Kindervilla ist Thema im Ausschuss

Wo ein Wille ist, ist eine Kindervilla

+
Der Umbau der Kindervilla hat bereits begonnen, allerdings sind noch nicht alle Fragen beantwortet.

Halver - Zum Konzept der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) in der künftigen Kindervilla ergaben sich in einem Ausschuss noch einige Fragen, die beantwortet werden müssen. Dabei geht es auch um das Personal und die Kosten.

„Ich bin glücklich, ich bin stolz, ich bin dankbar“, sagte Werner Lemmert, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Jugend, am Donnerstagabend im Ratssaal. Die vor zwei Jahren geborene Idee der Kindervilla gelte es nun mit Leben zu füllen. Alle formalen Voraussetzungen sind geschaffen, nur noch der „Segen des Landesjugendamtes“ fehle. Und den gab es nicht ohne Anmerkungen – und die eine oder andere Voraussetzung muss erst noch geschaffen werden. 

Die Trägerfrage für die Kindervilla wird Sentiris übernehmen. Nicht nur weil die gemeinnützige GmbH bereits eine Großtagespflege in der unteren Etage der ehemaligen Stadtdirektorenvilla ab August eröffnen wird, sondern auch, weil die städtische Mitarbeiterin, die für diese Arbeit prädestiniert gewesen wäre, voraussichtlich zur Jahresmitte in Mutterschutz gehen wird. 

Andere Fragen sind noch offen

Es geht nun um andere Fragen, als die Trägerfrage. Die Baumaßnahmen sind bereits in vollem Gange an der Mittel-, Ecke Schulstraße. „Wir schaffen das“, sagte Michael Brosch und sieht einem pünktlichen Umbau nichts im Wege stehen. Das Konzept für die Nutzung der OKJA steht. Kristian Hamm, Geschäftsführer von Sentiris, stellte es in Kürze noch einmal im Ausschuss vor. 

Fragen gab es zu den Punkten Öffnungszeiten und Zielgruppe. Geplant ist eine Öffnung an den Wochentagen und an Wochenenden. Aktuell ist es so, dass eine Drittelstelle verfügbar ist – das wären 13 Stunden. Dass mit dieser Stelle eine OKJA nicht an jedem Wochentag und zusätzlich am Wochenende geöffnet haben kann, ist klar. Die Stadt Halver hatte parallel mit dem Haushalt 2020 vorsorglich die stellenplanseitigen Voraussetzungen für die OKJA mit einer halben Stelle ermöglicht. 

Keine weitere Unterstützung vom Kreis

Vom Kreisjugendamt wird es keine Aufstockung geben, wie Matthias Sauerland, Fachdienstleiter beim Märkischen Kreis, sagte. „Was zusätzlich möglich ist? Nichts“, sagte er. Insgesamt finanziert der Kreis drei Stellen, die 117 Personalstunden umfassen. Auf die Stundenverteilung nehme der Kreis keinen Einfluss. 

Die Stundenkontingente müssten jedoch so verteilt werden, dass in allen Einrichtungen –also im Jugendcafé Aquarium, im Kinder- und Jugendtreff „Die Insel“ und in der Kindervilla – Angebote für Kinder geschaffen werden. „Wer A sagt, muss auch B sagen“, kommentierte Bürgermeister Michael Brosch die nötige finanzielle Unterstützung der Stadt für die Personallage.

Fördervereine im Gespräch

„Ich glaube sehr an Fördervereine“, warf Kristian Hamm in die Runde. Damit habe er in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Dafür müsse man mit der Kindervilla auch erst beginnen, damit Menschen auch sehen, was sie fördern und unterstützen würden. Für Hamm lebe die OKJA von Beteiligung, Beziehung und Begegnung. „Wenn möglichst viele Menschen an einem Strang ziehen“, würde das Konzept aufgehen. Fördervereine könnten nicht nur finanziell unterstützen, sondern vor allem dazu beitragen, die Idee der Kindervilla mit Leben zu füllen. 

Für ihn seien die Idee und die Umsetzung nicht nur etwas, was Halver gefehlt habe, sondern auch einmalig im Umkreis. „Kindern fehlt ein Raum, der ihnen wirklich gehört.“ 

Fünf Tage geöffnet - "sehr ambitioniert"

Dass die Trägerschaft an Sentiris geht, hält auch Matthias Sauerland vom Kreisjugendamt für richtig. Zwingend erforderlich sei eine Fachkraft, die immer anwesend sein müsse. Die Öffnungszeit von fünf Tagen halte er bereits für „sehr ambitioniert“, hat aber auch eine Idee parat. So müsse die Kindervilla nicht leerstehen, nur weil Personal fehle. Als Beispiel nannte er Balve. Dort habe sich ein Verein gegründet, der das Angebot aufrecht erhalte und ergänze, wo es das eigene Personal nicht könne. Es agiere dann „nach den Regeln der Kunst, aber eine Fachkraft ist dann nicht mehr nötig“. 

Die Kindervilla vor dem Beginn der Umbaumaßnahmen.

Ein weiteres Anliegen hatte das Kreisjugendamt zum Thema Zielgruppe. Sauerland sprach sich für ein Angebot für Sechs- bis Zehnjährige aus, und finde diese Altersgrenze sinnvoller, als sie bis zum zwölften Lebensjahr zu erweitern. Ausnahmen würden die Regel bestätigen, aber das Grundschulalter sollte fokussiert und ein passendes Programm erstellt werden, so seine Meinung. Und auch bei der Programmentwicklung sieht er Sentiris als Träger in der Verantwortung. 

Kritik von der SPD

Kritik dazu kam von der Sozialdemokratin Regina Reininghaus. „Ist Sentiris am Spielball, sind alle anderen nur Gast.“ Sie freut sich für die Kinder, möchte aber keine Grenzen in den Angeboten der OKJA in Halver und findet, dass eine Zusammenarbeit der verschiedenen Träger funktionieren müsse. Die Kinder sollen „von der einen zur anderen Einrichtung mitgenommen werden“. 

Matthias Sauerland entgegnete der Aussage damit, dass es immer gemeinsame Dienstbesprechungen gebe und auch weiterhin geben werde. „Es soll nur klar sein, wer die Mütze auf hat.“ Die OKJA in der Kindervilla unterscheide sich vom Angebot im Bürgerzentrum, wo Sentiris gemeinsam mit dem Aquarium ein Programm erstellt hat, den Juniortag. Wie geht es jetzt weiter? Das Konzept werde als Grundlage für eine Weiterentwicklung genutzt, sagte Matthias Sauerland. 

Bis zum Sommer solle dann zum einen die Kindervilla fertiggestellt und eine Lösung gefunden worden sein, wie es personell umgesetzt wird. Durch den Bildungsausschuss ging der Beschluss einstimmig. Nach drei Jahren sollen die Erfahrungen mit dem Konzept und der Übertragung an Sentiris erstmalig evaluiert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare