Lärm und Belästigungen

Nachbarn beklagen sich: Ärger über Bahnhof-Partys im MK

Dicht an dicht stehen Schlafwaggon und Wohngebäude am Bahnhof in Oberbrügge.
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Dicht an dicht stehen Schlafwaggon und Wohngebäude am Bahnhof in Oberbrügge.

Den Anwohnern platzt langsam aber sicher der Kragen. An einem Bahnhof im MK werden Partys gefeiert. Es kommt zu Lärm und Belästigungen.

Halver - Die Front verläuft am Gartenzaun und sogar quer durchs Haus. Die Stimmung ist nicht gut am Bahnhof Oberbrügge, wo auch die Draisinen der Schleifkottenbahn Richtung Halver starten und nach getaner Kurbelei wieder ankommen.

Unter welchen Begleitumständen das passiert, beschäftigt mittlerweile das Ordnungsamt der Stadt Halver. An das haben sich Anwohner des direkt angrenzenden Hauses Bergstraße 26 gewandt. Ruhestörung, katastrophale hygienische Zustände, Verstöße gegen Corona-Regelungen, Belästigungen und Beleidigungen – es ist eine ganze Latte von Vorwürfen, die David Blankenburg als einer der Bewohner des Hauses und mit ihm mehrere Nachbarn, insgesamt acht an der Zahl, zusammengetragen haben.

Im Fokus ihrer Beschwerden steht die Schleifkottenbahn GmbH, die mit dem Draisinenbetrieb den Unterhalt der 6,5 Kilometer langen Strecke finanziert und den historischen Schlafwagen, in dem die Geschäftsführer Michael Arnold und Stefan Heinrich bis zur Corona-Zeit auch Übernachtungen angeboten haben.

Übernachtung und Party

Was dann vor dem Schlafwagen vor sich gehe, spotte jeder Beschreibung, gibt Blankenburg seine Beobachtungen im AA-Gespräch wieder. Seine Eingabe an die Stadt hat er mit Fotos ergänzt, die jedem Anspruch an Lebensmittelhygiene im öffentlichen Raum widersprechen. Mit der Umstellung auf ein Dixie-Klo hatte die Schleifkottenbahn mit Einführung der Übernachtungen immerhin den Toilettenbetrieb auf Vordermann gebracht. Das Speißfass unterm Waggon hatte als Abort ausgedient.

Doch die „Übernachtung im Schlafwagen, Lagerfeuer, Frühstück und Party in Eigenregie“, dazu Getränkepauschale und Bogenschießen entwickelten offenbar zeitweise ein Eigenleben. Junggesellenabschiede hätten sich auch gerne bis in den frühen Morgen gezogen. Und im August 2019 – übrigens der einzige polizeiliche Eintrag, der sich recherchieren ließ – kamen denn auch Beamte der Wache Halver und griffen ein, als zwei Feiergesellschaften verbal und wohl auch körperlich aneinander geraten waren – ein Partytrupp der Nachbarn vom Bahnhof, der andere der Schleifkottenbahn. Den Platzverweis habe Blankenburg erhalten, sagen Arnold und Heinrich, doch ob man wieder Veranstaltungen wie Junggesellenabschiede zulassen werde, schließt Arnold für die Zukunft eher aus.

Grillplatz und Pavillon neben dem Waggon.

Auf die Übernachtungen im Grundsatz verzichten, wolle man aber nicht, sagt Heinrich. Und in einer Stellungnahme weist er darauf hin, dass es mit den Draisinen nicht nur um den nachhaltigen Erhalt der historischen Bahnstrecke gehe, sondern auch um eine touristische Attraktion, die ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt Halver bedeute; inzwischen auch über Nordrhein-Westfalen hinaus. Und gerade in der Corona-Zeit habe man – stets unter Beachtung der Pandemie-Regeln und in der Zeit, in der der Betrieb zulässig war – ein Freizeit- und Ferienangebot für Familien unterbreitet, denen zuhause die Decke auf den Kopf fiel. Dass die Strampelei auf der alten Trasse tatsächlich gut ankommt, belegen auch Zahlen. In der Saison zählt man inzwischen rund 150 Gäste pro Woche. Insbesondere an den sonnigen Wochenenden ist der frisch und teuer hergestellte Bahnhofsvorplatz tatsächlich belebt, was im Normalfall und im Regelbetrieb der Volmestrecke Lüdenscheid-Köln sonst nie der Fall ist.

Ordnungsamt würde moderieren

Wie die Parteien nun zueinanderfinden, ist mit Stand von jetzt offen. Stefan Heinrich verweist auf einige noch umzusetzende Maßnahmen und bittet die Nachbarn um Verständnis und Geduld. Vielleicht finden auch Blankenburg und Arnold zu einem gemeinsamen Nenner – immerhin wohnen sie beide fast Wand an Wand im Bahnhofsgebäude.

Dass die Parteien zueinander finden müssen, steht für einen Außenstehenden außer Frage. Da müsse es zu einer Lösung kommen, sagt Lutz Eicker vom städtischen Ordnungsamt. Und die Stadt werde sich anbieten, an dieser Stelle zu moderieren. „Und zwar noch, bevor die Saison anfängt.“

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