Schließungen im November

Neue Corona-Regeln: Gastronomen in Halver reagieren unterschiedlich

Gastronomie, Halver, Corona, Tortenatelier
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Ein Lieferservice lohnt sich nicht für jeden Betrieb: Das Tortenatelier in Halver verkauft an Wochenenden und Feiertagen außer Haus. Der Toilettenpapier-Kuchen wird weiterhin gebacken.

Vor wenigen Wochen fragten sich Gastronomen noch, wie sie den Herbst und Winter in Corona-Zeiten überstehen können – wenn es zu kalt ist, um draußen zu sitzen. Nach den neuen Regelungen bleiben Restaurants, Cafés und Imbisse ab Montag und den gesamten November geschlossen bleiben.

Halver – Wir haben bei den Gastronomen in Halver nachgefragt, was die Corona-Schließung im November für sie bedeutet.

Reservierungen werden aufgelöst. Nur wenige Personen sitzen im Restaurant Martas am Berliner Platz. „Die Leute haben wieder Angst“, sagt Marta Stanovic. „Es fühlt sich an wie im März.“ Die vergangenen Wochenenden waren noch gut besucht, sagt die Geschäftsführerin.

„Und ich rechne auch damit, dass das Wochenende gut wird – zum Abschluss.“ Verstehen kann sie die Maßnahme des Bundes nicht. „Es ist nicht bestätigt, dass man sich Corona im Restaurant holt“, sagt Stanovic. Ihr machen mit der Schließung der Gaststätten die privaten Feiern, die daraus resultieren werden, Sorgen. „Das finde ich viel schlimmer.“

„Ich finde nicht, dass das der richtige Weg ist“, sagt sie klar. „Aber ich schließe lieber als mit fünf Personen hier zu sitzen. Das macht keinen Spaß.“ Finanziell ist es von Vorteil, dass der Ehemann von Martas Stanovic der Hauptverdiener ist und die Familie nicht von den Einnahmen des Restaurants abhängig ist. Wenn es aber so weiter geht, müsse man überlegen, welche Konsequenzen das für die Gaststätte bedeutet.

Michael Stoffer vom Schlemmerimbiss beginnt mit einem „Tja...“ und einer langen Pause. „Ich halte da überhaupt nichts von.“ Die Politik sollte sich Gedanken darüber machen, wo sie wirklich eingreifen muss. Das seien noch mehr die Freizeitaktivitäten, die man kontrollieren müsse. „

Wir sind diejenigen, die sich am meisten an die Corona-Bestimmungen halten.“ Abstand, Maskenpflicht, Anwesenheitslisten – „wir erfüllen alles. Ich und auch alle meine Kollegen in Halver.“ Im Gegensatz dazu führt er Supermärkte auf, die nicht geschlossen werden können, um die Versorgung sicher zu stellen, aber fragt: „Warum werden da die Auflagen nicht verschärft?“ Fest steht für ihn: „Das Problem ist nicht die Gastronomie.“ Unverständnis von seiner Seite aus – auch weil die Schließung folgen haben wird. Der Lieferservice und das To-Go-Geschäft sollen weitergehen.

Aber er wird die Kurzarbeit nicht verhindern können, und vielleicht muss er auch wieder Mitarbeiter kündigen. Das war beim letzten Lockdown der Fall. „Es ist anders nicht aufzufangen. Es wird für alle ein trauriges Spiel.“

„Wenn ich schließen muss, dann schließe ich“, sagt Domenico Gulotta. Auch wenn auch für ihn nichts dafür spricht, die Gaststätten zu schließen. Die Abstandsregelungen, die Personenbeschränkung und auch die Sperrstunde verringern das Risiko. „Eigentlich müsste das doch gehen.“

Aber Gulotta denkt bereits weiter und will seinen Abholservice weiterführen, er hat neue Ideen. Passend zur Jahreszeit soll es bei ihm demnächst adventliche Speisen geben, die man zuhause nur noch im Ofen fertig backt. Auch er muss sich etwas einfallen lassen, um die monatlichen Fixkosten zu bezahlen.

Es geht wieder los wie im Frühjahr, sagt Stefan Knaf. Der Inhaber des Kulturbahnhofs hat ein Déjà-vu. Aber auch er kann nicht verstehen, dass Restaurants schließen müssen. Übers Wasser halten wird er sich mit dem Lieferservice. Der läuft bereits die gesamte Corona-Zeit parallel zum Essen in der Gastronomie.

Aber auch der Lieferservice, der nicht ansatzweise den Ertrag bringt wie ein normaler Betrieb, wird nicht vor Kurzarbeit schützen. Die Gästezahlen lassen in den vergangenen Wochen stark nach. Nichtmals die Hälfte der Gäste wie im August und September hat Knaf im Oktober erreicht. Das liegt an den steigenden Zahlen, aber auch daran, dass die Gäste nicht mehr draußen sitzen können. „Aber ein Heizpilz bringt da auch nichts.“

Auch er wird kreativ. „Was bleibt mir anderes übrig?“ Ab November beginnt im Kuba wieder die Grünkohl-Zeit – und diesmal auch für Gäste zuhause. Ab dem 11. November kommt Gänsebraten mit Rotkohl dazu.

Ob das reicht? Im Frühjahr wurde die Soforthilfe ein wenig ihrem Namen gerecht. Eine weitere finanzielle Hilfe kam von der Versicherung. Aber noch einmal wird es keine Hilfe geben, vermutet Knaf. Und das alles, obwohl Statistiken belegen, dass sich in der Gastronomie nur wenige Menschen infizieren. „Schwarze Schafe gibt es immer, und da sollte man durchgreifen.“ Grundsätzlich sieht er Restaurants nicht als gefährliche Orte an.

„Die Gastronomie wird zum Schafott geführt“, kommentiert Stefano Gallus vom Tortenatelier die Entwicklung, die auf seine Betriebe in Halver und Radevormwald zurollt. Die Betreiber aus der Gastronomie seien am schwächsten und am einfachsten zu treffen, wenn es um Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie gehen. Dabei seien Hygiene-, Abstands- und Erfassungsregelungen überall konsequent umgesetzt worden.

„Das ist eine Herausforderung, aber wir werden kämpfen“, sagt Gallus, der das Tortenatelier mit Inkrafttreten der neuen Bestimmungen nur noch samstags, sonntags und feiertags öffnen wird, jeweils in der Zeit von 10 bis 17 Uhr. Getrennter Ein- und Ausgang, Desinfektion und Erfassung gelten dabei. „Vorbeikommen, aussuchen und kaufen“, das wird noch möglich sein, auch eine telefonische Information und Bestellung. Ein Lieferservice, hat er schon ausgerechnet, lohne sich nicht.

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