Neues Müllfahrzeug sorgt für Ärger bei Anwohnern

Ein Dutzend Anwohner demonstrieren, wie die Mülltonnen „Am Hilgenstock“ den Verkehr beeinträchtigen. ▪ Fraune

HALVER ▪ Der neue Müllwagen holt nicht nur mehr Abfall ab, sondern bringt für einige Bürger schwerwiegende Probleme. Durch die größeren Ausmaße des Fahrzeugs des Entsorgers Lobbe können einige Straßen nicht mehr wie bislang angefahren werden.

Folge: Die Anwohner müssen ihre Tonne etliche Meter weiter bis zu einem neuen Sammelplatz ziehen. „Es ist vorher überhaupt nicht darüber nachgedacht worden“, kritisiert Peter Sauer die ihm in einem Schreiben der Stadt mitgeteilten Änderungen für die Anwohner an der Straße „Am Hilgenstock“. Auch am Forellenweg und am Karpfenweg kommt es offenbar zu vorher nicht berücksichtigten Problemen, wie der Müll-Beauftragte der Stadt, Dieter Neubauer, auf Anfrage unserer Zeitung eingesteht. Die Situation „Am Hilgenstock“ sei dabei ein echtes „Problemkind“.

Das musste Anwohner Sauer jetzt erfahren. Jahrzehntelang wurden seine und die Tonnen der Nachbarn in den beiden Stichstraßen vom alten Müllfahrzeug abgeholt. Da es hier keinen Wendeplatz gibt, ist der Fahrer der Firma Lobbe bislang rückwärts in die Straße gefahren und hat so die Müllgefäße an der Grundstücksgrenze geleert. „Seit Jahrzehnten geht es hier ohne Probleme.“

Mit dem neuen Fahrzeug, für das die Stadt zuletzt in einer Presseerklärung in höchsten Tönen schwärmte – O-Ton: „Das Fahrzeug erfüllt die Euro 5-Norm, ist leiser, leistungsfähiger und umweltschonender“ – , sind die Schwierigkeiten eingetreten. Da statt der bisher eingesetzten Überkopf-Ladetechnik nun mit einer Seiten-Ladetechnik gearbeitet wird, ist mehr Platz erforderlich, den es „Am Hilgenstock“ aber eben nicht gibt. Folge: Allein hier müssen laut Sauer knapp 30 Betroffene ihren Müll zur Hauptzuwegung bringen, unter anderem eine 93-jährige Frau. Verwaltungsmitarbeiter Neubauer setzt für solche Fälle auf die Nachbarn, die mithelfen könnten, und verweist ansonsten auf entsprechende Gerichtsurteile, die „eine gewisse Zumutbarkeit“ voraussetzen. „Dass es für manche nicht akzeptabel erscheint, dafür habe ich Verständnis.“ Doch schon zuvor hätte der Fahrer des Müllwagens nach der Unfallverhütungsvorschrift nicht rückwärts in den Hilgenstock fahren dürfen, erklärte er gestern einem Dutzend aufgebrachter Anwohner vor Ort – und warb um Verständnis. Nun sei es wegen des größeren Fahrzeugs nicht mehr möglich. Und: „Es gibt nicht die Möglichkeit, den Unternehmer zu verpflichten, mit einem kleineren Fahrzeug zu fahren. Wir haben keinen Servicevertrag.“ Der maßgebende Entsorgungsvertrag sehe nur vor, dass die Tonnen an die Grundstückgrenze gebracht werden. Soweit diese nicht für das Fahrzeug erreichbar seien, müssten die Gefäße an einen geeigneten Ort gebracht werden. Neubauer sieht die in seinem Schreiben an die Anwohner vorgeschlagene „Hauptzuwegung ‚Am Hilgenstock’“ als „kein Optimum“ für eine Sammelstelle an, doch es bestehe eine schwierige Lage.

Dass dies nicht frühzeitig hätte erkannt werden können, sieht der Müll-Beauftragte nicht. „Ich kann Dinge nicht aus Sicht eines Fahrers bewerten.“ Dort, wo er zuvor Probleme erwartet habe, seien hingegen keine entstanden. Neubauer will aber an einer Lösung arbeiten. „Ich bin gerne bereit, andere Lösungen zu suchen.“ ▪ Marco Fraune

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