Halveraner Wirte uneinig über Rauchverbot

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Iveta Svejnar, die das Restaurant Zur Neustadt führt, findet viel Positives am Nichtraucherschutzgesetz. Dieses sei ihrer Meinung nach nicht verantwortlich für zurückgehende Umsätze.

Halver - Zehn Jahre ist es her, dass in Nordrhein-Westfalen das Nichtraucherschutzgesetz erlassen wurde. Zunächst galt es noch in abgeschwächter Form – es konnte etwa in abgetrennten Bereichen geraucht werden –, ab 2013 durfte in Gaststätten gar nicht mehr „gequalmt“ werden. Das Thema Rauchverbot bewerten Halveraner Gastwirte allerdings unterschiedlich.

„Wenn man ein Bier trinkt, möchte man auch eine Zigarette dabei rauchen“, sagt Günter Melzer-Dost, Inhaber der Gastwirtschaft Zum Linken. Der Staat verdiene – außer an Benzinsteuern – am meisten durch Steuern auf Alkohol und Tabak. „Ich finde es deprimierend, dass man uns das vorschreibt, ob geraucht werden darf oder nicht. Das ist traurig.“ 

Seine Gäste hat er da ganz auf seiner Seite. Roswitha Reikowski findet das Rauchverbot nicht gut. Rauchen gehöre dazu, wenn man gesellig zusammensitze, sagt sie: „Ich bin zwar Nichtraucher, aber es ist schon einsam, wenn der Partner Raucher ist.“ Bei vielen Anlässen, zum Beispiel Familienfeiern, würden die Raucher nämlich vor die Tür gehen. „Die Geselligkeit leidet darunter.“ 

Vor dem Nichtraucherschutzgesetz sei es geselliger gewesen. Dass man als Raucher auch auf andere Rücksicht nehme, sei aber selbstverständlich. „Dass man nicht in Gegenwart von kleinen Kindern raucht und nicht beim Essen, das ist klar“, sagt Reikowski.

Manche Nichtraucher fühlen sich nicht gestört 

„Ich denke, dass Menschen, die den Beruf in der Gastronomie wählen, damit rechnen können, dass geraucht wird.“ Benedict Neuhaus glaubt ebenfalls nicht, dass rauchende Gäste die Angestellten stören. Auch er ist Nichtraucher, stört sich aber ebenso wenig daran, wenn andere um ihn herum rauchen. 

In Sachen Rauchverbot findet er die Lösung besser, wie sie in der Übergangsphase des Rauchverbots galt. „Es müsste Räume geben, wo man rauchen kann, und solche, wo Nichtraucher ungestört sind.“ Gastwirt Melzer-Dost beklagt, dass nach Inkrafttreten des Rauchverbots seine Umsätze stark zurückgegangen seien, mindestens um die Hälfte. „Wo früher zehn Raucher gekommen sind, kommt heute vielleicht noch einer.“ 

Einige Kneipengäste wie Roswitha Reikowski im Zum Linken kritisieren das Rauchverbot. Die Geselligkeit leide darunter, findet die Nichtraucherin

Es gebe ganz klar einen Rückgang beim ausgeschenkten Bier. „Die Männer kommen nicht mehr zum Trinken, sondern treffen sich lieber zuhause in der Garage oder im Gartenhäuschen, weil sie da auch rauchen können.“

„Da ich das Litfass erst seit zwei Jahren führe, kann ich nicht vergleichen, wie es früher war“, sagt Marc Haarmann, Inhaber des Litfass. Einen klaren Trend hat Haarmann trotzdem festgestellt, nämlich dass es immer weniger Leute gäbe, die überhaupt rauchen. 

Striktes Verbot besser als Zwei-Raum-Lösung 

„Früher war es normal, dass in der Kneipe alle geraucht haben. Die Zigarette am Tresen gehörte zur Kneipenkultur dazu“, beschreibt Haarmann seine eigenen Erfahrungen als Besucher von Gaststätten und Kneipen. Was das Rauchverbot angehe, habe er ein zwiespältiges Verhältnis. „Als Nichtraucher finde ich es besser, dass nicht geraucht wird. Als Gastronom sage ich: Ohne das Rauchverbot wäre es besser.“ 

Die Gesetze machten aber andere und solange sich alle daran hielten, sei das auch in Ordnung. „Ich finde allerdings die striktere Lösung besser als die Zwei-Raum-Lösung“, sagt Haarmann. Einen separaten Raucherraum einzurichten, sei für viele Unternehmen bautechnisch nicht möglich. So sei es besser, dass für alle die gleichen Regeln gelten. 

Eine solche Trennung gab es zum Beispiel im Restaurant Zur Neustadt. Etwa 40 Personen hatten in den Nichtraucher-Räumen Platz. „Die Trennung hat gut funktioniert“, berichtet Inhaberin Iveta Svejnar, die nach einem Jahrzehnt Rauchverbot sagt: „Ich persönlich sehe es als Nichtraucherin einfach nur positiv.“ Sie müsse zum Beispiel nicht mehr ständig die verrauchten Klamotten waschen. Die Leute hätten sich ohnehin daran gewöhnt, dass nicht geraucht werde. „Die gehen dann halt raus, das hat sich irgendwie eingependelt.“ 

Rauchverbot nicht Grund für Einbußen 

Kneipen, die kein Essen anbieten, sondern lediglich Getränke, hätten das Rauchverbot aber möglicherweise stärker gespürt, denn Trinken und Rauchen gehörte für viele Gäste zusammen. „Wir sind keine Eckkneipe, sondern ein Restaurant“, sagt Svejnar. Man merke den Effekt des Rauchverbots daher nicht so stark. 

„Aber die Stammtische freuen sich, dass sie jetzt draußen sitzen und rauchen dürfen.“ Umsatzeinbußen habe es in den vergangenen Jahren trotzdem gegeben, aber das liege laut Svejnar nicht am Rauchverbot: „Die ältere Generation stirbt uns weg, der Nachwuchs fehlt.“ Und davon sei die gesamte Gastronomie betroffen.

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