Nachfrage nach alten Akten nach wie vor groß

Seit drei Jahren gehört das Aussortieren alter Akten zu ihrem Tagesgeschäft: Annelie Jalowy sortiert, mistet aus und schreibt Interessenten an. Bis Ende des Jahres soll die Auflösung des Bauaktenarchivs abgeschlossen sein. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Noch kam der Reißwolf nur auf Wunsch der Eigentümer zum Einsatz – doch spätestens Ende dieses Jahres soll es den alten Bauakten im Untergeschoss der Villa Wippermann endgültig an den Kragen gehen. Dass der Reißwolf nicht schon längst zum Einsatz kam, ist allein dem großen Interesse der Grundstücksbesitzer zu verdanken, wie Bau-Fachbereichsleiter Franz Helmut Engel erklärt.

Denn: Die ursprünglich gesetzte Frist für die Abholung der Akten ist eigentlich längst verstrichen. Im Februar 2008 begann Annelie Jalowy vom Fachbereich „Bauen und Wohnen“ mit der Auflösung der alten Bestände, da schon damals Papier für Baugenehmigungsverfahren überflüssig geworden war. Seit 2006 stellt der Märkische Kreis als ausführende Behörde sämtliche Vorgänge digital zur Verfügung. In der Folge kam die Idee auf, die teils historischen Akten nicht einfach zu vernichten, sondern den entsprechenden Grundstücksbesitzern gegen eine Aufwandsentschädigung auszuhändigen.

Nachdem bereits im Januar 2009 mehr als 1200 der ursprünglich 3900 Akten auf diesem Wege abgegeben wurden, sollte die Aktion im März vor zwei Jahren enden. „Aber die Resonanz war einfach zu groß, als dass wir einfach alles hätten vernichten können“, sagt Franz Helmut Engel. Nach jeder Presseveröffentlichung sei das Interesse angestiegen, zudem habe es zahlreiche Interessenten gegeben, die nur fernmündlich von der Aktion des einstigen Bauamtes erfahren haben. „Manche Grundstücksbesitzer leben schließlich nicht in Halver“, erklärt Engel.

So lief die Veräußerung des Bestands weiter. Mittlerweile haben schon 2700 Akten auf diese Weise den Besitzer gewechselt. Und weitere werden wohl folgen, denn vor Kurzem hat Annelie Jalowy damit begonnen, die Eigentümer zu sämtlichen noch verbliebenen Akten einzeln anzuschreiben. Bis Ende Juni sollen also insgesamt etwa 1200 Briefe mit Angabe einer Abholfrist verschickt worden sein, „so dass die Aktion bis Ende des Jahres definitiv abgeschlossen sein soll“, wie Jalowy sagt.

Pro Kilogramm Akten beläuft sich die zu entrichtende Aufwandsentschädigung auf 15 Euro – „damit kommen Einfamilienhausbesitzer zumeist auch aus“, sagt Engel. Mit der Menge an Akten sinkt auch der Kilopreis. Eine Einnahmequelle, die auch andere Kommunen interessiert: Zuletzt habe sich eine Kommune aus dem Rheinland in Halver über das Prozedere der Archivauflösung informiert. ▪ Frank Zacharias

Auskünfte zur Archivauflösung erteilt Annelie Jalowy unter der Rufnummer 0 23 53 / 7 31 71.

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