Jugendarbeit in Halver

Nach illegaler Bikeanlage und Skaterpark-Ende: Mobile Lösungen für die Jugend

Mobile Rampen für die Jugendlichen, die sonst auf der Skateranlage an der Katrineholmstraße waren. Über Sozialarbeiter Arndt Spielmann kommt man an sie ran
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Mobile Rampen für die Jugendlichen, die sonst auf der Skateranlage an der Katrineholmstraße waren. Über Sozialarbeiter Arndt Spielmann kommt man an sie ran

Was braucht die Jugend in Halver? Ein Gespräch mit Sozialarbeiter Arndt Spielmann und Jugendlichen über die Bike-Anlage bei Escha und das neue Angebot, das erstmals genutzt wurde.

Halver – „Einfach gut gebaut – Respekt“, kommentiert Arndt Spielmann die Mountainbike-Anlage im Wald unweit von Escha, über die wir berichteten. Die Strecke aus Baumstämmen, Paletten und Brettern muss abgebaut werden, weil sie eine Umwandlung des Waldes darstellt. Feuertonne und Schießanlage gehen ohnehin zu weit, sagte Oberforstinspektor Ulrich Ackfeld. Das sieht auch Arndt Spielmann ein. „Es ist verboten, ja. Aber im Rahmen einer pädagogischen Maßnahme wäre diese Anlage gelobt worden.“
Das Echo auf die Anlage war nicht von Kritik, sondern von Verständnis geprägt. Denn, wo sollen die Jugendlichen denn hin, fragt man in den sozialen Netzwerken. Die Skateranlage ist geschlossen und aufgrund der Corona-Pandemie fallen sämtliche Aktivitäten aus. Die Jugendlichen in Halver haben nichts, heißt es von vielen Seiten. Deshalb sitzen sie am ZOB, an alten Firmengeländen oder eben im Wald. Von „Verdrängung“ ist die Rede.

Für Arndt Spielmann aber ist das zu weit hergeholt. Er ist kein Fan davon, zu behaupten, die Jugend in Halver hat nichts, sagt er. „Das stimmt so auch einfach nicht.“
Was den Jugendlichen, und zwar genau denen, die immer wieder auffallen, fehlt, sind Erwachsene, die sich für sie interessieren und ihnen zuhören. „Den Jugendlichen fehlt oft jemand, der ihnen einfach mal Zeit widmet.“ Es geht um Probleme, die innerhalb der Familien liegen. Solche, die auch vor Corona schon da waren. „Ich mache mir nicht mehr Sorgen als vorher auch schon.“
Dass Jugendliche – so wie im Wald bei Escha – Rückzugsorte bauen, wundert ihn grundsätzlich nicht. Er schiebt es auch nicht auf Corona oder die geschlossene Skateranlage. „Das sind Jugendliche.“ Sie suchen Plätze, wo sie unbeobachtet sind, mal ein Bier trinken können, zumindest die Älteren. Solche Orte gab es auch vor Corona und sie wird es auch nach Corona geben. So oder so: Die Anlage ist illegal.

Jugendliche vermissen Skatepark an Katrineholmstraße

Dass die Skaterbahn an der Katrineholmstraße geschlossen ist, traf viele Jugendliche. Noch immer fragen sie bei dem Sozialarbeiter an, wann es eine Alternative gibt. Für sie ist Spielmann der erste Ansprechpartner. Er kommunziert mit ihnen über sämtliche Plattformen. In einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung von 2020 kam heraus, dass sich insgesamt rund 65 Prozent der Jugendlichen in Deutschland von der Politik nicht gehört fühlen. Das lasse sich auf die lokale Ebene beziehen, sagt Spielmann.

Für die Jugendarbeit hat der Sozialarbeiter mobile Rampen besorgt. Als Ausgleich für die geschlossene Skaterbahn. Am Dienstag war es endlich soweit und die ersten Jugendlichen wollten die mobilen Rampen ausprobieren. Kurz und knapp vereinbarte Arndt Spielmann Uhrzeit und Treffpunkt. 15 Uhr auf einem Parkplatz, wo die Jugendlichen hoffen, niemanden zu stören. Wir waren vor Ort und haben mit den Jungen gesprochen.

Herpine wäre keine gute Alternative

Sonst waren sie jeden Tag auf der Skaterbahn an der Katrineholmstraße, sagen sie. Nach den Hausaufgaben ging es sofort raus, gerade einmal fünf Minuten brauchten sie mit ihren Scootern zur Anlage. Die Herpine, die für den neuen Standort der Anlage im Gespräch ist, fänden die Jungen nicht gut. Es ist zu weit weg, sagen sie. Zeit geht verloren und nach dem Skaten ist man auch „echt fertig“ – einen weiten Weg nach Hause will man dann nicht mehr auf sich nehmen. Sie hoffen auf eine baldige Lösung, rechnen aber in Jahren.

Auf ihren Handys haben sie Videos, die sie stolz zeigen. Mit Mountainbikes machen sie Tricks. Kleine Rampen aus Erde im Wald dienen als Sprungbrett. Auf Tik Tok laden sie ihre Videos hoch, ein Youtube-Kanal ist im Gespräch. „Die Jungen sind richtig cool“, sagt auch Arndt Spielmann.

Die, die da waren, sagen, ihnen fehlt nichts Spezielles in Halver. Die Freunde gehen zusammen in den Wald, machen Radtouren und kriegen ihre Freizeit gut rum. Die mobilen Rampen finden sie super und wollen sie jetzt regelmäßig nutzen. Eine Nachricht an Arndt Spielmann reicht.

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