Neues Gesetz lässt Preise in die Höhe schnellen

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Der große Ansturm liegt bereits hinter ihm und seinen Kollegen: Ulli Born von TuNo musste in den vergangenen Wochen zahlreiche Reifen umstecken.

HALVER ▪ Wann ist ein Winter Winter? Oder: Warum muss man trotz Schneefalls nicht zwingend mit einem Bußgeld rechnen, wenn man mit Sommerreifen unterwegs ist? Diese Fragen werden in den kommenden Wochen immer häufiger gestellt werden, denn das neue Gesetz zur richtigen Bereifung in den kalten Monaten ist erst seit Montag in Kraft.

Und so rechnet Halvers Wachleiter Torsten Häcker mit manch einem Beratungsgespräch, dass seine Kollegen im Rahmen der allgemeinen Verkehrskontrollen vor sich haben. „Praktiziert wird das Gesetz eigentlich erst, wenn es im Bundesgesetzblatt steht“,

gibt Häcker aktuellen Sommerreifenfahrern noch eine Schonfrist – die aber nicht mehr lange andauern wird. In den nächsten Tagen sei mit einer entsprechenden Veröffentlichung zu rechnen. Gefährlich ist die Fahrt mit Sommerreifne jetzt schon, doch dann wird sie auch teurer: Schlug der falsche Reifen bei Schnee, Eis und Matsch mit 20 Euro Bußgeld zu Buche, werden es künftig 40 Euro sein, die der „Falschfahrer“ berappen muss. Um eine Anfangsfrage gleich zu klären: Wenn es schneit, die weiße Pracht jedoch nicht auf der Straße liegen bleibt und auch keine Glätte hervorruft, so dürfen weiterhin Sommerreifen benutzt werden. Doch davon rät Torsten Häcker ab: „Gerade im Sauerland kann das Wetter schnell umschlagen, so dass man plötzlich nicht mehr weiterfahren kann.“ So seien es vor allem Durchreisende aus dem Ruhrgebiet, die von der Polizei abgemahnt werden. „Die sind vielleicht auf trockener Fahrbahn daheim losgefahren und stecken plötzlich in Halvers Schnee fest“, so Häcker. Die heimischen Autofahrer seien grundsätzlich besser auf die Wintermonate eingestellt.

Und das bestätigt auch Birgit Blisginnis vom gleichnamigen Reifenhandel bei Schwenke. „Schon der Gesetzentwurf hat frühzeitig eine Welle losgetreten, die wir zu spüren bekamen.“ Auch die letzten Winterreifenverweigerer hätten sich nun weit vor der ersten Schneeflocke für einen neuen Satz Reifen entschieden – und die Folgen dieses Ansturms sind spätestens jetzt zu spüren. Die Nachfrage bleibt hoch, das Angebot ist zu gering, die Preise steigen. „Einige kleinere Händler haben gar nichts draufgeschlagen, Großhändler hingegen haben die Preise um bis zu 30 Prozent angehoben“, sagt Frank Turck von der Autoreparaturwerkstatt TuNo. Dabei sei teilweise sogar die beabsichtigte Lagerung der Reifen zu spüren gewesen, um die Pneus erst dann auf den Markt zu werfen, wenn höhere Preise erzielt werden können. Noch habe man alle Kundenwünsche befriedigen können, doch insbesondere Reifen der gängigsten Größen 195/65 oder 205/65 seien rar und entsprechend im Preis gestiegen.

Den absoluten Notstand vermelden sowohl Turck als auch Blisginnis jedoch in Sachen Transporterreifen: Wer beim Reifentyp ein „C“ im Fahrzeugschein stehen hat, muss derzeit lange suchen oder warten: „Da rüsten jetzt einige nach, die es bislang ganz ohne Winterreifen versucht haben“, heißt es da. ▪ Frank Zacharias

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