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Nightwash: Viele Besucher bei Comedy-Show

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Von: Sarah Reichelt

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Özgur Cebe, Nightwash, Halver
Moderator Özgür Cebe begeisterte ein ums andere Mal mit seiner sonoren, wohlklingen Baritonstimme. © Salzmann, Jakob

200 Besucher kamen trotz Sturms zur Nightwash-Show nach Halver. Vier Künstler präsentierten ihre Comedy-Fähigkeiten.

Halver – „Die Hütte ist voll, echt schön!“ Das stellte Nightwash-Moderator Moderator Özgür Cebe am Freitagabend fest. Vom Sturm, der mit Macht über’s Land fegte, ließen sich Comedy-Fans nicht abhalten, zur nachgeholten Show mit jungen, aufstrebenden Nachwuchskünstlern in die Aula des Anne-Frank-Gymnasiums zu kommen.

Mit dabei bei der Show, die sich im wahrsten Sinn des Wortes gewaschen hatte, waren Amjad, der erste palästinensische Comedian, Newcomer Serkan Ates-Stein und Stand-up-Comedian André Herrmann, der Gags für renommierte TV-Shows schreibt. Aylin Lefkeli, die eigentlich auch hätte dabei sein sollen, musste aufgrund des Sturms und ausfallender Züge aus Hannover passen.

Sichtlich wohl in Halver als „Epizentrums des Frohsinns“ fühlte sich Özgur Cebe, der sich mit seinen türkisch-armenischen-kurdischen Wurzeln gleich „drei Feinden im eigenen Körper“ widmete. Falsche Lieder in der Schule und Shakespeare anstelle des Erlkönigs machte er verantwortlich für holprige Integration.

Serkan Ates-Stein, Nightwash, Halver
Serkan Ates-Stein rückte den in der Corona-Pandemie angefutterten Pfunden mit Tanzen zu Leibe. © Salzmann, Jakob

Gleichsam als Bindeglied zwischen den einzelnen Nummern begeisterte er ein ums andere Mal mit seiner sonoren, wohlklingenden Baritonstimme und seiner unbekümmerten, witzigen Art, mit deutsch-türkischen Befindlichkeiten umzugehen. Ob er dabei Hamlet („Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“) auf „Kanakisch“ zitierte, den Faust-Monolog als Rap in intellektueller und „Asi“-Version auf die Bühne brachte oder bekannte deutsche Schlager mit arabischen Texten unterlegte: Die rund 200 Besucher kringelten sich vor Lachen.

Mit 72 Jungfrauen fing das Leben an

Nicht mit 66 Jahren (Udo Jürgens), sondern mit 72 Jungfrauen fing da das Leben an. Beim Lied über den Kaffee, den die Türken nach Europa brachten, sang das ganze Publikum mit. Nach überstandener Corona-Erkrankung fühlte sich Serkan Ates-Stein „in der Bubble der Geimpften wie ein Versager“. Pointiert schielte er auf die Hobbys, die sich andere in der Pandemie zugelegt haben, und witzelte über sein Tanz-Workout mit Pamela Reif gegen die angefutterten Pfunde.

Lustig hielt überdies der eigene Opa für humorvolle Geschichten her. „Es gibt so viele Ü’s in der türkischen Sprache, aber Opa sagt funf“, witzelte er.

André Herrmann, Nightwash, Halver
André Herrmann ließ mörderischen Gedankenspielen mit einer Banane als Tatwaffe zum Aufessen freien Lauf. © Salzmann, Jakob

„Ich darf auf gar keinen Fall ich selbst sein“, rieb dagegen André Herrmann, der gern positiver wäre, dem Publikum bissig unter die Nase. An seinen geheimsten Gedanken – mörderischen Gedankenspielen mit einer Banane als Tatwaffe zum Aufessen eingeschlossen – ließ er teilhaben.

„Fitness-Rentner“ und „Aggro-Rentner“

„Fitness-Rentner“ bekamen ebenso ihr Fett weg wie aggressive „Aggro-Rentner“, die anderen beim Einkaufen in die Hacken fahren oder hinter Gardinen versteckt auf die Fehler der Jüngeren lauern. Seine eigenen Eltern verortete er genau dazwischen. „Die wollen noch nicht wandern und sind noch nicht wütend.“

Radikal witzig deckte zu guter Letzt Amjad die Unterschiede zwischen deutscher und arabischer Kultur auf, widmete sich hingebungsvoll eindeutig zweideutigen deutschen Worten wie Babypinkeln und Leichenschmaus, kokettierte mit der Angst der Deutschen vor Arabern – und förderte aus seinem Rucksack (Anspielung auf Sprengstoff) Donald Duck ans Tageslicht. Mit verstellter Stimme legte er der Ente Humorvolles in den Mund. Warum die Deutschen bei Frühschoppen nicht einkaufen – früh shoppen – gehen, blieb ihm ein Rätsel.

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