Streit inmitten der dörflichen Idylle

HALVER ▪ Am Ende gab Richter Udo Dünnebacke den zerstrittenen Nachbarn aus einem Halveraner Dorf einen guten Wunsch mit auf den Weg: „Ich würde mich freuen, wenn Sie sich wieder zusammenraufen würden.“ Doch die Chancen dafür stehen schlecht.

Wer fast vier Stunden lang vor einem Zivilrichter mit harten Bandagen kämpft, wird sich eher nicht die Hände reichen. Da bleibt dem Lüdenscheider Amtsrichter nur, „in drei bis vier Wochen“ seine Entscheidung zum Nachbarschaftsstreit zu verkünden. Am Anfang des Konflikts in einem Halveraner Dorf stand eine Wiese, die mit Hilfe von drei Straßenleuchten sicher vor weiteren Straftaten gemacht werden sollte. Zwei Pferde seien dort getötet, zwei weitere durch Schnitte verletzt worden, begründete der Besitzer die Maßnahme am Rande der Verhandlung. Getroffen von den Lichtkegeln der in sieben bis acht Meter Höhe angebrachten Leuchten wurde allerdings ein Wohnhaus unterhalb der Wiese. Ein dort lebender 56-Jähriger erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Ausleuchtung der Wiese und erreichte damit, dass die Leuchten nicht mehr direkt in Richtung Wohnhaus zeigten. Doch der Kläger will noch mehr: die vollständige Abschaltung der Leuchten und möglicherweise Schmerzensgeld. Als Hauptleidtragende präsentierte sich seine 61-jährige Ehefrau, die von dem Fortschritt in den ersten April-Tagen berichtete: „Vorher hatten wir die absolute Blendung. Das war wie ein Schock. Die Lampen sind angegangen und alle Zimmer waren hell.“ Für das Wohnzimmer gönnte sich das Ehepaar ein lichtdichtes Rollo, an einem weiteren Fenster musste eine umfunktionierte Wolldecke notdürftigen Schutz vor den Strahlern bieten. „Wie soll ich Rollos für 14 Fenster stemmen?“, fragte der Kläger vor Gericht. Seine Frau berichtete von Schlafstörungen und einer geminderten Wohnqualität. „Meine Frau kann nicht mehr“, kommentierte der Kläger die Zeugenaussage seiner Frau. Fluchtartig verließ sie nach ihrer Aussage den Gerichtssaal.

Widersprüchlich waren die Aussagen von zwei Zeugen, von denen der eine Mitarbeiter des Staatlichen Umweltamtes Hagen und zuständiger Experte für Nachbarschaftsbeschwerden im Märkischen Kreis war. Der zweite war Diplom-Ingenieur und Fachmann für alle technischen Fragen rund um öffentliche Beleuchtungsanlagen. Ersterer berichtete von einer Messung auf der Grenzlinie der beiden Grundstücke, die eine erhebliche Beeinträchtigung durch überhöhte Helligkeitswerte bestätigte. Denn das Bundes-Immissionsschutzgesetz bietet auch Schutz vor Lichtbelästigungen. Gutachter Markus Skeide hingegen schätzte die Lichtintensität der drei Strahler aufgrund des großen Abstands zu den Fenstern des Wohngebäudes als eher gering ein – selbst wenn sie direkt auf das Wohngebäude ausgerichtet würden: „Der Vollmond ist viel stärker.“ Die Aufstellung der sonst als Straßenleuchten verwendeten Lampen sei aus dieser Sicht „nicht zu beanstanden“.

Nach den Anträgen der Anwälte der Streitparteien und sechs Zeugenaussagen wird nun Richter Udo Dünnebacke das voraussichtlich letzte Wort in diesem Streit haben. ▪ Thomas Krumm

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