Ehemalige AFG-Schülerin berichtet von Ereignissen in Tel Aviv

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Die 19-jährige Almut Voswinckel lebt und arbeitet derzeit freiwillig in einem Seniorenwohnheim in Tel Aviv. ▪

HALVER ▪ Zumindest beim Blick in die Nachrichtenagenturen in Israel ist Ruhe eingekehrt. Und mit der Waffenruhe, die in der vergangenen Woche zwischen Israelis und Palästinensern ausgehandelt wurde, hat sich auch der Alltag der ehemaligen AFG-Schülerin Almut Voswinckel entspannt.

Seit Anfang September wohnt und arbeitet die 19-Jährige in Tel Aviv. Eben jener israelischen Großstadt, in der sich vor acht Tagen ein Anschlag auf einen Linienbus ereignet hat.

Im Stadtteil Jaffa, nahe am Meer gelegen, arbeitet die Lüdenscheiderin, die bis vor zwei Jahren in Halver lebte, im Rahmen eines neunmonatigen Freiwilligendienstes im „Tzahalon Geriatric Center“, einer Einrichtung für ältere und demenzkranke Menschen. Sie betreut und beschäftigt die Bewohner, reicht ihnen das Essen oder schiebt sie auch im Rollstuhl spazieren. Eine Arbeit, die ihr viel Spaß macht, wie sie dem AA berichtet. Allerdings räumt sie ein, dass die vergangenen Wochen, in denen immer wieder Raketen auf Israel abgefeuert wurden, nicht spurlos an ihr vorbeigegangen sind.

Dabei habe sie sich anfangs durchaus sicher gefühlt: „Angst hatte ich wirklich nicht.“ Gerade in Tel Aviv, das in Israel auch „The Bubble“ (deutsch: „Die Blase“) genannt werde, komme einem der Nahost-Konflikt generell etwas ferner vor. „Ich hätte auch nie gedacht, dass die Raketen aus Gaza bis hierhin reichen könnten.“ Bis in der Zeitung gestanden habe: „The Bubble has burst“ – die vermeintlich sichere Blase war geplatzt. Fortan liefen bei Almut Voswinckel und ihren Mitbewohnern ununterbrochen die Fernsehnachrichten.

Doch erst ein einschneidendes Erlebnis am Abend des 15. November habe ihr ernsthaft Sorgen bereitet: „Ich war am Abend auf dem Weg zum Einkaufen, als ich das erste Mal die Sirenen hörte und danach einen lauten Knall. Das kam so überraschend für mich und ich war so unvorbereitet, dass ich einfach auf der Straße stehen geblieben bin und abgewartet habe.“ Die Rakete sei dann offenbar im Meer gelandet – doch an den folgenden Tagen seien immer wieder Sirenen zu hören gewesen, berichtet Voswinckel. „Ich würde nicht sagen, dass ich hier in Panik ausgebrochen bin, aber in den Momenten war ich schon sehr beunruhigt. Die eigentliche Erleichterung kam, wenn die Sirene aufgehört hat und wir einen Knall hörten. Dann konnten wir direkt in den Nachrichten sehen, dass der ,Iron Dome‘, die ,Eiserne Kuppel‘, die Rakete vor dem Einschlag abgefangen hat.“

Als in der vergangene Woche schließlich die Nachricht von der Waffenruhe kam, sei die Erleichterung spürbar gewesen, berichtet die 19-Jährige. Denn zuvor sei die Kriegsgefahr nicht zuletzt dadurch erkennbar gewesen, dass immer mehr Reservisten eingezogen wurden, „auch der Sohn einer Mit-Volontärin und der Sohn einer Krankenschwester hier. Niemand wusste, ob es eine Bodenoffensive geben würde oder nicht.“

Negativer Höhepunkt des Konflikts war freilich der Anschlag auf einen Linienbus am Mittwoch vergangener Woche, bei dem 17 Menschen verletzt wurden. „Da waren wir alle sehr besorgt, vor allem, da wir auch sehr viel Bus fahren und wir genauso in dem Bus hätten sitzen können“, erinnert sich Almut Voswinckel, die nach der immer noch anhaltenden Waffenruhe nun jedoch darauf hofft, dass Normalität in den Alltag einkehrt. Freilich sei die Stimmung zwischen Israelis und Palästinensern weiter angespannt: „Das wird vor allem bei Facebook sehr deutlich. Da werden von manchen Israelis Bilder gepostet, die eine jüdische Mutter zeigen, die ihr Kind vor den Raketen beschützt, und eine palästinensische Mutter, die ihrem Kind einen Bombengürtel umbindet.“ Und ebenso würden von der Gegenseite entsprechende Fotos veröffentlicht. Doch es gebe auch das Gegenteil: „Menschen, die sich einfach nur Frieden wünschen und in kein Extrem gehen.“

Sie selber wolle in dem Konflikt kein Urteil fällen, „weil ich trotz allem finde, dass ich nicht tief genug im Thema bin“. Im Mai endet für Almut Voswinckel ihr Freiwilligendienst in Tel Aviv. Sie berichtet auch im Internet von ihren Erlebnissen in Israel: Ihr Blog ist über die Adresse almut-in-israel.blogspot.co.il zu finden. ▪ Frank Zacharias

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