Veränderungen trotz Corona

Neue Geschäfte & Co.: Die Innenstadt wandelt sich

Wandel der Innenstadt Halver Bahnhofstraße
+
Die Bahnhofstraße wandelt sich immer mehr zu einem Viertel mit kulturellen und kulinarischen Angeboten.

Man könnte auf Leerstände aufmerksam machen. Aber so viele gibt es davon nicht mehr in Halvers Innenstadt. Stattdessen wandeln sich die Einkaufsstraßen.

Halver – Aus kleinen Geschäften werden Gastronomien, Wohnungen oder andere kreative Geschäftsideen. Nur noch wenige Flächen stehen leer – und wenn, dann nicht erst seit Kurzem. Ein Überblick, im ersten Teil der Serie mit Fokus auf Frankfurter Straße, Bahnhofstraße und Rathausumgebung.

Dass die Innenstädte im Umbruch sind, ist nicht neu. Auch nicht, dass es das Einkaufen im Internet ist, das es dem Einzelhandel schwer macht. Der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Boris Hedde, sieht für die Zukunft noch einschneidendere Veränderungen. Er prognostiziert in einem Interview mit der dpa: „Die Innenstadt wird ein Erlebnispark.“ Er sagt weiter: Noch könne der Wandel aktiv gestaltet werden. Attraktive Innenstädte punkteten mit Gestaltung, Ambiente, Erlebnischarakter und Angebotsvielfalt. Wie steht´s um Halver?

Ein Blick zurück

Blickt man in die Vergangenheit Halvers, stellt man fest, dass die Innenstadt schon lange im Wandel ist. Sie hat sich verlagert – immer weiter weg von der Nicolai-Kirche. War um das evangelische Gotteshaus vor vielen Jahrzehnten mit dem „Runden Eck“ noch ein Ort für die Halveraner, an denen sie alles bekamen, sind dort heute noch die Post, etwas Gastronomie und der Eingang in die Frankfurter-Einkaufsstraße. Geblieben ist die Metzgerei Wiebel seit fünf Generationen. Auch der Allgemeine Anzeiger zog mit seiner Redaktion vor langer Zeit vom Kirchplatz auf den Sparkassenplatz.

Wo geht´s hin?

Die heutige Innenstadt erstreckt sich von der Frankfurter Straße über die Bahnhofstraße und endet im Fachmarktzentrum, das vor wenigen Jahren eröffnet wurde. Befürchtungen, dass Läden schließen werden, haben sich nicht bestätigt – zumindest nicht als dauerhafte Leerstände. Noch gibt es zwei Bekleidungsgeschäfte in der Bahnhofstraße, Lene Fashion und Moden Klose. Ingrid Bauckhage hat ihren Laden altersbedingt geschlossen. Eingezogen ist mittlerweile Mahesh Hewakandamby und erweitert damit seine zwei Lokale Tea Lounge und „The Elephants“ um das Geschäft für Gewürze, Weine und Tee, dem „Temple of Taste“. Neben indisch wird es schräg gegenüber russisch bei Romaschka, Und zu ganz anderen Kulturen bringen den Halveraner die Mitarbeiter im Reisebüro Kattwinkel.

Gleich nebenan hält sich die klassische Kneipe Zum Fäßchen und erweitert sich im Frühjahr um eine Außenterrasse. Auf der Ecke zwischen den beiden Innenstadt-Straßen ist das Tortenatelier in einem der zwei Schieferhäuser untergebracht. Nebenan sitzt der Kunstverein Vakt. Kulturelle und kulinarische Angebote vereint. Leerstände gibt es auf der Bahnhofstraße nicht.

Aus Apotheke wird Beratungsbüro.

Auch die Frankfurter Straße ist fast frei von Leerständen. Lediglich am Alten Markt ist das Café „Ouzeri o Tolis“ geschlossen und ein paar Häuser weiter steht ein Lokal leer – das Schaufenster wird aber mit dem Kulturfenster so lange mit Kunst und Leben gefüllt. In das Ladenlokal, aus dem die Ratsapotheke ausgezogen ist, ist mittlerweile Bethanien mit einem Beratungsbüro eingezogen. Auf der linken Seite der Straße Richtung Kirche hat sich mit mehreren kleinen Salons eine ganze Schönheits-Meile etabliert. Sie endet in dem neuen Massagesalon „Baan Boom“, aus dem 2017 Drogerie Scholz wegen des Fachmarktzentrums auszog.

Tradition

Augenoptiker Kortmann feiert 2021 sein hundertjähriges Bestehen. Auch wenn der Wandel im Handel zu spüren ist, hält sich das Schuhhaus Nicolay und die Schmuckecke mit einer Auswahl an hochwertigen Produkten. Wo in anderen Städten Buchläden zu kämpfen haben, ist der Kö-Shop an der Mittelstraße für die Halveraner, ob Jung oder Alt, nicht wegzudenken. Ebenso der Werkhof, der seit 2006 in Halver ist.

Das Café „Ouzeri o Tolis“ geschlossen.

Wohnen und Gesundheit

Aus dem alten Kiosk am ZOB, der schon seit Jahren ein Schandfleck der Innenstadt ist, soll ein Hotel werden.

Neben einigen Arztpraxen finden sich auch Fitnessstudios, Physiotherapeuten und Beratungsbüros von Pflegediensten in der Innenstadt und der näheren Umgebung. An der Kirche ist im alten Postamt heute ebenfalls eine Physiotherapiepraxis.

Die Rolle der Stadt und Politik

„Die Stadt schafft den Rahmen“, sagt Bürgermeister Michael Brosch. Wer oder was sich in den Geschäften der Innenstadt ansiedelt, könne weder Verwaltung noch Politik lenken – auch, weil es sich um private Ladenlokale handelt. Aber die Stadt sorgt für Parkplätze, ausreichend Aufenthaltsmöglichkeiten und Anbindungen. Ein Anliegen ist es Brosch, dass zum Beispiel weiterhin innerstädtisch keine Parkgebühren anfallen. Wenn der Rahmen stimmt, kommen auch die Kunden und damit die Händler. Momentan wird ein Projekt an der Frankfurter Straße umgesetzt. Anfang des Jahres wurde das Haus Nummer 11 abgerissen. Neu entstehen dort jetzt sowohl Parkplätze als auch Sitzgelegenheiten, die die Aufenthaltsqualität der Innenstadt verbessern sollen.

Was fehlt?

Dass eine Parfümerie fehlt, wurde an den Bürgermeister Michael Brosch herangetragen. Aber da müsse man ehrlich sein, sagt Brosch: „Davon zu träumen, ist nicht gut.“ Man solle sich die Frage stellen: „Hat das in Halver eine Chance?“ Brosch gefällt vor allem die Entwicklung an der Bahnhofstraße. Heute stelle sie eine erfolgreiche Verbindung zur Frankfurter Straße dar.

Was ihm fehlt, sei grundsätzlich ein Spielzeugladen. Daher bedauert er, dass Gato Toys im Fachmarktzentrum schließen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare