Familien stark getroffen

Aufräumen im Schockzustand nach Hochwasser

Vanessa Reikowski mit Töchtern Lea und Ina stehen in ihrem Garten, der verwüstet wurde.
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Vanessa Reikowski mit Töchtern Lea und Ina stehen in ihrem Garten, der verwüstet wurde.

in Oberbrügge war durch das Unwetter in dieser Woche Land unter. Keller und Gärten wurden überschwemmt. Nun räumen Familien auf - noch im Schockzustand.

Oberbrügge – Tag zwei nach dem Unwetter ist geschafft. Irgendwie. In Oberbrügge entlang der Volme funktionieren die Anwohner, räumen auf, und kommen doch nicht voran. Noch nicht alle sind wieder in ihren Häusern, weil Stromkästen im Keller im Wasser stehen – eine Rückkehr ist zu gefährlich.

Andere sind gar nicht gegangen, als sie evakuiert werden sollten. Familie Reikowski und Gerlinde Köster zum Beispiel sind geblieben. Sie leben in der ersten Etage und ihre Wohnräume blieben trocken. Keller und Garten aber wurden geflutet. Die Wassermassen der Volme brachten Fenster zum Platzen und Garagentore zum Brechen.

„Wir sind nicht alleine“, sagt Anwohnerin Gerlinde Köster.

„In meinem Garten liegt ein Heuballen“, erzählt Vanessa Reikowski. Pure Verwüstung. Der Kletterturm der Töchter Lea und Ina war unter Wasser. Aus dem Fenster haben sie mit angesehen, wie innerhalb von 30 Minuten auf einmal alles unter Wasser stand. Der Garten, von Mauern umgeben, hielt das Wasser in sich fest. „Wir waren hilflos“, erzählt die Mutter. Die Kinder hatten Angst, eine der beiden Töchter hat sich abends übergeben. In den Wohnräumen waren sie in Sicherheit und blieben in Absprache mit dem THW. So auch Gerlinde Köster. Lange schaute sie aus dem Fenster und bekam langsam Panik, erzählt sie den Tränen nah. „Ich sah das Wasser kommen.“

Familie und Freunde helfen

Seit Donnerstag helfen Familienmitglieder und Freunde den Anwohnern entlang der Volme. „Wir sind nicht alleine“, sagt Gerlinde Köster und ist dafür sehr dankbar. Es sind nur materielle Dinge, sagen alle unisono, und sind froh, dass keinem etwas passiert ist. Die Heizung funktioniert in den meisten Häusern nicht, Warmwasser haben deshalb die wenigsten. Strom haben auch noch nicht alle. Aber keiner jammert, die Menschen sind still.

In der Siedlung Loewen liefen die Keller voll Wasser, die Wohnräume blieben verschont. „Wir waren von vier Seiten eingesperrt“, erzählt Karina Sommer. Geschlafen haben viele bei Bekannten, weil am frühen Abend noch nicht die Möglichkeit bestand, ins Bürgerhaus zu gehen. „Wir wussten davon nichts“, erzählt Karina Sommer. Ihre Mutter, wohnhaft in Lüdenscheid, wollte sie holen. „Aber sie kam nicht mehr hier hin.“

Jetzt räumen alle auf, die wieder zu Hause sind. Die Gärten stehen voller Kellerinventar. An den Straßen stehen Waschmaschinen. Ein Container soll bald für den ganzen Sperrmüll zur Verfügung gestellt werden.

Aufräumarbeiten in der Siedlung Loewen.

Hausnummer sechs und acht wurden besonders hart getroffen. Das Gebäude liegt, wo sich Schlemme und Volme treffen. Der Garten wurde eins mit den Gewässern. Bei der Evakuierung stand das Wasser bis zur Brust. Im Garten liegt eine braune Tonne. „Die gibt es gar nicht bei uns, wir wissen nicht woher sie kommt“, sagt ein Anwohner. Das Wasser hat sie angespült.

Hühner ertrinken in den Gärten

Auf der anderen Seite der Schlemme sind die Gärten. Sie waren bereits früh unter Wasser. Am Abend waren nur noch die Dächer der Gartenhäuser zu sehen. Tage später wird nun sichtbar, was das Hochwasser angerichtet hat. Neben dem Inventar sind es auch Hühner, die in den Grünanlagen gehalten wurden. Nur wenige von knapp 40 Hühnern haben überlebt. „Sie hatten keine Chance“, sagt Fatma Günal, die oft in einem der Gärten ist und erst am Sonntag noch dem ersten Geburtstag ihres Sohnes dort gefeiert hat. Da war alles noch in Ordnung, keiner konnte ahnen, was drei Tage später passieren würde.

Bei vielen Anwohnern greift die Versicherung nicht. Gerade für neue Waschmaschinen haben viele Anwohner kein Geld. Aber noch fehlt die Zeit, darüber nachzudenken.

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