Veränderungen im Regionalmuseum

Das neue Konzept der Villa Wippermann

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Jana Eilhardt übernimmt ab dem 1. Januar die Organisation in der Villa Wippermann.

Halver - Bewährtes neben Neuem, neue Zielgruppen, Präsenz in sozialen Medien – so soll das neue Konzept der Villa Wippermann in Halver aussehen. 

Das schwebt Jana Eilhardt für das Regionalmuseum Villa Wippermann vor.

Mit Redakteur Florian Hesse sprach sie über die Zukunft des Hauses, in dem die 50-jährige Wahl-Halveranerin ab Jahresbeginn die Sonderausstellungen im Erdgeschoss organisiert. 

Frau Eilhardt, was ändert sich in der Villa Wippermann am 1. Januar?

Nun, Peter Bell möchte ruhiger treten, sich ausschließlich um das Heimatmuseum und die Ausstellung im Obergeschoss kümmern. Betrachtet man das gesamte Regionalmuseum Oben an der Volme (OadV), dann gibt es zukünftig, wie bei einem richtigen Museum, den Teil einer ständigen Sammlung, betreut vom Heimatverein und Peter Bell und vier Sonderausstellungen künstlerischer, handwerklicher oder dokumentarischer Art, betreut von mir. 

Werden sie dafür von der Stadt Halver bezahlt? 

Nein. Die Aufgabe übernehme ich ehrenamtlich. Der Fachausschuss für Kultur hat ein Ausstellungsbudget von 6000 Euro bewilligt, für ausstellungsspezifisches Equipment, Ausdrucke, Rahmen, Passepartouts, Schilderung, Flyer… 

Über ihr Konzept sprechen wir gleich. Aber wieso trauen Sie sich das zu?

Ich bin Diplom-Ingenieurin für Elektrotechnik und habe viele Jahre in der Industrie im Vertrieb und Projektmanagement gearbeitet. Die ziel- und kostenorientierte Durchführung von Projekten liegt mir im Blut. 

Das hat mit Kunst und Kultur ja nicht viel zu tun... 

Stimmt. Ich habe auch fünf Jahre Grafikdesign, Illustration und freie Kunst studiert. Zu diesem Studium gehörten die Fächer Fotografie, Malerei, Illustration, Druckgrafik, Bildhauerei und vor allem Kunstgeschichte und Kunsttheorie. Ich habe große Achtung vor Kunst als Antwort auf Fragen unserer Zeit. Zu guter Letzt verdiene ich mein Geld als Diplom-Kommunikationsdesignerin und arbeite seit zwölf Jahren als selbstständige Grafikdesignerin und im Marketing heimischer Unternehmen. Das heißt für die Villa, dass die gesamte Werbung und Kommunikation von Drucksachen bis Social Media von mir betreut werden kann. 

Vielleicht mal zum neuen Ausstellungskonzept: Was haben Sie sich überlegt? 

Die Leiterin der Abteilung Bildung und Kommunikation der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Heike Kropff, sagte auf der 6. Westfälischen Kulturkonferenz: „Nur zehn Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung gehen in ein Museum. Der weitaus größte Teil davon ist deutsch, weiß, heterosexuell und hat Abitur.“ Mit unserem kleinen, feinen Museum können wir daran etwas ändern. Ich möchte versuchen Schwellenangst zu nehmen, Dinge auszustellen, die die anderen 90 Prozent interessieren könnten. 

Die Frage, die sich stellt, ist nicht, was hängen wir an die Wand, sondern: Wie hole ich die Leute ins Museum? Ich denke an Vorträge, Mitmachangebot, Kunsterlebnisse. Außerdem würde ich gerne Öffnungszeit zu Begegnungszeit machen. Menschen, die vielleicht allein sind und nachmittags Zeit haben, könnten in die Villa Wippermann kommen, sich treffen und dabei gleichzeitig die Öffnungszeiten betreuen. Hierfür suche ich noch Interessenten. Wir stellen auch eine Kaffeemaschine auf. 

Wissen Sie schon, was Sie kommendes Jahr zeigen werden?

In den letzten zwei Monaten habe ich vier Ausstellungen für das nächste Jahr akquiriert. Wir beginnen mit dem Fotoverein. 

Das hört sich jetzt nicht nach Revolution an. 

Ja, aber wenn wir gleich im neuen Jahr nach den Ferien beginnen, ist es gut, mit erfahrenen Ausstellern zusammen zu arbeiten, zumal die Mitglieder sich an der Betreuung der Öffnungszeiten beteiligen möchten. Nach zwei erfolgreichen Ausstellungen machen wir aber nicht vom Gleichen mehr. Ich durfte bei mehreren Sitzungen des Fotovereins dabei sein. Gemeinsam haben wir ein spannendes Ausstellungskonzept entwickelt. 

Ein bisschen konkreter? 

Wir zeigen nicht nur Fotos, sondern die Fotografen dahinter. Wir erzählen eine spannende Geschichte und zeigen, dass Fotos Schnappschüsse auf der Straße sein können aber auch abenteuerliche Naturfotografie oder technisch hochaufwendige Studiofotografie. Die Mitglieder des Fotovereins möchten Abendöffnungszeiten organisieren mit Vorträgen, einem Porträtabend, wo sich jeder fotografieren lassen kann. Walter Panne wird seine Anlage aufbauen und zeigen, wie man diese unglaublichen Tropfenfotos macht. 

Hört sich schon spannender an... 

Auf jeden Fall. Ob wir ihn in der Villa auch auf Gemüse schießen lassen, um zu zeigen wie Hochgeschwindigkeitsfotografie funktioniert, müssen wir sehen, wie viel Sauerei das macht. 


Was wäre das zweite Projekt im Frühjahr? 

Das FrauenKunstForum (FKF) Südfestfalen. Ein Netzwerk von 35 Künstlerinnen aus der weiteren Region aus Lüdenscheid, Kierspe, Hagen, Hattingen, Herne, Wetter, Werdohl… Die Frauen geben sich ein gemeinsames Thema, welches von jeder mit den eigenen künstlerischen Mitteln bearbeitet wird. Die Ausdrucksformen reichen von Malerei, Druckgrafik, Fotografie bis zum plastischen Gestalten. Die Arbeiten werden von einem qualifizierten, externen Juror beurteilt und zu einer Ausstellung zusammengestellt. 

Wie sind Sie auf das FKF gekommen?

Ich habe das FKF gewählt, weil ich auf eine abwechslungsreiche und anspruchsvolle Ausstellung hoffe. Die Frauen kommen von weit her und bringen bestimmt Freunde und Verwandte nach Halver. Das wird den Bekanntheitsgrad der Villa in Südwestfalen ordentlich steigern. Ich hoffe, die gehen dann anschließend alle noch Mittagessen zu Hewa, Domenico oder trinken Kaffee im Tortenatelier. 

Jetzt haben Sie noch zwei Ausstellungen in petto? 

Ausstellung drei wird ein großes Experiment. In Brüssel fand in diesem Jahr die Ausstellung „Beyond Bruegel“ statt. Eine multimediale Bruegel-Ausstellung ohne ein einziges Originalbild des Künstlers. Ich denke, das können wir auch – eine Ausstellung von einem millionenschweren zeitgenössischen Künstler ohne ein einziges Bild von ihm. Wir lassen Bilder von Jugendlichen unserer Region malen. Das ist unmittelbare Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und erfüllt unseren Bildungsauftrag. 

Wie kommen Sie an die heran? 

Ulrike Tütemann, die Kulturbeauftragte der Volme-Kommunen, und ich haben die Kunsterzieher aller Schulen OadV angeschrieben. Jetzt schauen wir gemeinsam, wie wir das organisiert kriegen. Mein Vorschlag wäre der afroamerikanischer Maler, Zeichner und Graffitikünstler Jean-Michel Basquiat (1960-1988). Es macht bestimmt einen Riesenspaß sich wie Basquiat auf großen Formaten auszutoben. Für die Jugendlichen soll es ihre Ausstellung werden und ihr Museum. Ich rechne auch fest mit den Eltern und Großeltern als Besucher. 

Damit wäre Ihr erstes Jahr fast rum. Aber nur fast... 

In der Vorweihnachtszeit soll es etwas Wunderschönes, Stoffliches, Kuscheliges geben. Das sind die Quilts von der Gildegruppe „Stoffwechsel“ aus Lüdenscheid. Wunderschöne, handwerklich absolut präzise Arbeiten... 

...ich bin nicht so gut in Handarbeiten... 

...es geht um Patchworktechnik vom klassischen Quilt über genähte Märchenbücher, Stoffarbeiten zu japanischen Haikugedichten. Das müssen auch Sie mal gesehen haben. Ich hätte gerne einen Verkauf von kleinen, besonderen Geschenken in der Adventszeit gehabt. Die Arbeiten sind aber so aufwendig, dass das wohl kaum jemand bezahlen möchte. 

Das Angebot der Quiltdamen sind aber im Rahmen der Ausstellung zwei „Nähnachmittage“. Interessierte könnten unter Anleitung, per Hand, eine kleine Stoffarbeit herstellen und mitnehmen. Dieser Termin könnte einmal für Erwachsene und einmal für Kinder in Begleitung angeboten werden, ist die Überlegung.

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