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Naturgärten sind auch an Firmen möglich: Frau aus dem MK beweist das 

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Von: Thilo Kortmann

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Britta Koslowski gestaltet Naturgärten. Dabei bezieht sie das Material aus der Umgebung mit ein. Dieser Stein wurde bei den Arbeiten gefunden.
Britta Koslowski gestaltet Naturgärten. Dabei bezieht sie das Material aus der Umgebung mit ein. Dieser Stein wurde bei den Arbeiten gefunden. © Kortmann, Thilo

Die Außenbereiche von Firmen umweltfreundlich und natürlich gestalten – das hat sich Britta Koslowski aus Halver zur Aufgabe gemacht. Als Naturgartenprofi plant und kreiert sie Naturgärten – für Firmen, aber auch privat. „Naturgarten & Ko“ nennt sie sich als Selbstständige: „Naturgarten und Koslowski“. Seit dem 1. Januar ist sie außerdem als Naturgartenprofi bei einer Hagener Firma angestellt.

Bevor Britta Koslowski sich für den Hauptberuf mit der Natur entschied, war sie lange Zeit im Einkauf in der Industrie tätig. Die 52-Jährige bezeichne sich lieber als Naturgartenplanerin, weil die offizielle Bezeichnung ihres Berufs, der Naturgartenprofi, etwas merkwürdig klinge, findet sie.

Seltener Beruf

Von 2011 bis 2013 absolvierte sie die zweijährige Ausbildung an der Naturgartenakademie. Ihre Abschlussprüfung im praktischen Teil war die Planung und Ausführung eines Naturgartens in Marienheide. Zudem musste sie noch eine theoretische Prüfung in der Wildpflanzenbestimmung ablegen. Lernen war angesagt. Immerhin gibt es circa 4200 heimische Farn- und Pflanzenarten. „Nach der Ausbildung habe ich ganz normal in der Industrie weitergearbeitet“, sagt Britta Koslowski.

Kleine Frühlingsblümchen gehören genauso zur Bepflanzung eines Naturgartens wie ein großflächiger Bewuchs.
Kleine Frühlingsblümchen gehören genauso zur Bepflanzung eines Naturgartens wie ein großflächiger Bewuchs. © Kortmann, Thilo

Anfang des Jahres habe sie endgültig den Schritt zu ihrem absoluten Traumberuf gewagt. „Insgeheim wollte ich schon immer etwas mit Natur und Pflanzen machen. Es ist genau das, wofür mein Herz schlägt“, sagt sie. Ihr Beruf sei eine Seltenheit in der Region. „Es gibt hier nur ganz wenige Naturgartenplaner.“

Einheimische Pflanzen und natürliche Materialien stehen ab sofort im beruflichen Mittelpunkt. Bei der Schaffung von ökologisch wertvollen Orten sei Biodiversität gefragt. Ihr jüngstes und erstes Projekt ist die Gestaltung des Außenbereiches der Firma Mayweg in Oeckinghausen. „Industriegebiete bergen ein großes Potenzial für Naturgärten. Es sind oft große Firmenflächen, die bepflanzt werden können“, erklärt Britta Koslowski. So wie die Außenfläche der Firma Mayweg.

Biodiversität ist gefragt

Rund 10 000 Quadratmeter hat Britta Koslowski zusammen mit einem Architekten innerhalb von einem Jahr in ein Refugium für heimische Pflanzen- und Insektenarten umgewandelt. Die Liste der Pflanzen ist lang: Natternkopf, Tauben-Skabiose, Flockenblumen, wilde Möhre, Taubenkropf-Leimkraut.

15 verschiedene Gehölze wie Faulbaum, Wildrose, Apfelrose, Weinrose, schwarze Heckenkirsche oder den Seidelbast gibt es insgesamt. Letzterer ist ein früh blühendes Gehölz. Ab Juni trägt das Gehölz rote Beeren, eine Nahrungsquelle für Vögel.

Diese Steinmauer dient als Lebensraum und Schattenspender für Tiere. Auch hier wurden Steine aus dem Erdreich verwendet.
Diese Steinmauer dient als Lebensraum und Schattenspender für Tiere. Auch hier wurden Steine aus dem Erdreich verwendet. © Kortmann, Thilo

Die Firma selbst steht auf einem Acker, der Rohboden ist sehr steinig. Erst bei den Baggerarbeiten kamen zahlreichen Steine zum Vorschein. „Die schönen Steine kann man doch wunderbar in den Naturgarten integrieren“, kam ihr spontan die Idee. Die Steine wurden also in die Gestaltung miteingebunden, zieren den Naturgarten, der sich rund um die Firma zieht.

Steinwand als Lebensraum

Nicht nur optisch interessant sind die Steine, sondern auch mit einem Nutzen für die Tierwelt. Eine Steinwand dient als Lebensraum und Schattenspender für Tiere und Insekten – ein potenzieller Ort für Eidechsen. „Jetzt ist hier sogar mehr Leben als vorher“, sagt die Expertin. Sie habe bereits eine seltene Schmetterlingsart, den Schwalbenschwanz, beobachten können, sagt sie. Den Distelfink habe sie auch schon gesichtet.

Britta Koslowski hat den Seidelbast angepflanzt. Dieser dient ab Juni auch als Futterquelle für Vögel.
Britta Koslowski hat den Seidelbast angepflanzt. Dieser dient ab Juni auch als Futterquelle für Vögel. © Kortmann, Thilo

Wie wichtig die Bepflanzung von Flächen sei, sagt sie, habe das Hochwasser im Volmetal gezeigt. Schuld daran sei auch die Versiegelung von Flächen. Und es sollen ja auch weitere Industriegebiete in Halver entstehen. Deshalb sei auch die Begrünung von Industriegebieten zukunftsweisend – als ein Beispiel für die Verbindung von Industrie, Naturgarten und Umweltschutz. Das passiere so aber noch relativ selten bei heimischen Firmen. Platz genug sei meist vorhanden. Auch die Bodenbeschaffenheit sei nicht so entscheidend bei der Gestaltung eines Naturgartens – wie der steinige Boden der Firma Mayweg beweist. Zusätzlicher Mutterboden wurde nicht benötigt.

Die Firmenbesitzer müssten nur daran denken, dass sie ihre Außenbereiche auch ökologisch wertvoll nutzen. „Jede Schotter- oder Splitterfläche kann begrünt, bepflanzt werden und ist auch noch befahrbar“, erklärt Britta Koslowski.

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