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Wer verliert, stirbt: Netflix-Serie Squid Game bereitet Sozialarbeitern Sorgen

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Von: Sarah Lorencic

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Die Serie „Squid Game“ erfährt vor allem bei Kindern und Jugendlichen einen regelrechten Hype.
Die Serie „Squid Game“ erfährt vor allem bei Kindern und Jugendlichen einen regelrechten Hype. (Symbolbild) © Rolf Vennenbernd/dpa

Es werden Kinderspiele gespielt. Doch wer verliert, wird kaltblütig hingerichtet. Die neue Netflix-Serie Squid Game aus Südkorea ist Gesprächsthema geworden. Vor allem unter Jugendlichen, wie Arndt Spielmann und Saskia Hock vom Jugendzentrum Aquarium in Halver festgestellt haben.

Halver – In der Serie geht es um rund 450 Menschen, die hoch verschuldet sind und am Rande ihrer Existenz stehen. Gegeneinander treten sie in insgesamt sechs Kinderspielen an. Wer am Ende gewinnt, erhält 33 Millionen Euro. Die neun Teile der Serie sind blutig, unzensiert und brutal. Laut des Streaming-Dienstes Netflix ist die Serie die erfolgreichste aller Zeiten. Nach knapp vier Wochen schauten 111 Millionen Zuschauer aus mehr als 90 Ländern Squid Game.

Dahinter steckt unter anderem der Hype um die koreanische Kultur (K-Pop), vermutet Arndt Spielmann. Publikum und Kritiker loben das Konzept. Jugendschützer sind nicht ganz so erfreut über den neuen Hype und warnen. Die saarländische Landesmedienanstalt hat vor schädlichen Folgen der südkoreanischen Serie vor allem für jüngere Zuschauer gewarnt. „Ich schätze die Wirkung der Serie insbesondere auf Jüngere als entwicklungsbeeinträchtigend, wenn nicht -gefährdend ein“, teilte LMS-Direktorin Ruth Meyer mit. Eltern und pädagogische Fachkräfte fragten derzeit verstärkt nach medienpädagogischem Rat.

Weil die Besucher des Aquariums immer wieder über die Netflix-Serie sprachen, haben auch die beiden Sozialarbeiter in Halver den Fernseher angemacht. Um zu wissen, worüber die Zehn- bis Zwölfjährigen sprechen. Und Saskia Hock ist alarmiert.

Das erste Spiel bei Squid Game: Wenn sich die Puppe umdreht, wird jeder, der nicht still steht, erschossen.
Das erste Spiel bei Squid Game: Wenn sich die Puppe umdreht, wird jeder, der nicht still steht, erschossen. © Squid Game/Netflix

Im Grundsatz findet Arndt Spielmann die Serie nicht problematisch. So würden durch die Geschichte gesellschaftliche, politische und psychologische Themen behandelt werden. „Die Unterschiede zwischen arm und reich – was machen Menschen alles für Geld?“ Erwachsene können das differenzieren, Kinder und Jugendliche schauen die Serie mit anderen Augen, sagt Spielmann. „Es ist eine Mutprobe“, vermutet er. „Und der Reiz des Verbotenen.“ Denn dass die Serie erst ab 16 Jahren empfohlen wird, wissen die Jugendlichen genau, sagen die Sozialarbeiter.

In den Ferien spielten die Jugendlichen am PC des Jugendcafés die Serie im Internet auf gängigen Plattformen nach. „Ich wusste erst gar nicht, was das war“, sagt Spielmann. „Squid Game“, wurde ihm kurz und knapp geantwortet. Saskia Hock hat nicht nur die Serie geschaut, sondern sich auch weiter informiert. In anderen Ländern spielen Schüler die Spiele auf den Pausenhöfen, mittlerweile sogar in Kitas nach. So wurde es zum Beispiel an Schulen in Belgien und Großbritannien beobachtet. Dort wurden die Verlierer verprügelt. Es werde sich zeigen, ob Squid Game auch in Halver die Schulhöfe erobert.

Die beiden Sozialarbeiter Hock und Spielmann appellieren an Eltern, den Zugang zu solchen Medien zu kontrollieren. Im Jugendzentrum in Halver wollen die Mitarbeiter mit den Jugendlichen über die Netflix-Serie sprechen.

Welche Motive stecken hinter dem Konsum gewalthaltiger Medieninhalte?

Der emotionale Kick und das Überschreiten von Grenzen: Man möchte etwas Aufregendes erleben. Der Wunsch nach Ablenkung, Protest und Abgrenzung spielt eine zentrale Rolle. Das gemeinsame Bestehen von extremen Situationen: Das Anschauen der Videos wird zu einem Gemeinschaftserlebnis. Besonders extreme Inhalte geben auch ein gutes Gesprächsthema in der Gruppe ab oder werden zur Anerkennung genutzt. Dazu zählt zum Beispiel auch, schockierende Videos an jüngere Mitschüler als eine Art Mutprobe weiterzuschicken.

Wie kann man sein Kind schützen?

„Haben Sie keine Angst – durch eine gewalthaltige Serie allein wird ein Kind sicherlich nicht gewalttätig“, erklärt die EU-Initiative klicksafe. Wenn Eltern Inhalte nicht gut finden, das Kind aber davon fasziniert ist, ist ein reines Verbot meist zwecklos – vor allem dann, wenn Serien wie Squid Game bereits die ganze Schulklasse beschäftigen. Eltern sollten mit ihren Kindern sprechen und sich die Serie erklären lassen. Dabei können sie ihre Sorgen und Bedenken äußern. Kinder, die sich aus Gruppenzwang mit solchen gewalthaltigen Inhalten beschäftigen, sind froh, wenn Eltern vehement eingreifen und das Serienschauen verbieten.

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