Skandale im Mittelpunkt

Erster Kulturskandal: Gelungener Auftakt

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Rund 25 Besucher waren beim ersten Kulturskandal.

Halver - Eine wirklich skandalöse Veranstaltung feierte am Samstagabend in den Räumen der Heesfelder Mühle ihr Debüt.

Der Kulturskandal der Soundbäckerei fand dort erstmalig statt. Rund 25 Besucher verfolgten die kritischen Vorträge und diskutierten miteinander. Beim Top-Thema des Abends, das von Pedram Shahyar aus Berlin vorgetragen wurde, ging es um „Kapitalismus und seine Alternativen“. 

Kultur und Skandale unter einen Hut zu bringen, ist nicht nur ein ganz neues, sondern auch ein gewagtes Konzept. Initiator Robin Brunsmeier ist überzeugt davon, dass genau diese Mischung ein Erfolgsrezept für eine Veranstaltungsreihe ist: „Wir wollen Menschen einladen, die auch etwas zu erzählen haben, und dabei einen Rahmen schaffen, in dem Kleinkunst angeboten wird. Das sollen poetische, aber auch musikalische Gäste sein.“ Die Unterhaltung der Besucher stehe dabei an erster Stelle. 

Veranstaltungsreihe soll regionalen Charakter bekommen

„Zur ersten Veranstaltung haben wir Pedram Shahyar eingeladen. Er zeigt uns eine Welt auf, in der es auch anders aussehen kann.“ Dabei sollen die Themen, die zum Denken anregen, künftig auch einen regionalen Charakter bekommen. Langfristig gesehen werden anstößige Begebenheiten aus allen Bereichen, die im Halveraner Umfeld für Gesprächsstoff sorgen, im Fokus stehen – so der Plan. Wer ein skandalöses Thema anprangern möchte, kann sich bei der Soundbäckerei melden. 

Die Herausforderung liegt laut Brunsmeier darin, ein Gleichgewicht zwischen den ernsten Themen und dem Unterhaltungswert zu schaffen: „Das Anprangern ist natürlich Teil des Konzepts“, erklärt der Initiator. „Wir wollen aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vor dem Publikum stehen. Ganz im Gegenteil: Die Besucher sollen auf Missstände hingewiesen werden und gleichzeitig etwas mitnehmen können, das zum Ändern der Situation beitragen kann.“ 

Vorträge und Musik im Wechsel

Gleichzeitig sorgen musikalische Einlagen für Abwechslung. Dabei setzt die Soundbäcker in erster Linie auf Ska-Musik, die auch namensgebend für den Titel der Veranstaltung ist. Es dreht sich also nicht nur um Skandale, sondern auch um Ska: „Wir lieben diese Musik und wollen damit auch Dinge zusammenbringen, die an sich vielleicht gar nicht in Zusammenhang gebracht werden.“ 

Die erste Veranstaltung am Samstag begann mit dem Blogger, Kolumnisten und Attac-Aktivisten Pedram Shahyar aus Berlin, der in seiner Rede die Folgen aber auch Alternativen zum Kapitalismus aufzeigte. „Profitwirtschaft, Konkurrenzwirtschaft und Wachstumswirtschaft dominieren den Kapitalismus“, erklärte Shahyar. „Wir können zwar wählen gehen und uns von unserer gewählten Partei vertreten lassen, doch die wirklich großen und wichtigen Entscheidungen werden von den großen Konzernen getroffen.“

Folgen und Alternativen des Kapitalismus

Der Staat sei zu stark mit den Konzernen verknüpft, beklagte der Berliner. Eine repräsentative Demokratie sei längst überholt. Wir bräuchten eine direkte, echte Demokratie, und die beginne auf lokaler Ebene mit Bürgerentscheiden und Initiativen. „Wir müssen weg von der Profitwirtschaft und hin zur Bedarfswirtschaft. Wir dürfen keine Konkurrenzsituation schaffen, sondern Kooperationen. Konkurrenz kann nicht produktiver sein als Zusammenarbeit.“

Erster Kulturskandal an der Heesfelder Mühle

Pedram Shahyar plädierte für eine Abschaffung der Geldkultur und forderte ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle – mit einer öffentlichen Infrastruktur mit kostenlosen Angeboten von Schulen, Energie, Gesundheitssystem und öffentlichem Nahverkehr. 

Der Halveraner Claudius Bartsch wählte für seine Lesung ein Buch von Jean Ziegler aus und zitierte ein Kapitel über homogenisiertes Bewusstsein. „Wir müssen uns doch fragen, ob wir wirklich Urlaub in Australien machen müssen und schon während des Flugs die Umwelt belasten wollen.“

Zwischen den Vorträgen gab es immer wieder Live-Musik. Robin Brunsmeier hat dafür sogar extra einen passenden Song kreiert und das bekannte Lied „Skandal im Sperrbezirk“ in „Skandal im Naturschutzgebiet“ umgewandelt. Fest steht, dass der Kulturskandal regelmäßig stattfinden wird.

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