt es dann auf den Punkt: „Uns bleibt doch nichts anderes übrig. Wir müssen weg von einer steuerfinanzierten, hin zu einer durch Mitglieder finanzierten Kirche“

Von Lisa Weber

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