Tele-Notarzt wird Thema

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Das System der Tele-Notärzte soll flächendeckend in NRW eingeführt werden. Die Rahmenbedingungen dafür sind allerdings noch offen – auch im Märkischen Kreis.

Halver - Es gibt eine Absichtserklärung, doch viel mehr ist es noch nicht. Wann sogenannte Tele-Notärzte tatsächlich Rettungsassistenten und die Notärzte der Märkischen Kliniken entlasten und unterstützen, ist offen.

Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, hatte kürzlich angekündigt, das System flächendeckend in NRW einführen zu wollen. Die Rahmenbedingungen seien allerdings noch völlig offen, sagt auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises. Der Rettungsdienst fällt in dessen Zuständigkeit. 

Kenntnisstand im Kreishaus ist zurzeit, dass in der jeweiligen Kreisleitstelle zusätzlich ein Arzt verfügbar ist, der zum einen das Rettungsdienstpersonal über Kamera im Rettungswagen bei der Arbeit unterstützt und gleichzeitig das Personal der Leitstelle, bei dem die Notrufe auflaufen, bei der Einschätzung der Lage berät. Ein entsprechendes Modell ist in der Region Aachen ausprobiert worden. 

Abgeschlossen sei es jedoch noch nicht, erklärt Klein weiter. Die praktischen Grundlagen für die Arbeit im ländlichen Raum wie dem Märkischen Kreis und damit auch Halver sind dabei völlig offen. 

Zu klären ist aus Sicht des Kreises Folgendes: Wer trägt die Kosten? Welche Qualifikation benötigt der Tele-Notarzt? Ändern sich die Einsatzvoraussetzungen für den „normalen“ Notarzt? Welcher Zeitplan ist für die Einführung vorgesehen? 

Wird der Tele-Notarzt verfügbar sein? 

Eher zurückhaltend bewertet Jürgen A. Weber, der ärztliche Leiter des Notarztstandorts am Klinikum, die Düsseldorfer Pläne. „Wir haben einen akuten Ärzte- und Fachärztemangel“, ist sein pragmatisches Argument angesichts des Laumann-Vorstoßes. Der Tele-Notarzt möge „politisch gewünscht“ sein. Ob er verfügbar sein werde, welche Qualifikation er brauche, sei aber ungewiss. 

Aus Webers Sicht werfen sich aber auch andere Fragen auf, unter anderem die nach den Verantwortlichkeiten im Rettungseinsatz. Zwar hat der Bundesärztetag im Mai das Fernbehandlungsverbot gekippt, doch müsse für alle Beteiligten bei einer Änderung des Systems Rechtssicherheit herrschen. 

Praktische Ansätze zu Verbesserungen im Rettungswesen sieht Weber bereits jetzt. Das Meldewesen lasse sich durch Schulungen des Leitstellenpersonals verbessern. Dort laufen die Meldungen auf. Abgefragt werden bestimmte definierte Kriterien, die unterschiedliche Rettungsszenarien auslösen. Je genauer die Information, desto besser könnten Hilfsmittel und Personal eingesetzt werden, ist er überzeugt. 

Handlungsbedarf auch in technischer Hinsicht 

Auch in technischer Hinsicht bestünde Handlungsbedarf, sollte man sich im Märkischen Kreis am Aachener Modell orientieren. „Hochauflösendes Videostreaming aus dem Rettungswagen mit remote Steuerungsmöglichkeit durch den Telenotarzt“ und „intelligenter Druckdienst zum Druck von Einsatzprotokollen im Rettungswagen“, „verschlüsselte Echtzeit-Datenübertragung“ zu mehreren Mobilfunknetzen mit Schnittstellen zu weiteren Kommunikationskanälen – der Rettungstransporter müssten technisch wohl massiv aufgerüstet werden.

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