Betonboden: Stadt zum Handeln aufgefordert

+
Der Hallenboden an der Mühlenstraße ist derzeit Gegenstand von Diskussionen. ▪

HALVER ▪ Seit 36 Jahren gibt es die Turnhalle an der Mühlenstraße – und genau so alt ist auch der Betonboden der Sportstätte. Doch der steht seit Sonntag massiv in der Kritik. Denn die schwere Verletzung Jan Stuhldrehers von der Spielgemeinschaft Schalksmühle-Halver (SGSH) steht für die heimischen Handballakteure in direktem Zusammenhang mit dem Untergrund. Nun fordern sie die Stadt auf zu handeln.

Es war die Schlussphase der Partie gegen Senden, als der folgenschwere Unfall geschah: Stuhldreher landete nach dem Zusammenprall mit einem Gegenspieler auf dem harten Boden, zog sich dabei eine Schultereckgelenk-Sprengung zu (wir berichteten im Lokalsport). „Auf einem Schwingboden wäre das nicht passiert“, vermutet Mark Wallmann von der SGSH. Wallmann betont auf AA-Anfrage, dass das Thema „Hallenboden“ vereinsintern bereits seit drei Wochen diskutiert werde, also schon vor dem Unfall Jan Stuhldrehers im Fokus stand – und dabei habe man auch Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt. Dass man nun auch auf eine öffentliche Diskussion hofft, sei einer am Mittwoch deutlichen Absage zur Errichtung eines Schwingbodens seitens der Stadtverwaltung geschuldet. „Wir wollten das eigentlich ohne eine große Staubwolke in der Öffentlichkeit lösen“, sagt Mark Wallmann, „aber die Stadt darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen.“

Für ihn ist es unverständlich, dass die Verwaltung den Betonboden der Turnhalle vor zehn Jahren saniert, aber nicht durch einen neuen, gelenkschonenden Schwingboden ersetzt hat. Denn die Problematik des Betons sei hinlänglich bekannt. „Unsere erste Mannschaft trainiert nie am Folgetag eines Spiels, das in Halver stattgefunden hat, weil den Spielern dann alles wehtut“, so Wallmann. Nicht ohne Grund finde das Training generell am Schalksmühler Löh und nicht an der Mühlenstraße statt. Bevor noch Schlimmeres passiere, müsse die Zeit genutzt werden, um über Alternativen nachzudenken. „Da muss doch auch die Politik drüber nachdenken wollen!“, hofft Mark Wallmann nun auch auf Unterstützung aus dem Rat.

Ähnlich, wie es die Initiatoren der Kunstrasenplätze taten, kann sich auch Wallmann eine Teilfinanzierung durch Spenden vorstellen. Er rechnet mit Gesamtkosten zwischen 150 000 und 170 000 Euro. „Die Entsorgungskosten des alten Bodens sind noch die große Unbekannte“, so der engagierte SGSH-Akteur. Michael Schmidt vom Bau-Fachbereich der Stadt bezeichnet indes eine Summe von 150 000 Euro als „Kostenuntergrenze“ für einen Schwingboden.

Kosten, die die Stadt angesichts ihrer finanziellen Lage nicht einfach aufbringen kann, wie Bürgermeister Dr. Bernd Eicker gestern auf Anfrage erklärte. „Es gibt Projekte, die wünschenswert, und solche, die notwendig sind. Wir müssen Prioritäten setzen“, so das Stadtoberhaupt. Natürlich sei der Sportunfall von Jan Stuhldreher „schrecklich“, doch müsse man intensiv prüfen, ob die Verletzung tatsächlich aufgrund des Bodens aufgetreten sei.

Zudem erinnerte Eicker gestern an die Anfangszeiten der Sporthalle an der Mühlenstraße: „Damals waren es die Handballer, die solch einen Boden wollten. Die Schulen hatten sich damals einen Schwingboden gewünscht.“ Ein Umstand, von dem Mark Wallmann weiß – doch er kontert: „Das ist ja eine ganze Generation her. Mich interessiert nur, welche Probleme wir heute haben.“

Bereits kurz nach der Partie am Sonntag hatte SGSH-Trainer Mathias Grasediek den Hallenboden an der Mühlenstraße hinterfragt. Es sei ein Unding, dass die Stadt es schafft, die Fußballvereine mit drei Kunstrasenplätzen auszustatten, aber Schul- und Vereinssport weiter auf Beton ausgeübt werden muss. „Ich denke, dass ein Jo Deckarm in der Handball-Geschichte genug ist“, erklärte Grasediek mit Blick auf das Schicksal des heute schwerbehinderten, ehemaligen Nationalspielers, der während eines Spiels 1979 so unglücklich auf den Hallenboden – ebenfalls aus Beton – fiel, dass er sich schwere Kopfverletzungen zuzog und 132 Tage im Koma lag. ▪ Frank Zacharias

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare