Landgericht fällt Urteil

Nach jahrelangem Missbrauch: Stiefvater muss ins Gefängnis

Sexueller Missbrauch Übergriff Kinder Symbolbild
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Mann muss nach Missbrauche an seiner Stieftochter ins Gefängnis.

Ein Mann musste sich vor Gericht wegen mehrfachen Missbrauchs an seiner Stieftochter verantworten. Nun hat die Strafkammer ein Urteil gefällt. Der Stiefvater muss ins Gefängnis.

Halver/Hagen – Wenn zwei Justizwachtmeister anlässlich einer Urteilsverkündung im Verhandlungssaal des Landgerichts auftauchen, wird es ernst für den Angeklagten. So war es auch am Mittwoch, als die 1. große Strafkammer einen ehemaligen Halveraner wegen 18-fachen sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilte.

Gleichzeitig erließen die Richter zunächst einen Untersuchungshaftbefehl, denn das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger plädierte dafür, seinen Mandanten von allen Vorwürfen freizusprechen. Die Staatsanwältin beantragte eine Haftstrafe von neun Jahren – wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes, genauer einer Schutzbefohlenen, und wegen schweren sexuellen Missbrauchs.

Taten in einer Wohnung in Halver

Am schwersten wogen dabei die Taten in einer Wohnung in Halver, mit denen die Übergriffe im Laufe des Jahres 2005 begonnen hatten. Zur Überzeugung des Gerichts hatte der Angeklagte seine Stieftochter auch noch nach Umzügen nach Remscheid und Wuppertal missbraucht. Die Richter verhängten dafür Einzelstrafen von bis zu fünf Jahren.

Die 2000 geborene Stieftochter des Angeklagten war von Anfang an mit ihm in einem Haushalt aufgewachsen und hatte ihn als Vater angesehen. Sie sei ihm zur Erziehung anvertraut gewesen –„genauso wie ein leibliches Kind“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz in seiner Urteilsbegründung. Schon bei der ersten Tat, an die sich die Belastungszeugin noch sehr detailliert erinnern konnte, habe der Angeklagte „das Vertrauen des Kindes in besonderer Weise durch Vortäuschen eines Spiels missbraucht“. Dieses Spiel begann mit dem Verbinden der Augen des kleinen Mädchens und der Verkostung ganz unterschiedlicher Dinge, unter denen aus sexualstrafrechtlicher Sicht nur das letzte Objekt herausstach.

20-jähriges Opfer ist glaubwürdig

Ausführlich nahm der Vorsitzende Stellung zur Frage der Glaubwürdigkeit der heute 20-jährigen Zeugin. Die Kammer folgte dabei der Sachverständigen Cornelia Orth, die der Hauptbelastungszeugin in ihrem Gutachten eine hohe Glaubwürdigkeit attestiert hatte. Die Zeugin habe eine „durchgehend zurückhaltende Aussage“ gemacht, das Geschehen an keiner Stelle dramatisiert und zahlreiche Details benannt – sogenannte „Realkennzeichen“, die für ein tatsächliches Geschehen sprechen.

Einzelne Unstimmigkeiten änderten nichts an der grundsätzlichen Glaubwürdigkeit der Zeugin: „Nicht jede Inkonstanz stellt einen Hinweis auf eine Unglaubwürdigkeit der Zeugin dar.“ Kleine Unterschiede in den wiederholten Aussagen von den polizeilichen Vernehmungen über das Gespräch mit der Gutachterin bis zur Zeugenaussage vor Gericht gelten als erwartbar nach einem so langen Zeitablauf. „Abweichungen im Randgeschehen“ waren für die Kammer kein Grund an den Aussagen zu zweifeln. Das Kerngeschehen habe die Zeugin glaubwürdig geschildert.

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