Oberbrügge kämpft gegen drohende Schulschließung

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Protest gegen Schulschließung in Oberbrügge. Von links Vera Wiedemeier, Daniel Seidel und Simone Friemann aus der Schulpflegschaft. Plakate wie diese werden überall im Ortsteil aufgehängt.

Oberbrügge - „Die Schule ist Treffpunkt, Kultur- und Lebensmittelpunkt für den Ort.“ Auch mit dieser Botschaft schaltet sich die Schulpflegschaft der Grundschule Oberbrügge in die Diskussion um eine mögliche Schließung ein.

Bereits am Mittwoch stachen die ersten Protestschilder an der Heerstraße ins Auge. Es dürften noch einige mehr werden. Der Ortsteil sucht Unterstützung in der Politik und im Rathaus, bevor am 24. Februar im Ausschuss für Bildung und Jugend Weichen gestellt werden.

Die Ausgangslage ist klar. Vorschlag der Verwaltung ist, die einzügige Schule auslaufen zu lassen. Die vorhandenen Grundschulen in Halver könnten auch die Kinder aus Oberbrügge aufnehmen. Erwartet wird im Rathaus ein verbessertes pädagogisches Angebot schon durch die Größe der Schulen und ihrer Kollegien.

Naturnahes Lernen als Konzept

Doch die Argumente aus Oberbrügge wiegen schwer. Simone Friemann, Michaela Keil-Fischer und Daniel Seidel aus der Pflegschaft argumentieren nicht allein mit dem bürgerschaftlichen Zusammenleben, das sich an Schule und Bürgerhaus orientiert. Es gehe auch um ein pädagogisches Konzept des naturnahen Lernens an einem Schulstandort, der seinesgleichen suche und von ganz Oberbrügge getragen werde.

„Die Kinder kratzen um viertel vor sieben an der Tür, weil sie in die Schule wollen“, schildert Seidel seine Erfahrungen. Ab kurz nach sieben rollt auf den Bolzplätzen der Ball. Bei Schnee ist der Rodelhang morgens belebt, der Fischreiher auf der Wiese vorm Teich wird in den Unterricht eingebaut – vielleicht war’s ja doch ein Storch. Und jede Kröte dürfte in ihrem Leben schon einmal von den Kindern gerettet worden sein.

Die unbeschwerte Kindheit, die die außerordentliche Lage mit hektargroßen Natur- und Spielflächen möglich macht, ist eines der Argumente. Ein weiteres sind die kleinen Klassen, in denen auch Kinder mit höherem Förderbedarf mitgenommen werden. Zum Zirkusprojekt im großen Zelt kommen nicht nur die Eltern, sondern auch Oberbrügger, die mit ihren Eintrittskarten das Event im Ortsteil mitfinanzieren, zum Teil auch ohne Kinder in der Schule Mitglied eines überaus aktiven Fördervereins sind.

Schule "Vernetzungspunkt aller Oberbrügger"

Doch die pädagogischen Voraussetzungen am Schulstandort sind nicht das einzige Argument, das beim Pressegespräch fällt. In Halvers größtem Ortsteil bröckele das soziale Leben, denn die Schule sei Vernetzungspunkt für nahezu alle Oberbrügger Bürger.

Das Bürgerzentrum existiere nur im Zusammenhang mit der Schule, über die die regelmäßigen Kontakte liefen. Chor- und Vereinsleben hingen mit dem Kristallisationspunkt zusammen, argumentieren die Eltern, die auf die drohende Gefahr für die Schule erst aus einem Interview im Allgemeinen Anzeiger erfahren haben. Auf die möglichen Veränderungen in der Schullandschaft hatte zum Jahreswechsel Bürgermeister Michael Brosch hingewiesen, der heute ab 10 Uhr in seiner Sprechstunde im Bürgerhaus Rede und Antwort stehen will.

Zahlen zu hinterfragen

„Wir sind dankbar für jedes Gespräch und jede Stellungnahme“, sagt dazu Michaela Keil-Fischer. „Wir wollen alle Gelegenheiten nutzen, unseren Standpunkt darzulegen.“ Dazu werden allerdings auch kritische Fragen zählen. Das Schulgutachten enthalte Zahlen, die man noch hinterfragen wolle. Nach eigener Rechnung liege die Grundschule Oberbrügge danach in den kommenden Jahren klar oberhalb der kritischen Grenze von 92 Schülern. „Wir haben hier einen gut aufgestellten und ausgebauten Standort“, sagt sie.

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