Nicht nur Schiefer im Blick

Die eine Dachhälfte des Hauses Frankfurter Straße 41 ist seit gestern komplett mit Schiefer eingedeckt. -  Foto: F. Zacharias

HALVER - Auch Gebäude können für Zündstoff sorgen. Das ist bei den Schieferhäusern an der Frankfurter Straße nicht anders. Die einen sehen sie als Chance, in der Innenstadt einen kulturellen Anziehungspunkt zu schaffen. Andere stoßen sich vor allem an den Kosten für das Regionale-Projekt in Höhe von rund 900.000 Euro.

Fest steht indes: Im Frühjahr 2014 sollen die Häuser der Kultur – zu denen später auch die Villa Wippermann zählen soll – bezugsfertig sein. Dass es bis dahin noch viel zu tun gibt, wurde gestern bei einer Baustellenbesichtigung mit Architekt Stefan Czarkowski deutlich.

Dass Außenstehende mitunter kritisch auf die Baustelle blicken, ist auch Czarkowski bewusst. „Die Leute fragen mich, warum es hier nicht schneller voran geht. Aber denen erkläre ich dann, dass es eben dauert, bis man Eichenholzbalken mit der vorgesehenen Restfeuchte erhält oder einen besonderen Ziegelstein, der extra aus einer ostdeutschen Ziegelei angeliefert wurde.“ Nein, diese Fachwerkhäuser sind eben keine Stangenware, sondern verlangen vom Planer und den Handwerkern besondere Aufmerksamkeit. Und ein hohes Maß an Können.

Bei der Arbeit am Fachwerk wird möglichst mit eben solchen Materialien gearbeitet, wie im 19. Jahrhundert, als die Häuser gebaut wurden. „Die Gebäude entstanden etwa 1860, 1880. Genaue Aufzeichnungen fehlen leider“, sagt Stefan Czarkowski. Am Denkmalstatus ändert das aber nichts: Will ein Zimmermann die Balken miteinander verbinden, bedeutet das auch, dass er zum Holz- statt zum Stahlnagel greifen muss. „Das ist alte Handwerkskunst, die nicht jeder beherrscht“, weiß der Architekt. Für die speziellen, hochporösen Ziegelsteine muss ein besonderer Kalk-Mörtel genutzt werden, jegliche Zementbeimischung wäre für das Holz-Fachwerk tödlich.

Dass bis zum Umbau nicht eben sorgsam mit der vorhandenen Bausubstanz umgegangen wurde, macht ein Blick auf die Holzbalken deutlich, die vor dem Haus mit der Nummer 41 aufgeschichtet sind: Nicht alles konnte erhalten oder aufbereitet, manches musste und muss ausgetauscht werden. „Böse Überraschungen gab es bislang aber nicht“, sagt Czarkowski. Viel mehr habe man im Vorfeld mit dem nun notwendigen Aufwand gerechnet. Und so fällt auch der nicht mehr tragfähige Lehmputz kaum ins Gewicht. Vieles wird rekonstruiert, so dass vom Original so viel wie möglich erhalten bleibt – oder wieder hergestellt wird. Wie die Fensteröffnungen, die im Laufe der anderthalb Jahrhunderte zugemauert wurden. Die ursprünglichen Fenster sollen wieder eingesetzt werden. „Das werden am Ende richtig lichtdurchflutete Räume“, ist Architekt Stefan Czarkowski sicher.

Von Frank Zacharias

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare