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Landwirt lässt Gülle in Bach laufen: Ergebnisse der Untersuchung sind da

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Von: Florian Hesse

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Gülle in Halver wieder ein Problem.
Gülle in Halver wieder ein Problem. © Henning Bagger

Einer der größten Umweltskandale war der Gülle-Vorfall 2015 im Märkischen Kreis. Damals verunreinigten mehr als eine Million Liter Gülle eine komplette Talsperre. Im Januar gab es einen weiteren Gülle-Fall im MK. Die Untersuchungen des Gewässers sind inzwischen abgeschlossen.

Halver - Ein Landwirt vom Collenberg in Halver hat am Sonntagmorgen, 23. Januar, die Schleusen seines Gülletanks geöffnet und die angrenzenden Felder geflutet. Die Polizei sprache von etwa 20.000 Litern Mist, die über nasse Felder ins Gewässer abflossen. Die Untere Wasserbehörde des Märkischen Kreises hat entsprechende Untersuchungen durchgeführt.

Update: 2. Februar, 13.55 Uhr: Die Ableitung von etwa 20 000 Litern Gülle aus dem Tank eines Hofs am Collenberg wird rechtlich im Nachgang aufgearbeitet. Ökologische Schäden sind jedoch nicht festzustellen.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag, 22. auf den 23. Januar, hatte ein Landwirt dort aus Not und wegen Überfüllung des Behälters die Schleusen geöffnet und die Gülle über eine Wiese ablaufen lassen. Das war Zeugen im weiteren Verlauf der Gewässer in Schlemme und im Zulauf zur Volme aufgefallen.

Bei einer Nachkontrolle am 26. Januar konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. Eine Verunreinigung war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr feststellbar. Aufgrund des hohen Wasserstands war der Eintrag in kurzer Zeit offenbar stark verdünnt, teilt der Märkische Kreis mit.

Landwirt handelt mit Vorsatz

Erstmeldung: 24. Januar, 12.07 Uhr: Das Ausmaß war derart, dass Zeugen den Vorgang gegen 10.30 Uhr der Polizeiwache Halver meldeten – und zwar noch von dem kleinen Bach Schlemme und dem Einmündungsbereich in die Volme in Oberbrügge mehrere Kilometer entfernt. Nach Angaben der Polizei ging es um einen Umfang von rund 20 000 Litern des stinkenden Düngemittels, die über die nassen Felder ins Gewässer abflossen.

Die Ermittlungen führten die Beamten dann zum Collenberg, wo sie die Ursache feststellen konnten. Den Weg wies die grünliche Verfärbung des Gewässer, die die Zeugen auch gemeldet hatten. Auch die Feuerwehr war am Einsatz beteiligt.

Die Rufbereitschaft der Unteren Wasserbehörde wurde von der Feuerwehr Halver alarmiert. Die Untere Wasserbehörde hat ein weiteres Aufbringen von Gülle untersagt. Das Gewässer Bocklenberger Siepen, Schlemme und Volme wurde besichtigt. Bekannte Teichbesitzer wurden mit Zuhilfenahme der Feuerwehr kontaktiert. Der Probenahme-Messdienst des LANUV wurde vom Bereitschaftsdienst der Unteren Wasserbehörde angefordert. Es wurden Wasserproben am Eintrittsort, in der Schlemme und in der Volme genommen, teilt der Märkische Kreis mit. Das weitere Verfahren wird durch die Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft geführt. Die Landwirtschaftskammer wurde ebenfalls von der Untern Wasserbehörde unterrichtet und wird weitere Schritte einleiten.

Eine weitere Beeinträchtigung der Volme ist nicht zu erwarten, da die Volme viel Wasser führt. Der Eintrag in die Volme wird stark verdünnt. Das Gebiet liegt nicht im Wasserschutzgebiet. Ein Fischsterben wurde nicht beobachtet.

Landwirt handelt mit Vorsatz

Die Untere Wasserbehörde des Märkischen Kreises übernahm die weiteren Maßnahmen. Gegen den Landwirt wird nun wegen des Straftatbestandes der Gewässerverunreinigung ermittelt. Klar wurde im Laufe der Ermittlungen, dass die Einleitung nicht aus Versehen, sondern mit Vorsatz passierte. Der Landwirt habe nicht mehr gewusst, wohin mit der Gülle, heißt es seitens der Pressestelle der Polizei.

Der Vorgang könnte für den Verursacher im Nachhinein auch noch teuer werden. Es geht dabei nicht um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um eine Straftat nach Strafgesetzbuch: Der Paragraf 324 Tatbestand Gewässerverunreinigung besagt:

Der Fall erinnert an einen Vorgang vom 18. März 2015. Damals waren aus einem riesigen Gülletank eines anderen Halveraner Landwirts enorme Mengen Gülle in den Neyebach abgeflossen und schlussendlich in der Talsperre Neye gelandet. Insgesamt seien damals 1600 bis 1700 Kubikmeter Gülle über die Wiesen in den Neye-Bach und darüber in die etwa vier Kilometer entfernte Talsperre abgeflossen, legte die Staatsanwaltschaft dem Landwirt zur Last. Die Überhöhung von Ammonium-Stickstoff und Phosphorwerten um das bis zu 800-Fache habe zu Fisch- und Froschsterben in der Sperre geführt.

Den finanziellen Schaden hatten die Stadtwerke Remscheid in der zivilrechtlichen Klage mit 242 000 Euro beziffert. Das Verfahren ist noch nicht beendet. Strafrechtliche Konsequenzen hatte die Leerung des Gülletanks am Ende nicht.

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