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Neue Prognose: Stadt Halver geht von deutlich mehr Flüchtlingen aus

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Von: Florian Hesse

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Immer mehr Flüchtlinge kommen auch in Halver an. Und die Prognosen gehen von deutlich mehr Menschen aus der Ukraine aus.
Immer mehr Flüchtlinge kommen auch in Halver an. Und die Prognosen gehen von deutlich mehr Menschen aus der Ukraine aus. © Jan Woitas

Die Stadt Halver und ihre Bürger werden sich auf deutlich mehr Kriegsvertriebene aus der Ukraine einstellen müssen, als zunächst angenommen. Darauf bereitet man sich vor.

Halver – Aktuelle Schätzungen auf Ebene des Landes und der Bezirksregierung belaufen sich auf bis zu 500 000 Flüchtlinge, die allein nach NRW kommen könnten.

Grob gerechnet dürfte dann jeder Tausendste nach Halver kommen. Die Stadt würde damit Platz und Versorgung für 500 Menschen schaffen müssen. Das ist mehr als das Doppelte der ursprünglichen Arbeitshypothese von 200 bis 220 Menschen, die Platz finden müssen.

Diese Lage muss nicht zwangsläufig so kommen. Fachbereichsleiter Thomas Gehring (Bürgerdienste) hofft, dass die Zahlen nicht so sind, dass man auf Notunterbringungen zurückgreifen muss. Pläne dafür liegen in der Schublade, sollen aber nur im äußersten Fall zum Tragen kommen.

Situation noch stabil

Zurzeit ist die Situation noch stabil. 66 Flüchtlinge aus der Ukraine leben zurzeit in Halver. Untergebracht wurden sie in privater Regie. Am Dienstag wurden die ersten Zuweisungen direkt durch das Land angekündigt. Sechs Menschen aus dem Kriegsgebiet werden dann in Halver eintreffen.

Dynamik macht Sorgen

Sorgen machen nicht allein die Zahlen, sondern die erwartete Dynamik des Geschehens. „Die Frage ist, wie schnell wir die Dinge fertig kriegen“, sagt Gehring mit Blick auf die Unterkünfte.

Etwa 35 Wohnungen in Halver stünden privat zur Verfügung, müssen aber teilweise noch hergerichtet werden. Wer leer stehenden Wohnraum anbieten kann, ist nach wie vor dringend gebeten, sich mit der Stadt in Verbindung zu setzen (Tel. 0 23 53/7 31 43). An fehlenden Schränken, Betten, einer Waschmaschine oder Ähnlichem werde das nicht scheitern, versichert Gehring. „Was fehlt, werden wir organisieren.“

Wettlauf mit der Zeit

Der Wettlauf mit der Zeit gilt auch für den eigenen Bestand. Mit Bordmitteln allein sei das ohnehin nicht zu stemmen, sagt Bürgermeister Michael Brosch im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Stadt setzt auf Vergaben an heimische Handwerker, die aber auch vielfach an den Grenzen ihrer Kapazität arbeiteten. Ob frühere Awo-Kita, Denkhof, Stadtwerke-Gebäude oder das Hotel Haus Frommann – überall besteht Handlungsbedarf.

Pavillons bleiben

Selbst räumliche Ressourcen, die eigentlich zum Abbruch bestimmt waren, werden jetzt geschont. Das gilt für die Schulpavillons an der Regenbogenschule. Die bleiben jetzt stehen – zu welcher Verwendung auch immer. Der Ersatz wird an anderer Stelle errichtet. „Ziel bleibt die Vermeidung von Notunterkünften“, sagt Gehring. „Wir können auf nichts verzichten“, sagt Brosch.

Druck auf Schulen

Die Unterbringung ist dabei nicht die einzige Baustelle, um die es gerade geht. Die Zahl der Schüler, die mit der Anmeldung in Halver schulpflichtig wird, ist noch überschaubar. Doch die Erfahrung andernorts zeige, dass etwa 50 Prozent der Neuankömmlinge im schulpflichtigen Alter sein dürften. Trifft die 500er-Prognose zu, worauf vieles hindeute, wären das etwa 250 Kinder, die aufgenommen werden müssten. Bei unter 2000 Schülern in Halver nach jetzigem Stand wäre das ein Zuwachs vonzwölf Prozent, die die Schulen zu bewältigen hätten.

Hilfe durch Vertriebene

Auch personell wird es eng bei der Stadt. Das betrifft die Betreuung der Menschen und deren Begleitung, wenn es um Registrierung und mögliche Hilfen geht. Im Idealfall könnten auch Flüchtlinge selbst unterstützen, beispielsweise beim Dolmetschen. Mit ihrer Anmeldung in Deutschland erhalten sie zudem auch die sofortige Arbeitserlaubnis.

Kita-Plätze fehlen

Im Regelfall aber sind es Frauen mit Kindern, teilweise mit sehr kleinen Kindern. Für deren Betreuung aber gibt es auf Landesebene noch keinerlei Vorgaben. Der Märkische Kreis versichert zwar auf Anfrage, dass auch freie Kita-Plätze genutzt werden könnten. Aber die gibt es weder in Halver noch in den meisten anderen Kommunen des Kreises. Eine optimale Unterbringung für alle werde man nicht auf die Schnelle bewerkstelligen können, weiß Brosch bereits jetzt. „Wir werden mit Kompromissen leben müssen.“

Hohe Kosten

Ein weiteres Problem wird sich in den kommenden Wochen und Monaten ebenfalls stellen. Das Hochfahren der Kapazitäten ist mit erheblichen Kosten verbunden. Die Landeszuweisung von 875 Euro pro Flüchtling wird nicht die Investitionen und laufenden Kosten abdecken. Denn abzugelten sind davon die Kosten der Unterbringung, die finanzielle Unterstützung, die unter dem Regelsatz der Sozialhilfe liegt oder auch die Krankheitskosten. „Wir erwarten eine Zusage auf Landes- und Bundesebene, um die Kommunen an dieser Stelle zu stützen“, betonen unisono Brosch und Gehring.

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